Werbung/Ads
Menü
Das auch auf deutschen Feldern breit eingesetzte Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu verursachen.

Foto: Armin Weigel

Hendricks bei Glyphosat gegen Merkel und die EU-Kommission

Glyphosat zulassen oder nicht? Die EU-Staaten müssen bald entscheiden, denn gegen Jahresende läuft die Genehmigung für den Unkrautvernichter aus. Um mit Ja oder Nein stimmen zu können, muss sich die Bundesregierung einig sein - die Umweltministerin ist schon mal dagegen.

erschienen am 13.07.2017

Berlin (dpa) - Umweltministerin Barabara Hendricks stemmt sich gegen den Vorschlag der EU-Kommission, den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat für weitere zehn Jahre in Europa zuzulassen. Die Brüsseler Behörde ignoriere komplett die Schäden für die Tier- und Pflanzenwelt.

«Deshalb bleibe ich bei meinem Nein», sagte die SPD-Politikerin der «Bild»-Zeitung. Der neue Vorschlag der EU-Kommission gehe nicht auf ihre Forderung ein, dass jede Neuregelung nachteilige Folgen für die biologische Vielfalt verhindern müsse. In Brüssel beschäftigt sich kommende Woche ein Fachausschuss mit dem Thema, es wird aber noch nicht abgestimmt.

Die Entscheidung über die zehnjährige Verlängerung der Zulassung sollen Vertreter der EU-Staaten treffen, bevor zum Jahresende die aktuelle Genehmigung ausläuft. Um mit Ja oder Nein stimmen zu können, muss sich die Bundesregierung einig sein - Hendricks ist nun schon mal dagegen. Vergangenes Jahr hatte die Bundesregierung sich schon einmal enthalten, weil die SPD-Minister nein gesagt hatten. Hendricks hatte dies zunächst mit dem Schutz der Artenvielfalt begründet, später mit dem fehlenden Nachweis der gesundheitlichen Unbedenklichkeit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zuletzt klar pro Glyphosat ausgesprochen. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Grundlage bei der Frage der Wiedergenehmigung müsse die wissenschaftliche Einschätzung sein. «Politik muss nach belastbaren Gesichtspunkten entscheiden. Bei richtiger Anwendung des Wirkstoffs sehen die Wissenschaftler der nationalen und europäischen Behörden keine Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Glyphosat.»

Das auch auf deutschen Feldern breit eingesetzte Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu verursachen. Allerdings kam die europäische Chemikalienagentur Echa im März zu dem Schluss, dass verfügbare wissenschaftliche Erkenntnisse nicht die Kriterien erfüllten, um Glyphosat als krebserregend zu bewerten. Die Substanz schädige indes ernsthaft die Augen und sei giftig für Organismen im Wasser.

Eine Analyse des Pestizid-Aktionsnetzwerks PAN, des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) und des Umweltinstituts München kommt zu dem Schluss, dass die Echa den Wirkstoff als «wahrscheinlich krebserregend» hätte einstufen müssen. «Nur unter massiver Verletzung der eigenen Regeln und Richtlinien war es den EU-Behörden möglich, die krebsauslösende Wirkung von Glyphosat zu leugnen», erklärte der Autor und Toxikologe Peter Clausing von PAN. Behörden hätten Krebsbefunde «systematisch weg interpretiert».

Die Grünen äußerten den Verdacht, dass Hendricks' Nein zur Zulassung ein «Wahlkampf-Showeffekt» sei. «Ministerin Hendricks weiß genau, dass die Entscheidung in Brüssel erst nach der Bundestagswahl getroffen wird», sagte der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. «Sobald die EU-Kommission ein paar kleine Auflagen zum Artenschutz in den Vorschlag schreibt, wird nämlich auch Frau Hendricks der Glyphosat-Neuzulassung zustimmen.»

 
© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
 
3

Lesen Sie auch

Kommentare
3
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 16.07.2017
    15:12 Uhr

    aussaugerges: PASST AUCH HIERHER.

    LANDWIRTE SIND DIE ALLERGRÖSTEN NATURVERNICHTER,SIEHE
    VOGELSTERBEN FP.

    1 2
     
  • 16.07.2017
    13:59 Uhr

    Täglichleser: Merkel bleibt erzkonservativ, wirtschaftstreu. Mit Umwelt nichts am Hut. Weiteres Beispiel: Meldung am Rande: Auf Merkels Wunsch werden Waffen nach Ägypten und Saudi-Arabien geliefert.

    0 5
     
  • 14.07.2017
    11:43 Uhr

    cn3boj00: Nun mal sehen wann sie umkippt... Ansonsten wäre ihr das hoch anzurechnen.

    0 7
     
Bildergalerien
  • 20.09.2017
Andrea Warnecke
Tutorial: Lauch schneiden und waschen

Velbert (dpa/tmn) - Lauch ist unhandlich. Und kaum einer weiß, wie viel er von dem Grün der langen Stangen verwenden darf. Sascha Stemberg ist Koch in Velbert bei Wuppertal und Mitglied der Jeunes Restaurateurs, einer Vereinigung von Spitzenköchen. Er erklärt die Schnitttechnik: zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 20.09.2017
Dominic Fraser
Bugatti Chiron im Test: Nicht von dieser Welt

Berlin (dpa-infocom) - Gegen ihn ist selbst ein Ferrari nicht viel mehr als ein übermotorisierter Fiat und ein Rolls-Royce Phantom ein profanes Billigauto. Mit dem Chiron sprengt Bugatti die Definition von Leistung und Luxus in der PS-Welt. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 19.09.2017
Aida Cruises
Diese neuen Kreuzfahrtschiffe starten 2018

Berlin (dpa/tmn) - Im Jahr 2018 werden 16 neue Hochseekreuzfahrtschiffe in Dienst gestellt. Und was sie bieten, ist teilweise sehr ausgefallen. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 18.09.2017
Ivan Sekretarev
Bilder des Tages (18.09.2017)

Fan, Manöver, Baff, Noch nicht ganz rund, Training, Wahlvorbereitungen, Unterm Wolken-Himmel ... ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Blaue Börse jetzt neu!

Schalten Sie Ihre Anzeige noch auffälliger - mit Farbfoto oder mit größerer Überschrift! Ihre Anzeige erscheint mittwochs in der Freien Presse und gratis dazu 7 Tage im Internet.

► Zeitungsanzeige inserieren
► Online Only Anzeige inserieren

 
 
 
 
 
|||||
mmmmm