Ein toter Vater auf Heimaturlaub

J. Paul Henderson erzählt eine verrückte, komische, menschliche Geschichte, bei der es Hilfe von ganz oben gibt.

Durch ein irrwitziges Missgeschick stirbt Lyle Bowman bei einem Verkehrsunfall. So beginnt "Der Vater, der vom Himmel fiel", der neue Roman von J. Paul Henderson. Lyle Bowman ist dieser Vater, und vom Himmel ist er auch gefallen. Dort oben nämlich wurden bei seinem Eintreffen irgendwelche Akten vertauscht, Himmelsbeamte sind eben auch nicht unfehlbar, und nun bekommt Bowman noch einmal die Chance, für 14 Tage auf die Erde zurückzukommen. Er erscheint seinem Sohn Greg, eigentlich das schwarze Schaf der Familie, und erteilt ihm den Auftrag, zu richten, was er nicht mehr vermocht hat: das marode Haus auf Vordermann zu bringen und sich mit seinem Bruder Billy wieder zu versöhnen.

Da ist aber auch noch Onkel Frank, der mit 80 einen Banküberfall plant, und eine geheimnisvolle junge Frau. Die Geliebte des Vaters? Sie alle treffen bei der Trauerfeier aufeinander, eine Beerdigung, die schräger nicht ausfallen könnte.

Das alles klingt verrückt. Und in der Tat, "Der Vater, der vom Himmel fiel" erzählt eine verrückte, komische, menschliche Geschichte mit viel Schmunzelpotenzial. Aber sie ist auch voller Tiefgang, Weisheit und Ernst - genau das macht den Wert dieses Buches aus.

Die einzelnen Figuren haben es in sich. Auf den ersten Blick recht durchgeknallte Typen, auf den zweiten Blick sind sie mehr: Ihre Charaktere sind ganz wunderbar ausgedacht, und durch den lockeren, leichten Schreibstil des englischen Autors werden sie lebendig. Zum einen ist das Lyle, der aus dem Jenseits zurückkehrt und alles ordentlich hinterlassen möchte. Auch die Familie. Seine Söhne Greg und Billy sind seit Langem zerstritten, Billys Ehefrau hat ihren Anteil daran. Lyles Bruder Frank, dieser Griesgram, scheint an Demenz erkrankt zu sein. Warum stellt er sich regelmäßig der Polizei wegen Vergehen, die er nicht begangen hat?

Bei aller Absurdität, diese Familie wächst einem ans Herz, von Billys Ehefrau und Tochter einmal abgesehen. Es gibt Dialoge, die kennt man aus eigenem Erleben, familiäre Verhältnisse und Zwistigkeiten, die sind einem aus dem eigenen Umfeld nicht fremd. Und es gibt ein Ende, so wie man es sich wünscht.

Die Moral von der Geschicht'? Familie ist gut, Miteinander reden ist wichtig. Dafür ist es nie zu spät. Das gibt J. Paul Henderson seinen Lesern mit auf den Weg. Ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit ganz viel Humor.

J. Paul Henderson: "Der Vater, der vom Himmel fiel"

Aus dem Englischen von Jenny Merling

Diogenes Verlag

352 Seiten

20 Euro

ISBN 978-3-257-06987-7

Dieser Beitrag erschien in der Wochenend-Beilage der Freien Presse.

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