Merkwürdige Spuren einer Erkundung der Welt

Frank Vorpahl legt eine etwas andere Biografie über Georg Forster vor

Es mangelt nicht an Büchern über Georg Forster. Da ist Ina Seidels Roman "Das Labyrinth" - "eine redlich-konservative Deutung der Gestalt" (Klaus Harpprecht). Da gibt es die Biografie von Ulrich Enzensberger "Georg Forster. Ein Leben in Scherben" und Klaus Harpprechts "Georg Forster oder die Liebe zur Welt"; ein spannendes Lebensbuch. Harpprecht schreibt am Anfang seines Nachwortes: "Keine Biografie Georg Forsters wäre ohne die Arbeit Gerhard Steiners möglich."

Frank Vorpahl, Autor des Buches "Der Welterkunder", erwähnt den bedeutendsten Forscher und Herausgeber überhaupt nicht, denn der hat ja in der DDR gearbeitet. Wenn auch Steiners schöne, handliche Werkausgabe bei Insel in Leipzig und als Lizenz bei Insel in Frankfurt erschien, wenn er maßgeblich die historisch-kritische Gesamtausgabe konzipiert hat - Vorpahl verschweigt seine literarischen Vorfahren. Niemand wird bestreiten, dass die Forster-Pflege in der DDR ihre ideologisch-getünchten Beschränkungen hatte, aber Vorpahls klein- karierte Kritik an den Arbeiten der "Ostberliner" nimmt nicht gerade für diesen Reisenden auf den Spuren Forsters ein. Denn: An Forster werden auch seine Biografen gemessen.

Vorpahl ist ein engagierter Journalist, freilich bietet er oft nur Bilder seiner Existenz im Zusammenhang mit Forster. Da steigt er durch Straßen und Häuser in Paris, entdeckt Forsters Zeichnungen im Londoner Natural History Museum und begibt sich auf die "Reise um die Welt". Auch wenn die Arbeit Steiners, wie die biografischen Gesamtdarstellungen in den Büchern von Harpprecht und Enzensberger dem Werk Vorpahls weit überlegen sind, so ist die Beschreibung der südlichen Weltgegenden, die einst Forster erkundete, spannend und lesenswert.

Vorpahls engagiertes "Nachreisen" bietet interessante Details der Inseln Ozeaniens. Wir erfahren nicht nur, welche Erinnerungen in den fernen Südländern an den Weltreisenden zu finden sind, sondern auch, wie die Menschen heute leben. Vorpahl weiß durchaus, wer dieser Forster war: "Mit zehn an der Wolga und ins russische St. Petersburg, mit 17 die große Reise in die Südsee und rund um die Welt ... Mit 35 die Reise mit Humboldt ...". Dazu seine politischen Unternehmungen, die Brüche seiner Liebesbeziehungen; das alles gehört zu dieser Biografie. Und so wird der Biograf an den Schluss seines Textes eine Episode setzen, die Forster in seiner Überzeugung bestärkte, dass die "Natur des Menschen spezifisch dieselbe" war, dass sich "Gedanken und Gefühle, Wünsche und Befürchtungen der Menschen überall auf der Welt glichen". Eine Erkenntnis, die aus den fernen Inseln und Jahren in die Gegenwart führt. Forster ist eine Figur, mit deren Idealen und in dessen Welterkundung wir leben können.

Frank Vorpahl: "Der Welterkunder"

Galiani-Berlin

542 Seiten

32 Euro

ISBN 978-3-86971-149-2

Dieser Beitrag erschien in der Wochenend-Beilage der Freien Presse.

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