Warum die Dresdener einen Planitzer verehren

Straßen und Botschafter, ungewöhnliche Orte, Promis: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt. "Freie Presse" veröffentlicht einen Teil seiner Berichte. Teil 10: der strenge Fußballtrainer Walter Fritzsch aus Zwickau.

Zwickau/Berlin/Dresden.

Dort, wo der Bundesnachrichtendienst in Berlin seine neue Zentrale gebaut hat, stand bis Anfang der 1990er-Jahre das Stadion der Weltjugend. Dort errangen Zwickaus Fußballer einen ihrer größten nationalen Erfolge: 1975 gewann die BSG Sachsenring vor 55.000 Zuschauern das Pokalfinale gegen die favorisierte SG Dynamo Dresden, die zu jener Zeit vom gebürtigen Planitzer Walter Fritzsch (1920-1997) trainiert worden ist. Zunächst wollte die Mannschaft mit einer Resolution seinen Amtsantritt verhindern. Der strenge Zwickauer galt als Schleifer mit harten Trainingsmethoden und schürte den Konkurrenzkampf unter den Spielern. Im Winterlager in Johanngeorgenstadt brachte er die Dynamos zum Glühen. So formte der Westsachse aus Mittelmaß die Nummer eins der DDR. Die Fritzsch-Ära war die erfolgreichste Dresdner Zeit überhaupt. In seiner neunjährigen Amtszeit gewannen die Schwarzgelben fünf Meistertitel (1971, 1973, 1976, 1977, 1978), zweimal den FDGB-Pokal (1971, 1977) und bestritten 42 Europacup-Spiele.

Markenzeichen des gelernten Horizontalbohrers waren sein Zwickauer Dialekt und die Schmalfilmkamera, die er stets mit sich führte. Mitschnitte von Spielen und Busfahrten sind im Film "Der kleine General" zu sehen, welcher die Dresdner Meisterjahre dokumentiert. Darin werden auch Fritzschs Kriegseinsatz an der Ostfront, seine Taktik zur Machterhaltung und der Dauerkonflikt mit Stürmer Hans-Jürgen Kreische thematisiert.

So wie Magdeburg sein Trainer- idol Heinz Krügel aus Planitz schätzt, huldigt Dresden Walter Fritzsch. Ihm zu Ehren wurde ein Gedenkturnier ins Leben gerufen. Im Foyer des neuen Stadions steht eine Gedenkstele mit der Inschrift "Bescheiden, fleißig, ehrgeizig". "Die Werte von Walter Fritzsch sind auch für unser heutiges Handeln wichtige Eckpfeiler", sagte unlängst Dynamos Geschäftsführer Robert Schäfer. "Für den Erfolg ist es entscheidend, dass wir uns auch in Zukunft daran orientieren." Den FSV Zwickau und Dynamo Dresden verbindet eine Nachwuchskooperation und Fanfreundschaft.

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