Zwickauer findet Glück am Zuckerhut

In diesen Tagen hat Frank Hopfe allerhand zu tun. Der 40-Jährige lebt seit 17 Jahren in Rio de Janeiro. Dort arbeitet er als Tourguide.

Zwickau/Rio de Janeiro.

Die gut zwei Wochen der Olympischen Spiele sind für den gebürtigen Zwickauer Frank Hopfe die heißeste Zeit des Jahres. Hochbetrieb. Dem Sportbegeisterten gefällt das. "Durch die Olympischen Spiele kann ich meinen ohnehin schon abwechslungsreichen Job noch interessanter machen", sagt der Westsachse. Vor einigen Tagen zeigte er dem indischen Multimilliardär Mukesh Ambani die Sehenswürdigkeiten Rio de Janeiros. An anderen Tagen waren es Reisegruppen des Sportartikelherstellers Asics oder des Modelabels Prada. "Ich habe meine Tage aber so geplant, dass ich selbst auch noch Zeit habe, mir Sport anzuschauen."

Dass er einmal zum Carioca würde - so nennt man die Einwohner Rios - hatte vor 40 Jahren in Hopfes sächsischer Heimatstadt Zwickau niemand geahnt. Nach dem Abitur ging es für ihn zunächst mal nach Österreich, wo er eine Saison als Barmann in Bad Hofgastein arbeitete. Danach zog er weiter nach London - und lernte die Brasilianerin Ana Paula auf einer Party kennen.

Nach zwei Jahren Pendelei zwischen Europa und Brasilien packte Hopfe ganz die Koffer - und zog an den Zuckerhut. Die Beziehung ging zwar in die Brüche, von Rio kam Hopfe aber nicht mehr los. "Das liegt zum einen natürlich an meiner Tochter Helena, die inzwischen 13 Jahre alt ist." Zum anderen aber auch an der Stadt selbst mit ihrem hohen Freizeit- und Kulturangebot, was Frank Hopfe beides sehr genießt. Als Reiseleiter und Tourguide arbeitet er seit 1999. Hopfe betreut einzelne Reisende ebenso wie größere Reisegruppen. Außerdem sammelte er Erfahrungen als Reisebegleiter und arbeitete als Naturalist und Historiker auf dem Expeditionsschiff "Polar Pioneer" im Amazonas. "Zweimal im Jahr reise ich mit Gruppen durch Peru und Bolivien, auch diese übrigens zwei tolle Ziele in Südamerika", erzählt er.

In seiner Heimatstadt Zwickau lässt er sich regelmäßig blicken, besucht dort Familie und Freunde. Und wenn er wieder nach Rio zurückkehrt, hat er die Koffer voll mit sächsischen Spezialitäten wie Wurst oder Gebäck - alles, was ihm beim Zoll keinen Ärger beschert.

Die Olympischen Spiele sind aber auch für Hopfe ein Höhepunkt, obwohl im Vorfeld viel zu lesen war von Chaos, schlechter Organisation und Kriminalität. "Ich bin absolut begeistert, aber traurig, dass die negative Berichterstattung den Spielen schon vor Beginn ein schlechtes Image verpasst hat." Dabei sei der große Chaosansturm aus seiner Sicht bisher ausgeblieben. "Alles ist erstaunlich gut organisiert."

Selbst an den touristischen Topzielen wie Zuckerhut oder Christusstatue hielten sich die Wartezeiten, trotz der vielen Touristen in der Stadt, in Grenzen. Dafür machen die Brasilianer ihrem Ruf alle Ehre und präsentieren sich als umwerfend freundliche und begeisterungsfähige Gastgeber. "Die ganze Stadt ist eine riesige Party", sagt Hopfe.

In Rio hat der Zwickauer sein Glück gefunden. Beruflich, wie auch privat. Seit einiger Zeit ist er wieder frisch liiert. Ober er aus Rio nochmal wegwill, zurück nach Sachsen? Für Hopfe eine klare Sache: "Nein, ich bleibe hier. Auch wenn Zwickau immer etwas Besonderes für mich ist und ich auch immer wieder gerne zurückkomme, bin ich inzwischen ein echter Carioca geworden."

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