Warum August Horch nach Berlin und Bayern ging

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt Zwickau. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 29: Gedenken an den Audi-Vater.

Zwickau/Münchberg.

1920 zog sich der "Herr der vier Ringe" aus dem laufenden Geschäft zurück. August Horch wechselte vom Vorstand in den Aufsichtsrat der 1909 von ihm gegründeten Zwickauer Audi-Werke und ging vom aus seiner Sicht zu "stillen Zwickau" nach Berlin: "Dort schlug das starke Herz des Reiches, dort war die Quelle, dort fielen alle Entscheidungen, ich wollte an der Quelle sein." In der Hauptstadt arbeitete er als Kfz-Sachverständiger und bekleidete Ehrenämter. Am Kaiserdamm 97, wo der Automobilkonstrukteur von 1934 bis 1943 lebte, ist ihm zu Ehren eine "Berliner Gedenktafel" angebracht.

1945 flüchtete der Industrielle vor der Roten Armee nach Bayern. Über die Stationen Schwarzenbach an der Saale und Helmbrechts gelangte August Horch nach Münchberg. Dort kam er in der Villa der Fabrikantenfamilie Schoedel an der Kulmbacher Straße 137 unter. Eine Gedenktafel des "MünchBürger e.V." verweist darauf, dass Horch bis zu seinem Tod am 3. Februar 1951 hier lebte. Seinen Lebensabend verbrachte August Horch in bescheidenen Verhältnissen. Zwei Weltkriege, die Pflege seiner schwerkranken Gattin Anneliese und die Liquidation der Auto-Union in Chemnitz - in deren Aufsichtsrat er 1933 berufen worden war - hatten ihre finanziellen Spuren hinterlassen.

In der Münchberger Stadtkirche heiratete der betagte Horch 1948 seine langjährige Haushälterin Else Kolmar, nachdem zwei Jahre zuvor seine Ehefrau verstorben war. Vom oberfränkischen Textilstädtchen aus beteiligte er sich an der Neugründung der Auto Union in Ingolstadt und verdiente sich Geld mit Beiträgen für Zeitungen.

An der Wiege der Automarken Audi und Horch tobte derweil eine Rufmordkampagne. Die SED diffamierte ihn als Kriegstreiber, was in der Umbenennung der August-Horch-Straße in Crimmitschauer Straße gipfelte. Die Entziehung der 1939 verliehenen Zwickauer Ehrenbürgerschaft scheiterte offenbar am Widerstand der Bevölkerung. Beim Versuch, Horchs persönliche Unterlagen und seine aus dem zerbombten Berlin nach Zwickau verlagerten Besitzgüter gen Münchberg zu bringen, wurde Else Kolmar 1945 wegen Spionageverdachts verhaftet und ins Zwickauer Untersuchungsgefängnis gebracht.

Einem Wunsch August Horchs nachkommend, wurde sein Leichnam in seinen Geburtsort Winningen an der Mosel überführt, wo das Begräbnis am 8. Februar 1951 stattfand. Familienangehörige und Münchberger Repräsentanten gaben ihm letztes Geleit auf dem Weg zur Autobahn A9. Im Gewerbegebiet an der Anschlussstelle Münchberg-Nord trägt inzwischen eine Straße den Namen des bekannten Bürgers. Auch die Münchberger Berufsschule (Schützenstraße 20) ist nach ihm benannt und erinnert mit einer Gedenktafel an sein Wirken vor Ort. www.zwickautopia.de

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