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Nebeneinkünfte: Christian Wulff soll als Prokurist für ein türkisches Modelabel arbeiten.

Foto: Felix Kästle

Kürzung des Ehrensolds für Alt-Bundespräsidenten gefordert

Weil Alt-Bundespräsident Wulff als Prokurist arbeiten soll, wird über die Höhe seines Ehrensolds diskutiert. Eine Reform der Vorschriften dürfte aber - wenn überhaupt - erst der nächste Bundestag angehen.

erschienen am 07.08.2017

Berlin (dpa) - Nach Berichten über eine Nebentätigkeit des Alt-Bundespräsidenten Christian Wulff für eine Modefirma fordern Verfassungsrechtler und Steuerzahlerbund eine Kürzung des Ehrensolds für Ex-Staatsoberhäupter.

Der Staatsrechtsprofessor Hans Herbert von Arnim nannte es ein «überholtes, nicht zu rechtfertigendes Privileg», dass Bundespräsidenten im Ruhestand weiter 100 Prozent ihrer Bezüge erhalten - so viel bekomme kein anderer Amtsträger hierzulande.

Ein Sprecher des Bundesinnenministerium erklärte dazu am Montag, in einer Nebentätigkeit Wulffs könne er im Moment keinen Verstoß gegen gesetzliche Regelungen erkennen. Auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber stellte sich hinter Wulff.

Wulff soll als Prokurist für ein türkisches Modelabel arbeiten. Laut «Bild am Sonntag» ist er seit Ende April für die Firma Yargici tätig.

Dazu sagte ein Vertreter der Anwaltskanzlei Wulff und Kollegen in Hamburg dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): «Herr Wulff ist nicht Angestellter des Unternehmens Yargici, sondern deren Anwalt.» Wulff unterliege keiner Weisungsbefugnis. Im Rahmen der anwaltlichen Vertretung habe Wulff die Prokura überschrieben bekommen, Verträge zu unterzeichnen, falls einer der Geschäftsführer nicht verfügbar sei.

Wulff erhält einen jährlichen Ehrensold von mehr als 200 000 Euro. Im Februar 2012 war er nach nur 20-monatiger Amtszeit als Bundespräsident zurückgetreten, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen möglicher Vorteilsnahme in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident eingeleitet hatte. Das Landgericht Hannover hatte ihn 2014 allerdings vom Vorwurf der Korruption freigesprochen.

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Johannes Dimroth, sagte, für die Prüfung, ob die geltenden gesetzlichen Vorgaben noch zeitgemäß seien, sei ausschließlich der Bundestag zuständig. Eine Verletzung der Vorgaben würde voraussetzen, «nicht dass gegen den Geist oder gegen den ursprünglichen Sinn einer solchen Vorschrift verstoßen wurde, sondern gegen den Buchstaben einer solchen Vorschrift», sagte Dimroth. Das könne er momentan nicht erkennen.

Auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte in Berlin, Wulff bewege sich bei seiner Tätigkeit im Rahmen geltenden Rechts. Ob der Bundestag bei diesem Thema nachjustieren müsse, müsse in der nächsten Legislaturperiode diskutiert werden. «Das ist ein ernstes Thema. Ich weiß nicht, ob das taugt, um es jetzt zur Wahlkampfauseinandersetzung zu machen.» Es gehe um die Frage, wie sich die Kanzler und Präsidenten nach ihren Amtszeiten geben sollten: «Sollen sie sich weiter aufs Repräsentieren und aufs Ehrenamt konzentrieren, oder soll ihnen auch eine andere Tätigkeit möglich sein?»

Im entsprechenden Gesetz von 1953 heißt es: «Scheidet der Bundespräsident mit Ablauf seiner Amtszeit oder vorher aus politischen oder gesundheitlichen Gründen aus seinem Amt aus, so erhält er einen Ehrensold in Höhe der Amtsbezüge mit Ausnahme der Aufwandsgelder.» Angerechnet werden nach dem Gesetz lediglich Bezüge aus einer Tätigkeit im öffentlichen Dienst.

Von Arnim von der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer, sagte der «Passauer Neuen Presse», ehemalige Bundespräsidenten sollten nach seiner Ansicht nicht besser gestellt sein als Beamte. Steuerzahler-Präsident Reiner Holznagel verlangte ebenfalls eine Reform und sagte: «Der neue Bundestag sollte nach der Wahl dies auf den Weg bringen». Die hundertprozentige Alimentierung des Staatsoberhauptes nach dem Ausscheiden aus dem Amt sei nicht mehr zeitgemäß. Der Ehrensold müsse gesenkt werden, unabhängig von der Person Wulff.

 
© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
 
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Kommentare
5
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 07.08.2017
    16:29 Uhr

    Nixnuzz: Schätze bis zu seinem Lebensende dürfte sich daran nix ändern. Was allerdings seine Vorgänger auch so nebenbei gegen Bezahlung zunächst gemacht haben plus etwaige Spenden dieser - weiß ich nicht. Dieser Fall dürfte aber hoffentlich im Hintergrund zu einer Überarbeitung der Versorgungsregelung führen. Zumindest dürfte aber sein politische Instinkt irgendwo bei Null angesiedelt sein.

    0 5
     
  • 07.08.2017
    11:06 Uhr

    kartracer: Nicht kürzen sondern ersatzlos STREICHEN!

    1 5
     
  • 07.08.2017
    10:24 Uhr

    Freigeist14: Wir können nicht die Sanktionen gegen Russland verurteilen und dann die Zusammenarbeit mit einer türkischen Firma kritisieren.
    Im Gegenteil :Ein Erdogan würde es begrüßen,wenn die Firma in Deutschland isoliert werden würde,um sich als Opfer darzustellen.
    Als Roman Herzog nach seinem Ausscheiden als Bundespräsident sich für den "Konvent für Deutschland"und dessen neoliberaler Agenda stark machte,hat sich auch keiner beschwert. Die "Ruck-Rede" 1997 kam nicht von Ungefähr sondern lieferte das rhetorische Rüstzeug für die Agenda 2010.

    0 2
     
  • 07.08.2017
    09:42 Uhr

    Hinterfragt: Die Sache mit dem "Ehrensold" ist das Eine.

    Viel problematischer und gegen alle Regel der Ethik sehe ich, dass sich Wulff ausgerechnet von einem türkischen Unternehmen einspanne lässt.

    Da sitzen deutsche aus politischen Gründen im türkischen Knast und ein Ex-Bundespräsident lässt sich von denen bezahlen, anstatt sich dafür einzusetzen, dass dies freikommen.

    0 7
     
  • 07.08.2017
    09:21 Uhr

    Freigeist14: Wahrlich ein Euphemismus,hier von einem "Ehrensold " zu sprechen.

    0 8
     
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