Ab mit der Lampe unter die Bettdecke!

Die Comicserien "Kiste" und "Ariol" haben das Zeug zur Kinderfessel

Berlin.

Mag sein, dass Comics beim Rennen um die Wunschzettel-Spitzenplätze auch im vergangenen Jahr wieder verloren haben gegen Star-Wars- und Elsa-Merchandise: Seit die Generation, die mit Bildgeschichten unter der Bettdecke aufgewachsen ist, ihren Kindern damit etwas Gutes tun will, haben die zu oft mit pädagogischem Hintersinn eingesetzen Comics ihren Ruch der Begehrlichkeit eingebüßt. Der Nachwuchs riecht den Braten: Er soll lesen, statt mit dem I-Pad zu daddeln. Das heißt jedoch nicht, dass Comics nicht mehr funktionieren: Wenn griffige Zeichnungen und Sprechblasen-Texte eine Symbiose zwischen Trickfilm und Lesebuch schaffen und kinderrelevant coole Geschichten erzählen, packen sie nicht nur Leseanfänger. Zwei der derzeit überzeugendsten Serien sind dabei "Kiste" und "Ariol".

"Kiste", mit "Roboteralarm" soeben auf den vierten Band gekommen, verbindet Schüler-Alltag mit altersgerechter Mädchen-Jungs-Nerverei und fein schrulligem Nerd-Hobbykram: Diesmal stellt der Junge Mattis Schmidt mit seiner Zauber-Werkzeug-"Kiste" eine Schulprojektwoche auf den Kopf. Die anfangs noch leicht bemühte Reihe hat selbstbewusst Fahrt bekommen und fesselt ihre Zielgruppe derb: Autor Patrick Wirbeleit und Zeichner Uwe Heidschötter haben sich vom Erwachsenenansatz völlig gelöst und so großartig auf ihre Leser eingeschossen, dass "Kiste" längst wieder mit der Taschenlampe unter der Bettdecke landet.

Das schafft die französische Serie "Ariol" bereits länger. Hier ist die deutsche Version bei Band 6 - und "Miesekatze" spielt den Schülerwitz der Jetztzeit ebenfalls perfekt aus: Autor Emmanuel Guibert und Zeichner Marc Boutavant lassen den kleinen Esel mit der Riesenbrille diesmal gegen einen wirklich gemeinen Feind antreten: Kater Tiberius ist auf Krawall gebürstet und meckert wirklich jeden an - sogar den allseits verehrten Fernsehserien-Superstar Hengst Heldenhuf!

Bei der Darreichungsform schafft der Verlag einen guten Spagat zwischen Heft und der heute (leider) aus Marketing-Gründen kaum verzichtbaren Buchform à la Graphic Novel: Dass die Sprechblasen nicht wie längst branchenüblich per Computer-Pseudohandschrift ausgefüllt, sondern wirklich von Hand gelettert sind, ist dabei eine wunderschöne Dreingabe, die das Gesamtbild der Geschichten fein abrundet.

Die Bücher "Kiste Bd. 4: Roboteralarm", 80 Seiten. "Ariol Bd. 6: Miesekatze", 128 Seiten. Beide Bände sind im Reprodukt-Verlag erschienen und kosten je 14 Euro.

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