Eintauchen in eine bleierne Atmosphäre

Autorenduo entführt Leser erneut ins Barcelona zur Zeit Francos

Auch im letzten Band der Trilogie "Auf der anderen Seite der Ramblas" der beiden Autorinnen Rosa Ribas und Sabine Hofmann steht wieder Barcelona zur Zeit Francos im Mittelpunkt der Handlung. Und dies gleich vorweg: Der Krimi kann problemlos auch ohne Kenntnis der beiden Vorgängerbände gelesen werden.

Es sind zwei Fälle, die das gut eingespielte Ermittlerpaar Kommissar Isidro Castro und die Journalistin Ana Martí beschäftigten, und nicht nur einmal greift der Mann zu seinem Lieblingsfluch "Hurengeschiss". Ausgerechnet einem amerikanischen Matrosen wird in einer Hafenspelunke bei einer Schlägerei der Hals durchgeschnitten. Die Ermittlungen sind kompliziert, denn sobald Amerikaner, deren sechste Flotte eingelaufen ist, in einen Fall verwickelt sind, geht nichts ohne Militärpolizei und Konsulat.

Kommissar Castro weiß, es gibt mit ihnen eine Vereinbarung: "Nur gute Nachrichten." Für die Übersetzung ins Englische ist die Journalistin Ana für Castro unabdingbar. Es sieht ganz so aus, als ob der Matrose illegal mit Zigaretten gehandelt hätte, vielleicht waren sogar andere Drogen im Spiel. Allerdings wissen seine Kameraden, dass er vorhatte zu heiraten und darum Geld brauchte. Zumindest befand sich eine leere Schachtel eines teuren Verlobungsrings in seiner Tasche. Wer hatte ein Interesse, diesen Mann zu ermorden?

Für ihre Zeitung arbeitet Ana, die ständig mit der Zensur zu kämpfen hat, an einer Reportage über junge Näherinnen, die ihre unehelichen Kinder in einem Heim untergebracht haben und in der Näherei eine Ausbildung erhalten. Vor einigen Tagen wurde dort eine junge Frau aufgefunden, die sich in ihrer Kammer erhängt hat. War ihr Tod ein Selbstmord oder wurde sie ermordet? Über die Gründe ihres Todes wird von den anderen Frauen geschwiegen. Doch die Frau, die bei ihrem Tod stark alkoholisiert war, hat niemals Alkohol angerührt. Ana versucht sich auch ein Bild über das Leben der Kinder zu verschaffen, die außerhalb der Stadt in einem Internat bei den barmherzigen Schwestern leben. Als ihr Freund dort Fotos des Hauses macht, wird ihm das sofort untersagt. Irgendetwas scheint hier vorzugehen, das nicht an die Öffentlichkeit gelangen soll.

Es sind harte, brutale Methoden, mit denen Kommissar Castro seine Verdächtigen zu Aussagen zwingt. Ständig ist er dabei, schlau zu taktieren und seine Arbeit so zu erledigen, dass er Schwierigkeiten mit seinem Vorgesetzten möglichst umgeht. Diese bleierne Atmosphäre im Jahr 1959 während der Franco-Diktatur, haben die beiden Autorinnen sehr genau recherchiert und packen die Jahre der Nachkriegszeit in einen spannenden Kriminalroman.

Rosa Ribas, Sabine Hofmann: "Auf der anderen Seite der Ramblas"

Kindler Verlag

352 Seiten

19.95 Euro

ISBN 978-3463406916

Dieser Beitrag erschien in der Wochenend-Beilage der Freien Presse.

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