Städtepartnerschaft beschert Hörgenuss

Mit stehendem Applaus sind am Samstagabend die Mitwirkenden des Oratorium "Jan Hus" in der "Neuen Welt" gefeiert worden. Der Jüngste im Publikum war erst acht Monate alt.

Zwickau.

Die Bühne im Konzert- und Ballhaus in Zwickau hätte bei weitem nicht für alle Mitwirkenden des Oratoriums "Jan Hus" gereicht. Sowohl das Philharmonische Orchester Plauen Zwickau als auch die fünf Solisten hatten auf einem davor installierten Podest Platz genommen, dahinter die 125 Sängerinnen und Sänger der Chorvereinigung "Sachsenring" Zwickau, des Kinderchores der Pestalozzischule sowie des Janacek-Chores aus der Zwickauer Partnerstadt Jablonec. Alle gemeinsam boten in der fast ausverkauften "Neuen Welt" innerhalb der 900-Jahr-Feier von Zwickau ein unvergessliches Musikerlebnis. Das Oratorium ist das größte von den Chören in der fast 50-jährigen Partnerschaft gemeinsam in Angriff genommene Projekt.

Der Blick in die Geschichte ging zwar nicht 900, aber doch gut 600Jahre zurück. Mit Texten von August Zeune und Musik von Carl Loewe, der ein Zeitgenosse Robert Schumanns war, wurden die Reise des frühen Reformators Jan Hus zum Konzil nach Konstanz, das Konzil und die Verbrennung des böhmischen Nationalhelden auf dem Scheiterhaufen erzählt. Die intensive Vorbereitung der Laien-Chöre, zu der auch zwei gemeinsame Probelager gehörten, hat sich gelohnt. Sie begeisterten mit stimmgewaltigen Gesängen. Das Zusammenspiel mit den Profis - dem Philharmonischen Orchester sowie den fünf Solisten - klappte unter der Stabführung von Simon Fröhlich, dem künstlerischen Leiter der Chorvereinigung "Sachsenring", bestens.

Die Aufführung vereinte Chorsänger zwischen zwölf und 85 Jahren. Noch größer war der Altersunterschied im Publikum. Schließlich befand sich mit Elia Fröhlich, dem Sohn des Dirigenten, ein erst acht Monate altes Kind in diesem. Auch Simon Fröhlichs Frau Hsin-Chien, seine Eltern, Großeltern und die Schwiegermutter aus Taiwan waren unter den Gästen. Bruder David gehörte genau wie seine Freundin als Chorsänger zu den Mitwirkenden. Viele andere Angehörige und Freunde von Ensemblemitgliedern waren ebenfalls gekommen, um die Aufführung zu erleben. Zu den spontanen Gästen gehörte Ulrike Bienwald aus Rostock, die am Ende begeistert dem Dirigenten zu dem großartigen Erfolg beglückwünschte. Sie war genau wie Kristine Göhlich aus Berlin in der Stadt, um am Sonntag im Dom ihre Jubelkonfirmation (60 Jahre) zu feiern. "Das war wirklich ganz großartig. Ich singe selbst in einem Chor und weiß, welche Arbeit, aber auch welche Freude es macht, ein Werk zu erarbeiten und aufzuführen", sagte Kristine Göhlich.

Die Begeisterung teilten die beiden Frauen mit dem gesamten Publikum, das die Mitwirkenden nach dem großartigen Konzert stehend, mit lang anhaltendem Beifall feierte.


"Das freundschaftliche Verhältnis zwischen unseren Chören ist gewachsen"

Simon Fröhlich (28), der künstlerische Leiter der Chorvereinigung "Sachsenring", dirigierte das Oratorium. Mit ihm sprach Viola Martin nach dem Konzert.

Freie Presse: Waren Sie zufrieden mit dem Auftritt?

Simon Fröhlich: Sehr zufrieden. Ich war schon sehr angespannt vorher. Aber es hat alles gut geklappt. Der große Beifall hat uns gezeigt, dass es uns gelungen ist, das Publikum zu begeistern.

War das Oratorium das größte Werk, das Sie bisher dirigiert haben?

Ja.

Was war für Sie die größte Herausforderung während der Aufführung?

Ich habe ja in Weimar ein Musikstudium auf Lehramt absolviert und anschließend ein Chordirigentenstudium und war bereits musikalischer Leiter verschiedener Chöre. Hier aber musste ich neben den Chören auch das Orchester dirigieren und die Solisten im Blick haben. Ich habe das erste Mal das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau dirigiert. Das war eine sehr positive Erfahrung.

Wie lange vorher haben Sie sich mit dem Stück beschäftigt?

Die Idee zu dem Projekt ist bereits vor zwei Jahren von Reinhold Siebert, dem Vorstandsvorsitzenden unserer Chorvereinigung, geboren worden. Als ich im August 2017 musikalischer Leiter des Ensembles wurde, begann dann die intensive Probenarbeit, die auch mit zwei gemeinsamen Probelagern mit den Jablonecern einherging. Ich habe mich aber nicht nur mit der musikalischen Herausforderung, sondern auch mit dem geschichtlichen Hintergrund beschäftigt.

Was hat Sie an dem Stoff gereizt?

Dass er sich in Gestalt von Jan Hus mit der frühen Reformation und damit mit einem Stück Vergangenheit der Kirche beschäftigt. Das Wirken und das Schicksal von Jan Hus den Menschen nahe zu bringen, ist mir als evangelischem Christen wichtig. Ich arbeite als Musiklehrer am evangelischen Schulzentrum und wirke auch als Kantor in Ebersbrunn und der Christuskirche Zwickau-Planitz.

Gibt es weitere Aufführungen des Oratoriums?

In Zwickau nicht. Aber am 6. Oktober geht es im Theater in Jablonec noch einmal über die Bühne.

Wird es nach dem großen Erfolg neue, gemeinsame Projekte mit dem Janacek-Chor geben?

Bestimmt. Aber nicht gleich. Es war ein riesiger Aufwand, auch finanziell. Gestemmt werden konnte das Projekt nur mithilfe von Fördergeld des Europäischen Sozialfonds für regionale Entwicklung in Höhe von 15.000 Euro und Sponsorengeld regionaler Firmen. Aber es war eine sehr schöne Zusammenarbeit. Das freundschaftliche Verhältnis zwischen unseren Chören ist bei der gemeinsamen Arbeit an dem Projekt gewachsen und hat Lust gemacht auf mehr.

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