Speisesalon erhält Eleganz zurück

Rund 70 Quadratmeter groß ist das Esszimmer im Schloss Lauterbach, das der Hausherr nach altem Vorbild wieder- erstehen lässt.

Lauterbach.

Das überdimensionale, auf Aluminiumflächen gedruckte Wandbild vermittelt einen Eindruck davon, wie elegant und zeitlos der einstige Gesellschaftsraum im Schloss Lauterbach gewesen ist. Schlossherr Claus Lämmle möchte gemeinsam mit seiner Ehefrau Claudia diesen Raum, den auch die Familie gern für größere Treffen nutzt, wieder in alter Schönheit auferstehen lassen. Dabei soll dem Erbe des belgischen Designers Henry van de Velde, der die Inneneinrichtung des Schlösschens vor mehr als 100 Jahren gestaltet hat, so weit wie möglich Rechnung getragen werden.

"Das Foto, das Vorlage für die Wandseite ist, hat uns die Klassikstiftung Weimar zur Verfügung gestellt. Die Einrichtung, die darauf zu sehen ist, ist leider nicht mehr vorhanden", bedauert Claus Lämmle. Der Tisch, der 16 Personen Platz bot, wurde nur zweimal hergestellt. In Weiß stand er im Schloss Lauterbach. In Birnbaum befindet sich der mittlerweile 110 Jahre alte Tisch in einem Haus in der Schweiz.


Teile der historischen Stoffbespannung des zirka 70 Quadratmeter großen Zimmers mit Ausgang zur Terrasse wurden abgenommen und gereinigt und befinden sich bereits wieder an ihrem alten Platz. Rund 100 laufende Meter Stoff - im Original ein Gemisch aus Hanf und Baumwolle zur Ergänzung des Ensembles - müssen allerdings neu hergestellt werden. "Dafür suchen wir noch eine Handweberei, die das leisten kann", sagt Claus Lämmle. Sozusagen als Platzhalter wurden die fehlenden Stoffe erst einmal durch farblich ähnliche Filzpappe ersetzt, sodass der Besucher bereits ein gutes Bild bekommt, wie der Raum einmal komplett aussehen wird. Über 500 Metallteile, die wie Nieten die Wände des ehemaligen Speisezimmers zieren, wurden ebenfalls nachgefertigt und sind bereits angebracht. "In Fachkreisen gilt dieser Salon als einer der schönsten Räume, die Henry van de Velde je gestaltet hat", sagt der Schlossherr. Maximal sieben Fotos gibt es vom Originalzustand des riesigen Zimmers. Bereits jetzt kann man erahnen, wie elegant dieser Raum einmal gewesen ist. Seine behutsame, stilähnliche Komplettierung wollen die Lämmles in den kommenden Wochen angehen.


Schloss Lauterbach drohte der Abriss

Schloss Lauterbach wurde 1884 als Herrensitz des Rittergutes Lauterbach im Neorenaissance-Stil erbaut. Auftraggeber des Projektes war die Familie Esche, die das Rittergut im Jahr 1841 gekauft hatte.

1945 wurde der damalige Schloss- besitzer Arnold Esche im Zug der Bodenreform enteignet. Vertreter der sowjetischen Besatzungsmacht forderten einen Abbruch des Anwesens. Das konnte verhindert werden. Die Gemeinde Lauterbach bekam das Schloss übereignet. Darin befand sich für viele Jahrzehnte der Sitz des Bürgermeisters. Auch eine Arztpraxis und zehn Wohnungen wurden eingerichtet. Die Raumgestaltung Henry van de Veldes wurde zwar übermalt oder verkleidet, blieb aber zum größten Teil vor Zerstörung bewahrt.

Die Gemeinde Neukirchen, zu der Lauterbach seit 1996 gehört, schrieb das Schloss zum Verkauf aus, jahrelang vergeblich. 2004 erwarb es Claus Lämmle. Gemeinsam mit seiner Familie saniert der aus Stuttgart stammende Designer das Schloss, zu dem ein rund 7000 Quadratmeter großer Park gehört. (rdl)

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