Schumanns wonniges Leben im Westen

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt Zwickau. "Freie Presse" ver- öffentlicht einige seiner Berichte. Teil 41: das Komponistenpaar an Neckar und Main.

Heidelberg/Frankfurt.

1829 verlegte Robert Schumann sein ungeliebtes Jura-Studium von Leipzig nach Heidelberg. Am Neckar erhoffte er sich "alle Freudenhimmel des Wonnelebens". Der 19-Jährige wohnte in der heutigen Hauptstraße 160, wo eine Gedenktafel an den prominenten Sachsen erinnert. Tausende Touristen schlendern täglich an diesem Haus in der pittoresken Fußgängerzone vorbei. Auch in der heutigen Seminarstraße 3 kam der Student unter. Dieses Haus wich 1847 dem Amtsgerichtsgebäude, das jetzt das Romanische Seminar der Universität beherbergt.

Die Anreise über Frankfurt nach Heidelberg nannte der Romantiker einen "Flug durch Hunderte von Frühlingshimmeln". Trotz Ortswechsels schritt sein Studium nicht voran. Schumann unternahm lieber eine Schweiz- und Italienreise. Er besuchte Feste und musikalische Abendgesellschaften in Heidelberg und Mannheim. In einem Brief an seine Mutter berichtete er vom "Preußenball": "Die Zwickauerinnen tanzen göttlich gegen die Heidelbergerinnen und ich mach Effekt mit meiner Galoppade, die sie mehr treten als tanzen, während die Zwickauerinnen geflügelt dahinschweben, wie Musen oder andere Göttinnen."

Das nahe Frankfurt empfand Robert Schumann als "reizend, schon weil es Leipzig ähnelt, den Taunus und den lieblichen Main abgerechnet" - den hessischen Dialekt mochte er nicht. Zu Ostern 1830 fuhr der Zwickauer von Heidelberg nach Frankfurt, um dort ein Konzert von Niccolò Paganini zu hören. Das ge-niale Spiel des Geigers wurde zu einem Schlüsselerlebnis für Schumanns weiteres musikalisches Schaffen. Die Selbstzweifel, die ihn bis an sein tragisches Lebensende begleiteten, betäubte der Student mit Alkohol. In Heidelberg, wo seine Werke "Abegg-Variationen" und "Papillons" entstanden, reifte der Entschluss, das kostspielige Studium aufzugeben und sich ganz der Musik zu widmen. Darüber informierte er im Sommer 1830 schweren Herzens seine besorgte Mutter, die ihrem Sohn den Lebensweg nicht verbaute. Zurück in Leipzig, nahm er Klavierunterricht beim strengen Friedrich Wieck und traf auf das elfjährige Wunderkind Clara Wieck, seine künftige Frau.

Clara hatte schon als junges Mädchen Konzerte in Frankfurt gegeben. 1878 - 22 Jahre nach dem Tod ihres Mannes - folgte sie dem Ruf von "Dr. Hoch's Konservatorium" und unterrichtete an dieser Frankfurter Schule als erste und zunächst einzige Klavierlehrerin. Von der Mainbrücke "Eiserner Steg" bietet sich ein freier Blick auf den Saalhof, das damalige Domizil der Musikakademie. Im modernen Neubau, in dem die Einrichtung heute zu Hause ist, gibt es einen Clara-Schumann-Saal mit rund 300 Plätzen.

Clara Schumann lebte bis zu ihrem Tod 1896 an der Myliusstraße 32, wo sie sich zeitlebens mit Schülern und Freunden umgab. Gern gesehener Gast war Johannes Brahms, der Gedichte seines Patensohnes Felix vertonte. An der Fassade der Villa im feinen Frankfurter Viertel Westend ist eine Gedenktafel angebracht. Ein Porträt Claras, das Hoch'sche Konservatorium und ein Flügel aus dem Zwickauer Schumann-Haus zierten bis zur Euro-Umstellung den 100-Mark-Schein der in Frankfurt ansässigen Bundesbank.

1956 gründete sich anlässlich des 100. Todestages des Zwickauer Komponisten die Frankfurter Schumann-Gesellschaft. Sie will junge Künstler fördern und veranstaltet Kammerkonzerte in der "Villa Bonn". Zwischen Messeturm und Palmengarten verläuft eine Schumannstraße quer durch das Westend. Zusätzlich gibt es am nörd- lichen Stadtrand eine Grundschule namens Robert Schumann und einen Clara-Schumann-Weg, der von der Straße "Skylineblick" abzweigt. www.freiepresse.de/spuren

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