So viel Zwickau steckt in Chemnitz

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 42: zwei Städte in Westsachsen.

Zwickau.

Im Vergleich mit Dresden und Leipzig weist Chemnitz die ranghöchste Zwickauer Straße auf. Sie vereint zwischen Stadtzentrum und Sächsischem Industriemuseum die Bundesstraßen 169 und 173. In diesem Abschnitt ist die Trasse vierspurig ausgebaut. Dort sind auch das Sächsische Landesarbeitsgericht, Verwaltungsgericht Chemnitz und Kino Metropol ansässig.

Die mehr als sieben Kilometer lange Magistrale verläuft von der City in Richtung Westen. Am Museum verlässt sie die Ausbaustrecke und nimmt ihren ursprünglichen Verlauf durch das Wanderer-Viertel im einst stark industriell geprägten Chemnitzer Westen. Der Zustand vieler Gebäude ist nicht der beste - der Strukturwandel zeigt sich hier deutlich.

Baufällig präsentiert sich auch das ehemalige "Klubhaus Heckert". Es profitierte in der DDR von der Herabstufung der Zwickauer Konkurrenz: Das Großvarieté "Lindenhof" in Marienthal wurde zum Kreiskulturhaus ("Haus der heiteren Muse") degradiert - der Anfang vom Ende dieser Show-Institution. "Es konnte wohl nicht sein, dass es in der Kreisstadt Zwickau ein besseres Varieté als in der Bezirkshauptstadt Karl-Marx-Stadt gab", schreibt Norbert Peschke in einem seiner Bücher zur Zwickauer Stadtgeschichte.

An der Zwickauer Straße 164 ist das Straßenbahnmuseum Chemnitz beheimatet. Im Stadtteil Schönau endet die Tramlinie 1, die parallel zur Zwickauer Straße verläuft. Weiter westwärts unterquert die Straße die Autobahn A 72 und die Sachsen-Franken-Magistrale der Bahn. Im Stadtteil Reichenbrand mündet die "Zwickauer" wieder in die B 173.

In der DDR war Zwickau die größte Stadt ohne eigenen Bezirk, da der Regierungsbezirk Zwickau 1952 in den neuen Bezirk Chemnitz (1953-1990 Karl-Marx-Stadt) eingegliedert worden war. 1963 legte die SED-Bezirksleitung die beiden Bezirkszeitungen "Volksstimme" (Karl-Marx-Stadt) und "Freie Presse" (Zwickau) zu einem einheitlichen Bezirksorgan zusammen. Die Zeitung erscheint seitdem unter dem Namen "Freie Presse" in Chemnitz.

Von 1963 bis 1984 musste die Stadt Zwickau zugunsten des Kunstpreises des Bezirkes Karl-Marx-Stadt auf die Vergabe ihres Max-Pechstein-Preises verzichten. Nach einem weiteren in Zwickau geborenen Künstler ist die Chemnitzer Philharmonie benannt: Seit ihrem 150-jährigen Bestehen im Jahr 1983 trägt sie den Namen Robert Schumanns - obwohl seine Biografie keinen nennenswerten Bezug zu Chemnitz aufweist.

Die Bistro-Bar "Horch's" im Erdgeschoss des Mercure-Hotels im Chemnitzer Zentrum erinnert an die Automobiltradition der Region. Namensgeber August Horch gründete in Zwickau seine Horch- und Audi-Werke. 1932 schlossen sich die Zwickauer Autofirmen mit Wanderer (Chemnitz) und DKW (Zschopau) zur Auto Union mit Sitz in Chemnitz zusammen. Gegenüber der ehemaligen Auto-Union-Zentrale an der Scheffelstraße befindet sich das Motorenwerk der Zwickauer Volkswagen Sachsen GmbH.

Der Warenhauskonzern Schocken aus Zwickau eröffnete 1930 das von Erich Mendelsohn entworfene "Kaufhaus Schocken" an der Brückenstraße im Chemnitzer Zentrum. Der halbrunde Bau im Stil der Klassischen Moderne beherbergt seit 2014 das Staatliche Museum für Archäologie und wäre eine ausgezeichnete Referenz in der beabsichtigten Bewerbung um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025".

Peter Seifert regierte Chemnitz von 1993 bis 2006. Er galt als überaus populärer Oberbürgermeister. Für seine Verdienste um die Stadt erhielt der gebürtige Zwickauer die Sächsische Verfassungsmedaille und das Bundesverdienstkreuz. Ebenfalls aus Zwickau stammt Lars Riedel, Olympiasieger und fünffacher Weltmeister im Diskuswerfen. Er besuchte als Jugendlicher die Kinder- und Jugendsportschule Karl-Marx-Stadt. www.zwickautopia.de

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