Eine 13-Jährige sucht nach ihrer Mutter

Jodi Picoult erzählt berührend von Liebe, Trauer, Tod und Verlust

Ganz groß auf dem Buchcover steht der Name der Autorin Jodi Picoult, weitaus kleiner darunter der Titel des Buches "Die Spuren meiner Mutter". Sie hat es geschafft, die amerikanische Bestsellerautorin Picoult, dass auch hierzulande die Leser, besser wohl die Leserinnen, sofort zu einem Buch greifen, auf dem ihr Name steht. Der Titel und damit der Inhalt sind zweitrangig.

Picoult-Fans werden auch diesen Roman lieben. Die Autorin bleibt ihrem Erfolgsrezept treu: ein akribisch recherchiertes Thema, eingebettet in eine berührende, bitter-süße Geschichte. Die 13-jährige Jenna ist auf der Suche nach ihrer Mutter, die seit zehn Jahren unauffindbar ist. Der Vater ist ihr keine Hilfe, er lebt seit dem Verschwinden seiner Frau Alice in einer psychiatrischen Anstalt. Jennas Eltern leiteten damals ein Elefantenschutzzentrum in New Hampshire, als es eines Nachts zu einem Zwischenfall kam, den die Polizei als Unfall abtat. Eine Angestellte fand dabei den Tod, und Alice wurde bewusstlos ins Krankenhaus gebracht, von wo sie spurlos verschwand. Ist Alice tot? Oder hat sie ihre Tochter im Stich gelassen? Ist sie Opfer oder Täterin? Wurde der Vater zum Mörder? Jenna, die bei ihrer Großmutter lebt, will endlich Klarheit. Gemeinsam mit der Wahrsagerin Serenity und dem abgehalfterten Privatdetektiv Virgil, der als Cop damals den Fall bearbeitete, geht sie auf Spurensuche.

Wie das bei Jodi Picoult nicht unüblich ist, wird die Handlung aus jeweils wechselnden Perspektiven erzählt - Jenna und ihre Mutter Alice kommen zu Wort, Serenity und Virgil. Alle Figuren bringen dadurch ihre eigene Sicht auf das Geschehen in die Handlung ein. Das ist ausgesprochen abwechslungsreich, liest sich locker, leicht und amüsant. Picoult kann fesselnd schreiben, das beweist sie erneut. Was das Buch aber absolut bereichert, sind die Informationen über Elefanten. Jennas Eltern sind anerkannte Wissenschaftler, kümmern sich in einem Reservat um Elefanten in Not. Alices wissenschaftliche Tagebücher sind fast das Einzige, was Jenna von ihrer Mutter geblieben ist. Aus diesem Erzählstrang heraus wird der Leser selbst zum Fachmann der Dickhäuter und ihres Sozialverhaltens.

Picoult greift ein brisantes Thema auf. Immer wieder ergeben sich dabei Parallelen zwischen der Beobachtung der Elefanten und der eigentlichen Handlung. Es geht um Mutterliebe, Trauer, Tod und Verlust, bei den Menschen und den Tieren gleichermaßen. Ob das Verhältnis zwischen Familiensaga und Tierbuch immer ausgewogen ist, muss jeder nach eigenem Empfinden beurteilen. Mir war es phasenweise zu viel Elefant. Und auch zu viel Esoterik. Denn es war der überraschende Schluss, der mich das Buch zweifelnd aus der Hand legen ließ.

Jodi Picoult: "Die Spuren meiner Mutter"
Aus dem Amerikanischen von Elfriede Peschel
Verlag C. Bertelsmann
512 Seiten
19,99 Euro
ISBN 978-3-570-10236-7

Dieser Beitrag erschien in der Wochenendbeilage der "Freien Presse".

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