Schumann ist in Bonn bestattet

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt Zwickau. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 27: der Komponist am Rhein.

Bonn/Zwickau.

Robert Schumanns Tod jährt sich am 29. Juli zum 160. Mal. Seine letzten Lebensjahre hat der 1810 in Zwickau geborene Komponist im heutigen Nordrhein-Westfalen verbracht. In Düsseldorf lebten er und seine Frau Clara von 1850 bis 1854. Hier wirkte Schumann als Städtischer Musikdirektor. Im letzten gemeinsamen Wohnhaus, Bilker Straße 15, im Stadtteil Carlstadt befindet sich eine Gedenkstätte. An der Fassade sind Gedenktafeln und ein Relief-Medaillon des Künstlerpaars angebracht. Das Archiv des Heinrich-Heine-Instituts auf der anderen Straßenseite enthält unter anderem eine bedeutende Schumann-Sammlung.

Das musikalische Erbe wird auch von der Robert-Schumann-Hochschule gepflegt. Ihr Sinfonieorchester und die Band Die Toten Hosen veranstalteten 2013 drei Konzerte in der Tonhalle Düsseldorf. Unter dem Titel "Willkommen in Deutschland" erinnerten die Musiker an die Reichsmusiktage und die Ausstellung "Entartete Musik" im Düsseldorfer Ehrenhof 75 Jahre zuvor. Mit dem Etikett "entartet" stigmatisierten die Nazis jede unerwünschte Form von Musik, vor allem jüdischer Künstler und von Vertretern der Avantgarde und des Jazz. Unter den von Musikern gemiedenen Werken gehörten auch die Felix Mendelssohn Bartholdys (1809-1847). Der Komponist und Gewandhauskapellmeister jüdischer Abstammung gehörte in Leipzig zu den engsten Freunden der Schumanns.

Für die Konzerte wurden die Band und Professor Thomas Leander, Prorektor der Musikhochschule, mit der Josef-Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf geehrt. Ein Mitschnitt erschien 2015 als Doppel-CD ("Entartete Musik": Willkommen in Deutschland - ein Gedenkkonzert). Die Platte erreichte den zweiten Platz der Album-Charts. Der Verkaufserlös sollte Stipendiaten und Konzertprojekten der Hochschule zugutekommen.

Die Düsseldorfer Robert-Schumann-Forschungsstelle erhielt 2015 den mit 10.000 Euro dotierten Zwickauer Schumann-Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird. Damit würdigte die Geburtsstadt die Verdienste der 1986 gegründeten Institution, die sich dem Schaffen des bedeutendsten Vertreters der musikalischen Romantik verschrieben hat.

Robert Schumann starb 1856 in Endenich, wo er zuletzt in einer Nervenheilanstalt gelebt hatte. Zwei Jahre zuvor war ein Selbstmordversuch gescheitert: Schumann sprang von einer Brücke in den eiskalten Rhein - Passanten retteten ihn. Sein opulent verziertes Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof in Bonn. Schmückende Elemente sind ein Reliefporträt, eine kniende Clara-Figur, ein geigender Knabe, eine singende Elfe und ein auffliegender Schwan. Die Inschrift der Grab- und Gedenkstätte lautet: "Dem großen Tondichter von seinen Freunden und Verehrern errichtet am 2. Mai 1880." Clara Schumann, 1896 in Frankfurt am Main gestorben, ist ebenfalls dort bestattet.

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Neue Ausstellung und neue Auflage

Den letzten Monaten des Lebens von Robert Schumann widmet sich auch eine Sonderausstellung, die ab morgen im Robert-Schumann-Haus, Hauptmarkt 5 in Zwickau, zu sehen ist. Neben letzten Notenaufzeichnungen, Originalbriefen des Komponisten und von seinem Endenicher Arzt Dr. Eberhard Peters werden auch Fotos gezeigt, die Schumann als Erinnerung in der psychiatrischen Heil-anstalt nahe Bonn bei sich hatte.

Anlässlich des 160. Todestages ist überdies eine Neuauflage der biografisch und botanisch kommentierten Faksimile-Ausgabe des Endenicher Blumentagebuches erschienen. Clara Schumann und ihre Kinder füllten es mit gepressten Blumen von ihren Reisen - gedacht als Geschenk für Robert nach seiner Entlassung aus der Nervenheilanstalt. Er hat es nie gesehen. Der band ist für 28 Euro im Schumannhaus erhältlich. (tk)

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