US-Generalkonsul: So eine Regierung hatten wir noch nie

Der ranghöchste amerikanische Diplomat in Mitteldeutschland, Timothy Eydelnant, versucht, das freundliche Gesicht der USA zu zeigen. Ein Ortsbesuch in Zwickau.

Zwickau.

Als er vor die Schüler im Zwickauer Käthe-Kollwitz-Gymnasium tritt, die Haare akkurat gestutzt, die Krawatte streng gebunden und den US-Anstecker im Revers seines dunkelblauen Anzugs blank poliert, fallen zwei Sätze, die man von einem amerikanischen Generalkonsul, dem höchsten diplomatischen Vertreter der USA in Mitteldeutschland, so nicht erwarten würde. Der erste ist seine unförmliche Begrüßungsformel: "Hi. My name is Tim." Und der zweite: "So eine Regierung wie jetzt hatten wir noch nie." Eine, die sich dem Vorwurf des Populismus ausgesetzt sieht.

Timothy Eydelnant, der seit Juli 2017 Generalkonsul in Leipzig und damit für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig ist, könnte so etwas darstellen wie das freundliche Gesicht der Vereinigten Staaten. Dass die Amerikaner am eigenen Image feilen müssen, zeigen aktuelle Erhebungen. Eine vor einem Monat veröffentlichte repräsentative Umfrage der Hamburger Körber-Stiftung zufolge nennen nur noch 43 Prozent der Befragten die USA als wichtigsten außenpolitischen Partner. Ein Jahr davor waren es 60 Prozent gewesen.

Da gibt es viel zu tun für einen, der als Botschafter für gute gegenseitige Beziehungen unterwegs ist. Seit seinem Amtsantritt vor einem halben Jahr hat Eydelnant schon zahlreiche Städte in seinem Einsatzgebiet besucht. In Leipzig kündigte er an, Brücken bauen zu wollen. In Erfurt sagte er, man müsse mehr miteinander reden und zuhören.

Auch gestern vor den Zwickauer Schülern klingt das immer wieder an. Seine Aufgabe, sagt Eydelnant, bestehe darin, zwischenmenschliche Kontakte zu ermöglichen. "Es ist wichtig, dass wir als Diplomaten hinausgehen und mit anderen über die USA reden." Nicht die Beziehungen zwischen Washington und Berlin würden dabei im Vordergrund stehen, sondern der Austausch von Mensch zu Mensch. Er selbst repräsentiere schließlich nicht nur die Regierung, sondern auch die Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Zudem, sagte er vor den Schülern, müsse er als Repräsentant stets eine Balance wahren zwischen seinen eigenen Werten und jenen der Regierung. Manchmal sei das schwierig.

Die Unterhaltung findet auf Englisch statt. Eydelnant spricht mit starkem russischen Akzent. Seine eigene Geschichte ist eine typisch amerikanische: in Weißrussland geboren, in der Sowjetunion aufgewachsen, mit 16 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern nach Minnesota ausgewandert und schließlich vom Einwanderer zum Repräsentanten seiner neuen Heimat geworden. "So sind Amerikaner", sagt Eydelnant.

Stunden später, nach einem Abstecher bei Meyers Diner, sitzt der Generalkonsul mit OB Pia Findeiß (SPD) zusammen. Es geht nicht um konkrete Vorhaben oder Partnerschaften, das Ganze ist eher ein Antritts- und Höflichkeitsbesuch. Bei der anschließenden Pressekonferenz im Rathaus lädt Findeiß ihren Gast zur Festwoche des 900. Stadtjubiläums ein. "Das ist ein Ereignis, das in den USA auf gar keinen Fall stattfinden kann", sagt Findeiß. Die Staaten existieren erst seit 242 Jahren. Eydelnant lacht. Dann sagt er noch einmal in seinem recht flüssigen deutsch: "Die Beziehungen zwischen Menschen sind wichtiger, als die Beziehungen zwischen Washington und Berlin. Die Zukunft liegt in den jungen Leuten."

Damit das keine leeren Worte bleiben, hat der Konsul vor seiner Abreise dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium noch etwas versprochen. Dort sorgt sich Schulleiter Ralf Ballmann um die Zukunft des Schüleraustauschs mit der Partnerschule im US-Bundesstaat Kentucky. Die dortige Organisatorin sei in Ruhestand gegangen, einen Nachfolger gibt es offenbar nicht. So wie es aussieht, hat 2017 der vorerst letzte Schüleraustausch stattgefunden. Eydelnant verspricht, zu vermitteln. "Es gibt viele Schulen in den USA, die nach einer deutschen Partnerschule suchen", sagt er. Das Konsulat will nun gemeinsam mit dem Goethe-Institut nach Möglichkeiten suchen.

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