Wo Robert Schumann einst seinen Urlaub verbrachte

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt Zwickau. "Freie Presse" veröffentlicht einige seiner Berichte. Teil 31: per Rad nach Karlsbad.

Karlsbad.

Das tschechische Karlsbad (Karlovy Vary) gehört zu den weltweit traditionsreichsten und bekanntesten Kurorten. Schon Zwickaus berühmtester Sohn Robert Schumann hielt sich hier auf. Im Jahr 1818 besuchte er seine kurende Mutter. 1842 verbrachten der Komponist und seine Frau Clara als Sommerfrischler einige Tage in der heute 50.000 Einwohner zählenden Stadt.

Seit 2015 verknüpft ein neuer Radweg Sachsen und Böhmen. Die Karlsroute (tschechisch: Karlova stezka) verbindet über den Erzgebirgskamm hinweg Aue und Karlsbad auf 60 Kilometern Länge. Inklusive Nebenrouten ist das Karlsrouten-Netz 160 Kilometer lang. Bis Blauenthal verläuft die Route auf einer ehemaligen Bahntrasse entlang der Zwickauer Mulde und ist identisch mit dem Mulderadweg aus/nach Zwickau. In Eibenstock zweigt der Weg Richtung Oberwildenthal und Grenze ab. Am einstigen Übergang "Grenztor" erreicht man 939 Meter über Normalnull den höchsten Punkt des Hirschenstander Passes.

Ab der Grenze geht es über das Dörfchen Jelení bergab ins Tal des Flusses Rolava nach Nové Hamry. In der hübschen Altstadt von Nejdek lohnt ein Stopp. Über Nová Role und Stará Role gelangt man schließlich ins Zentrum von Karlsbad. Die prächtige, von Kolonnaden, Quellen, Hotels und Luxus-Boutiquen gesäumte Kurmeile ist für Radfahrer tabu. Deshalb empfiehlt es sich, das Fahrrad am Bahnhof oder im Hotel stehen zu lassen.

Die Karlsroute wird als "Königsreich fürs Rad" vermarktet. Vorbildliche Ausschilderung, überwiegend gute Beschaffenheit der Wege (Asphalt, Split), Schwierigkeitsgrade von leicht bis schwer, traumhafte Panoramablicke und herrliche Ruhe in den Wäldern des Westerzgebirges machen die Fahrt tatsächlich zu einem königlichen Radvergnügen. Die Abschnitte verlaufen teilweise auf öffentlichen, aber eher mäßig befahrenen Straßen. Auf tschechischer Seite folgt man der Wegnummer "2009". Das zweisprachige Logo der Karlsroute erinnert an eine Krone und nimmt damit Bezug auf Karl den IV. (1316-1378). Der König von Böhmen und römisch-deutsche Kaiser war Namensgeber von Karlsbad.

Der Radausflug lässt sich mit der Bahnverbindung Zwickau - Aue - Schwarzenberg - Johanngeorgenstadt verbinden. Wer etwas Glück hat, fährt mit einem Zwickauer Botschafter zum Ausgangspunkt seiner Tour. Ein Dieseltriebwagen der Erzgebirgsbahn trägt seit 3. Mai 2008 den Namen "Stadt Zwickau". Auch das Stadtwappen ziert den rot-weißen Regioflitzer (Typ Siemens Desiro, Nummer 642 238). Die Zugtaufe erfolgte im Zwickauer Hauptbahnhof anlässlich der Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag der Strecke Zwickau - Schwarzenberg.

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