Zugezogene beleben Vierseithof wieder

Ein Ehepaar, das sich vor Jahren in Zwickau niedergelassen hat, verhilft einem alten Bauerngehöft zu neuem Glanz. Am Nachmittag des 9. Dezember soll dort Weihnachtsstimmung für Jedermann aufkommen.

Niedermülsen.

Mathias Wrobel, Pilot der Deutschen Luftrettung, liebt seinen Job. Und für seine Frau Daniela, Betriebswirtschaftlerin, gab es in den vergangenen 13 Jahren nichts Schöneres, als die beiden Töchter aufwachsen zu sehen. 2012 war die Familie aus Baden-Württemberg nach Oberrothenbach gezogen, hatte dort ein gemütliches Häuschen gebaut. Doch allmählich wurden die Kinder flügge. "Ich spürte, ich habe einen Teil meines Lebens erfüllt", sagt die 42-jährige gebürtige Brasilianerin. Gemeinsam mit ihrem Mann machte sie sich auf die Suche nach etwas Neuem und fand einen Vierseithof in Niedermülsen. "Wir haben uns sofort in das Objekt verliebt, ideal zum Wohnen und Arbeiten", sagt der 45-jährige Mathias Wrobel. Am 9. Dezember lädt "Der Genusshof" in der Niedermülsener Hauptstraße 88 von 15 bis 20 Uhr erstmals öffentlich zu einem kleinen Weihnachtsmarkt ein. Ein Großteil des Hofes stand jahrelang leer, ein Flügel hatte 2016 noch Plumpsklo, nur in einem Zimmer fließend Wasser und überhaupt keine Heizung. Die Grundsubstanz war allerdings in Ordnung.

Das Paar beschloss, einen alten Kuhstall in einen Gastraum zu verwandeln. Wrobels verkauften ihr Haus und steckten 370.000 Euro in den Vierseithof, der zum Großteil als Wohnraum, Stall für die Hühner, Lager, Garage und Zuhause von Bernersennenhündin Ronja dient. Allein der Gastraum verschlang 160.000 Euro. Weil der Hof ein Kulturdenkmal ist, gab es für den Ausbau des Gastraumes Fördermittel aus dem Programm für ländliche Entwicklung. Daniela Wrobel zufolge ging der Umbau in rasantem Tempo voran, dank der Unterstützung beider Eltern, vieler Freunde und pfiffiger Handwerker sowie Geschäftspartner. Wrobels zufolge ist der Hof um 1829 erbaut worden. Nach einer Urkunde von 1893 verkaufte Emil Leithold das Anwesen an Richard Max Ludwig.

Vor wenigen Tagen hatte das Paar, das mittlerweile eine Kellnerin angestellt hat, Freunde und gute Bekannte eingeladen und um ehrliche Kritik gebeten. "Kellnern, Kasse bedienen, das ist ja alles Neuland für uns", sagt Mathias Wrobel lachend. Es funktionierte alles besser als gedacht. "Wir haben schon die ersten Vorbestellungen für 2018", freut sich der Pilot.

Wrobel behält seinen Job als Pilot im Rettungshubschrauber Christoph 46. "Wir sind keine Gaststätte mit regelmäßigen Öffnungszeiten. Wir bieten Veranstaltungen an und öffnen für private Feierlichkeiten." Bei etwa 30 Personen liegt das Maximum. Wrobels stellen sich zudem Lese-, Wein- und Whiskyabende vor sowie Themenabende, bei denen die Welt nach Zwickau geholt werden soll. Gekocht wird - bis auf die Überraschungen des Hauses, für die Daniela Wrobel und ihr Kräuter- und Gemüsegarten sorgen wollen - noch auswärts. Das Essen liefert Anett Goldberg. Bei den Getränken legt die Familie Wert auf Slow Food, bewussten Genuss.

Die eigene Küche ist noch Zukunftsmusik. Nach und nach sollen erst einmal ein Hofcafé entstehen und ein Biergarten.

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