Gewerkschaften kündigen massive Warnstreiks vor Ostern an

Bei den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst ist eine spürbare Annäherung bisher ausgeblieben - nun könnten Flughäfen, Sparkassen und zahlreiche andere Bereiche verstärkt bestreikt werden.

Potsdam (dpa) - Die Menschen in Deutschland müssen sich noch vor Ostern auf massive Warnstreiks im öffentlichen Dienst einstellen. Im Tarifstreit für die 2,3 Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen blieb die zweite Verhandlungsrunde in Potsdam ohne Annäherung. 

«Ich gehe davon aus, dass in der gesamten Breite des Tarifbereichs Kolleginnen und Kollegen in Warnstreiks einbezogen werden», sagte Verdi-Chef Frank Bsirske daraufhin. Auch Flughäfen dürften betroffen sein, wenn auch nicht direkt in den Ferien.

«Ich glaube nicht, dass die Osterferien jetzt der geeignete Zeitpunkt sind, aber dass es zu Aktivitäten auch an den Flughäfen kommen wird, davon ist auszugehen», sagte Bsirske. Besonders hob der Verdi-Chef zudem die Sparkassen hervor. Bei der Bezahlung von deren Mitarbeitern hätten sich die Arbeitgeber besonders hart gezeigt.

Bereits bei entsprechenden Ausständen vor zwei Jahren waren viele Flugreisende betroffen gewesen - Bodenverkehrsdienste bei den Flughäfen gehören den Kommunen an. Verhandelt wird ansonsten unter anderem für Erzieher und Sozialarbeiter, Mitarbeiter von Müllabfuhren, Straßenreinigungen, Krankenhäusern und Stadtverwaltungen, außerdem für Feuerwehrleute, Straßenwärter und Bundespolizisten.

Die Ausstände würden wohl bis zur abschließenden Verhandlungsrunde am 15. und 16. April andauern, so Bsirske. Die Spitzenvertreter der Arbeitgeber zeigten sich zuversichtlich, in der Aprilrunde zum Abschluss zu kommen. Der Chef des Beamtenbunds dbb, Ulrich Silberbach, sagte: «Wir drehen Schleifen ohne Ende. Wir sind enttäuscht. Deswegen werden wir in den nächsten Tagen in vielen Bereichen in diesem Land den Druck erhöhen.» Der dbb vertritt auch Angestellte.

Verdi und dbb fordern unter anderem sechs Prozent mehr Lohn und mindestens 200 Euro mehr im Monat. Auch die unteren und mittleren Lohngruppen sollten an der guten Konjunkturentwicklung teilhaben können, begründete Bsirkse die 200-Euro-Forderung. Aber: «Dieser Mindestbetrag stößt auf kategorische Ablehnung der Arbeitgeber, und an diesem Punkt sind wir fundamental auseinander.»

Der Präsident der kommunalen Arbeitgebervereinigung VKA, Thomas Böhle, sagte: «Dass Verdi mit Warnstreiks gedroht hat, ist erstens nichts Neues und lässt zweitens keinen Rückschluss auf den Verhandlungsstand zu.» Verdi arbeite eben mit Warnstreiks, so lange kein Ergebnis vorliege. «Wir haben in wichtigen Punkten Annäherungen erzielt, wir sind in anderen noch weit auseinander.» 

Viele Städte steckten in finanziellen Problemen, Krankenhäuser hätten mit einem Kostendeckel umzugehen. «Das gilt es alles unter einen Hut zu bringen», sagte Böhle.

Der Verhandlungsführer des Bundes, Innenstaatssekretär Hans-Georg Engelke, sagte: «Wir hoffen, dass es nicht zu massiven Streiks kommt, denn ich bin zuversichtlich, dass es gelingt, in der Gesamtkonstellation zu einer für alle vertretbaren Lösung zu kommen.» Er räumte aber ein: «In wichtigen Punkten sind wir ganz schön auseinander.» Den geforderten Mindestbetrag lehnten die Arbeitgeber ab, weil genug Geld für Verbesserungen bei Fachkräften bleiben solle.

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6Kommentare
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    Zeitungss
    14.03.2018

    @Pedaleur: Sie brauchen sich nicht zu schämen, Sie haben ganz einfach recht und ich sehe es auch so aus der Filterblase heraus.
    Beruhigend ist nur , wir haben Meinungsfreiheit, auch wenn selbige gelegentlich in die falsche Richtung geht.

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    Pedaleur
    14.03.2018

    @Zeitungss: Voigtsberger hat ein Problem, wenn die Leute gut verdienen. Das ist alles.
    Leistung bringen nur Handwerker und... Handwerker. Wenn er von Dienstleistunggewerbe spricht, meint er Reinigungsdienste oder Wäschereien. Er vergisst aber, dass der Wirtschaftsbereich Dienstleistungen z.B. auch IT, Werbung oder die Immobilienbranche umfasst, die bekanntlich nicht unter Mindestlohnniveau leiden.
    Auch ist er ist alt genug, um alles zu wissen. Sie brauchen ihn nicht über Tarifrecht, Tarifparteien und Gewerkschaften aufklären, auch nicht auf evtl. Fehler hinweisen. Dann leben Sie nämlich in einer Filterblase.
    Ich schäme mich eigentlich, so polemisch zu sein- mir fällt aber leider keine andere Reaktion mehr ein.

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    Zeitungss
    14.03.2018

    @Voigsberger: Zur Erinnerung. Wir haben Marktwirtschaft (gelegentlich als SOZIALE bezeichnet), was allgemein bekannt sein dürfte. Hier verkauft sich jeder so gut er kann und in der jetzigen Zeit (Fachkräftemangel) erst recht. Es gibt Leute, welche dafür auf Annehmlichkeiten verzichten (Pendler). Die Gewerkschaft ist eine Arbeitnehmervertretung, welche nur wirken kann, wenn sie auch Mitglieder hat. Was Sie für Probleme mit deren Gehaltsstruktur haben, verstehe nicht ganz, wenn Sie vom Zahnarzt behandelt werden, muß es Ihnen auch egal sein was er verdient, Hautsache er hilft. Eine weitere Möglichkeit, Sie handeln den Tarif mit dem AG selbst aus, wie das ausgeht, nun ja.
    Es gibt sicherlich schwarze Schafe unter den Gewerkschaften, wie die Vergangenheit bewiesen hat. Ich gehöre einer Spartengewerkschaft (bekämpft von Nahles, SPD) an, welche aus GUTEM GRUND auch nicht unter der REGIE des DGB steht.
    Wenn die Gewerkschaftsbosse so gut verdienen, stellt sich mir die Frage, warum sitzen Sie nicht mit in diesen Etagen ???? Die Erleuchtung kam gerade, Sie können sich die Beiträge nicht leisten, welche auch dort fällig werden.
    Warten Sie auf die Zeit, wo der Arbeitgeber seine Gewinne nicht mehr unterbringt und das Füllhorn über den Leistungserbringern freiwillig ausschüttet, ich fürchte, wir erleben es beide nicht mehr.

  • 2
    6
    voigtsberger
    13.03.2018

    Zeitunss: Fragen sie doch einmal die Arbeitnehmer die sich keine Beiträge leisten können und deren Einkommen wie in der Landwirtschaft, der Nahrungsgüterwirtschaft und dem Dienstleistungsgewerbe bei Tarifverhandlungen Jahrzehnte unter den Mindestlohn vereinbart wurden und den Mindestlohn haben nicht die Gewerkschaften erreicht! Und auch sie sind wahrscheinlich der Meinung, die höheren Lebenshaltungskosten betrifft die Armutsrentner, die Beschäftigten im oder nur gering über den Mindestlohn nicht und wie werden diese die Belastungen im täglichen Leben ausgleichen, wenn diese mit Erhöhung von Abgaben und Gebühren und Fahrpreise im Nahverkehr usw. die Tariferhöhungen mit stemmen müssen. Und hören sie doch einmal mit der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft auf, denn Gewerkschaftsmitarbeiter und deren Bosse werden in den Tarifen des ÖD, der Beamten und der Metaller und des Baues vergütet und genau da sind sie auch aktiv und nichts anderes, denn Gewerkschaftsarbeit in den vielen klein und Kleinstbetrieben findet so gut wie überhaupt nicht statt und wenn, dann nur um zahlende Mitglieder zu werben und dann lässt sich auf Jahre keiner der so Gerechte mehr sehen und wer Hilfe will wird in den Kleinbetrieben ohne Gewerkschaftsgruppe, auch allein gelassen. Ich bin alt genug um von ihnen nicht über Lohngerechtigkeit und Gewerkschaftsarbeit belehrt zu werden, denn Gewerkschaften sind in unseren Land schon längst die Steigbügelhalter der Wirtschaft, nur bei den ÖD, den Beamten und in den Großkonzernen, dessen "Brot die Meisten Berufsgewerkschaftler essen und darum auch deren Lied singen" oder glauben sie wirklich in den vielen klein- und Kleinstbetrieben unseres Landes gibt es einen Sozialplan oder Mitbestimmung, da würde auch eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft nichts nutzen, hier gibt es nur Geld gegen Mehrleistung und die erst auf längerer Zeit und nicht für die Tatsache in einen der besser bezahlten und sichereren Jobs beschäftigt zu sein. Menschenwürde fängt nämlich ganz unten an und ist nicht nur für die Beschäftigten reserviert, die es sich leisten können und dies kommt nicht vom Sozialneid, sondern hat etwas mit Lohngerechtigkeit zu tun!

  • 5
    1
    Zeitungss
    13.03.2018

    @voigsberger: Vorschlag, fragen Sie ganz einfach einmal die vielen Nichtorganisierten, denen der Beitrag für ihre Vertretung schon zu hoch ist. Glauben Sie wirklich, dass der Arbeitgeber, gleich welcher Art, freiwillig etwas abgibt ???? Sollten Sie es glauben, haben Sie die SOZIALE Marktwirtschaft nicht verstanden. Man muß schon etwas für sich tun, es fällt nichts vom Himmel, auch wenn solche Vorstellungen bestehen und bis heute NICHTS gebracht haben. Ich gehöre einer Spartengewerkschaft an, welche auch nicht gratis ist, der Erfolg den Einsatz allerdings weit überschreitet. Ich rede allerdings hier auch NICHT vom DGB.

  • 2
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    voigtsberger
    13.03.2018

    Nun geht das kontinuierliche Gejammer schon wieder los und die SPD nahen Gewerkschaften sind der Meinung, es müssen mindestens 200 Euro/Monat mehr sein, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen. Was machen dann die Armutsrentner, Arbeitnehmer die arm trotz Arbeit sind, weil deren Gewerkschaftsbosse nach dem ÖD Tarif bezahlt werden, aber der Rest egal ist und all die sozial Schwachen im Land. Ach halt die können sich über die höheren Preise bei den Waren des täglichen Bedarfes, bei den Abgaben und Gebühren freuen und am Ende die Tariferhöhungen für den ÖD mit Übernahme auf die Gehälter und Pensionen der Beamten mit stemmen. So sieht schamlose Mitnahmementalität aus und diese Personengruppen nehmen auch gern das Wort "Menschenwürde" und Toleranz für sich in beschlag! Um den Bürger zu täuschen, werden natürlich Müllmänner, Kita-Mitarbeiter, Pflegekräfte und Polizisten den Bürger vorgeführt, doch auch da gibt es Geld, ohne mehr zu leisten und das gibt es in keiner sich Demokratie nennende Volkswirtschaft, da ist Deutschland der Vorreiter oder doch schon "Bananen- Republik".



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