Fahndung nach mutmaßlichen ersten IS-Kämpfern aus Sachsen

Die Behörden ermitteln gegen zwei junge Männer aus dem Osterzgebirge. Die beiden stehen im Verdacht, dass sie sich den Dschihadisten angeschlossen haben.

Chemnitz.

Der 20-jährige Samuel W. und dessen 19-jähriger Freund Max P. sind mutmaßlich schon im Nahen Osten oder auf dem Weg dorthin. Das bestätigt ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft. Ein Ermittlungsverfahren nach Paragraf 89a sei eingeleitet worden. "Wegen des Verdachts, dass staatsgefährdende Gewalttaten im Ausland vorbereitet werden könnten", so ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA). "Es werden alle Maßnahmen getroffen, die hier möglich sind." Details nennen die Behörden nicht.

Samuels Eltern haben ihren Sohn, der in Jena studiert, als vermisst gemeldet. Einem Bericht der "Sächsischen Zeitung" zufolge soll er sich am 11. September von der Familie verabschiedet haben. Voller Sorge soll demnach der Vater daraufhin die Facebook-Freunde seines Sohnes aufgerufen haben, den 20-Jährigen von dessen "Weg in den Heiligen Krieg" abzubringen. Dieser Eintrag ist inzwischen gelöscht.

Vor zwei Jahren hatte Samuel W. in Dippoldiswalde Abitur gemacht. Der Schulleiter, der ihn in Mathe unterrichtete, beschreibt ihn als fleißig, freundlich, aufgeschlossen. "Er war kein Überflieger, ruhig, aber nicht in sich gekehrt." Bis zu seinem Studium spielte Samuel W. in einem Tischtennisverein. Im vergangenen Herbst hat er sich dann offenbar dem Islam zugewandt. Am 4.November wechselte er auf Facebook zu einem Titelbild, das den Einband eines Korans zeigt. Im August teilte er ein Foto von Pierre Vogel, einem islamistischen Hassprediger, und postete eine Nachricht von einem "Bruder" aus dem Irak, die den Terror des "Islamischen Staats" (IS) rechtfertigt. Max P. soll Medienberichten zufolge über gute Waffenkenntnisse verfügen und ein Abschiedsvideo veröffentlicht haben.

Die Behörden gehen von rund 400 Islamisten aus Deutschland aus, die in Syrien und Irak kämpfen. Nach bisherigen Erkenntnissen wären Max P. und Samuel W. die ersten sächsischen Milizionäre. "Wir nehmen diesen Fall sehr ernst", so Sachsens LKA-Präsident Jörg Michaelis.

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