Senioren helfen Senioren: Wenn Opa Whatsapp lernt

Mit einem Pilotprojekt soll älteren Leuten in den Dörfern des Landkreises Zwickau die digitale Welt nähergebracht werden. Noch sucht die Volkshochschule dafür technikaffine Rentner - als "Lehrer".

Zwickau.

Für den Leiter der Zwickauer Volkshochschule (VHS), Patrick Schulze, macht es einen Unterschied, ob ein Jugendlicher einem Rentner etwas beibringt oder ein Senior einem Senior etwas erläutert. Das mit 60.000Euro geförderte Pilotprojekt "Gemeinsam in die digitale Welt" geht Weg Nummer 2: Technikaffine Rentner sollen anderen älteren Menschen den Umgang mit dem Smartphone und Tablet beibringen. Dafür werden noch bis zu acht Frauen und Männer der Generation 50 plus gesucht, die sich für diese Aufgabe ausbilden lassen, um danach ehrenamtlich im Kreis tätig zu werden.

Projektidee: Der Demografie-Wandel macht auch um den Kreis Zwickau keinen Bogen. "Gleichzeitig verändern die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien das Leben der Menschen", sagt Stefanie Franke, Mitarbeiterin des Medienzentrums der TU Dresden, das als Projektträger die Volkshochschule Zwickau ins Boot geholt hat. "Smartphones und Tablets bieten alten Leuten vielfältige Chancen, verbessern zudem deren Lebensqualität im Alltag - vor allem im ländlichen Raum", betont Franke. So könnten Fotos mit Familienmitgliedern ausgetauscht, auch andere Dienstleistungen wie Online-Banking genutzt werden. "Davon können Senioren aber nur profitieren, wenn sie ihr Smartphone beherrschen", so die Expertin.

Problem: Während Kinder und Jugendliche bereits privat sowie in der Schule und Ausbildung die neuen Technologien nutzen, kommen ältere Menschen weitaus seltener in ihrem Alltag damit in Kontakt. An dieser Stelle will die Volkshochschule Lücken schließen. "Wir haben nicht wenige Weiterbildungsangebote für Senioren im ländlichen Raum. Zudem haben wir zwar Smartphone-Kurse in unser Programm aufgenommen. Die fanden aber bisher in unseren städtischen Einrichtungen statt, nicht flächendeckend im ländlichen Raum", so der VHS-Chef. Dabei sei die Nachfrage nach solchen Kursen gerade in den Dörfern groß.

Zielstellung: Mit dem Pilotprojekt soll im Landkreis Zwickau ein Kursangebot etabliert werden, das den Senioren in den Dörfern die Angst vor den digitalen Medien nimmt. "Gerade bei vielen älteren Menschen gibt es hinsichtlich der Datensicherheit und den damit verbundenen personenbezogenen Daten immer noch Hemmschwellen", sagt Stefanie Franke.

Kursangebot: Bis zum Start des Kursangebots unter dem Motto "Ältere bilden Ältere aus" im April in den Dörfern des Kreises müssen die acht technikaffinen Rentner gefunden und ausgebildet werden. "Schön wäre es natürlich, wenn nach Kursende Stammtische entstehen", sagt VHS-Leiter Schulze.

www.vhs-zwickau.de


"Viele ältere Menschen fühlen sich nach wie vor von den modernen Geräten überfordert"

Patrick Schulze (36), Chef der Volkshochschule Zwickau, freut sich auf das Projekt. Denn die Nachfrage ist groß. Jochen Walther hat mit ihm gesprochen.

Freie Presse: Senioren und digitale Welt: Passt das zusammen?

Patrick Schulze: Auf jeden Fall. Wir haben schon vor dem jetzigen Projekt ein Jahr lang Smartphone-Kurse angeboten - allerdings für jedermann. Der größte Teil der insgesamt 60 Teilnehmer gehörte dennoch der Generation 50 plus an. Deshalb wollten wir mit diesem Kurs weitermachen, denn viele ältere Menschen fühlen sich nach wie vor von den modernen Geräten überfordert.

Da kam das Angebot des Medienzentrums der TU Dresden, als Partner in das Pilotprojekt einzusteigen, gerade richtig?

Kann man so sagen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade die älteren Leute in den Dörfern den Kontakt zu ihren Kindern, die oft von Berufs wegen in andere Regionen gezogen sind, halten wollen. Hierfür bieten sich die Dienste auf dem Smartphone an - von Whatsapp bis Skype.

Wo wollen Sie die Senioren finden, die wiederum die lernwilligen Rentner unterrichten sollen?

Wir wollen zunächst auf die Senioren zugehen, die bereits bei unseren Smartphone-Kursen mitgemacht haben. Natürlich nehmen wir auch mit den Verantwortlichen der Seniorenclubs und -treffs im Landkreis Kontakt auf. Auch wollen wir auf Bürgermeister von ländlich geprägten Kommunen zugehen. Am besten wäre es natürlich, wenn sich einfach Interessierte bei uns melden.

Sollte das Pilotprojekt zum Laufen kommen, sehen Sie dann Möglichkeiten für eine Fortsetzung?

Durchaus. Fakt ist, dass das Projekt nur bis Februar 2019 finanziell unterstützt wird. Danach müssen wir sehen, wie wir diesen Kurs fortsetzen. Gut wäre es schon mal, wenn die technikaffinen Rentner, die ehrenamtlich andere ältere Personen schulen, weiter zur Stange halten.

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