Zwei Brüder und ein Sack Flöhe

Der Finne Mikko Rimminen öffnet mit seinem Roman "Als ich aufwachte, war so sehr Montag, dass es wehtat" einen völlig neuen Blick auf die Welt - und zwar ziemlich schräg.

Allein der Titel ist großartig und absolut preisverdächtig in der Kategorie "Bester Buchtitel des Jahres". Auf jeden Fall weckt er die Neugier auf diesen Roman des Finnen Mikko Rimminen. Geboren wurde der Autor 1975, und er begann seine literarische Karriere mit zwei Gedichtbänden. Für seinen zweiten Roman "Der Tag der roten Nase" bekam er den "Finlandia Preis", einen der bedeutendsten finnischen Literaturpreise.

Die beiden Brüder Petteri und Leva sollen für ihre Mutter, die neben ihrem Antiquariat eine Umzugsfirma führt, arbeiten. Es ist eine große Wohnung umzuziehen - und das möglichst rasch. Gar nicht so einfach, wenn kein Stück in der Behausung gepackt ist und die Zimmer alle üppig möbliert sind. Die ganze Sache läuft etwas aus dem Ruder, als die ältere Bewohnerin am Ende der Arbeiten nicht mehr auffindbar ist. Es waren bei den Brüdern und ihren Helfern eine Menge illegaler Substanzen im Spiel, sodass sie nicht immer den Überblick über das Geschehen hatten. Da kommt der neue Auftrag, eine Gruppe behinderter Kinder zu einem Festival zu fahren, ganz gelegen. Doch so einfach sind diese Jungen und Mädchen ebenfalls nicht zu betreuen, und die Gruppe gleicht eher einem Sack voller Flöhe, der nur allzu leicht abhandenkommen kann.

Bis hierher klingt die Handlung noch ganz gewöhnlich. Doch entscheidend ist bei Mikko Rimminen, wie er die Handlung erzählt, und man merkt schon bei den ersten Sätzen, dass seine Heimat die Lyrik ist. Da werden munter Worte erfunden, beispielsweise heißen die Umzugspacker "Breitkreuze", und jeder kann sich leicht vorstellen, wer damit gemeint ist. Oder: "Ich selbst erspähte in der näheren Umgebung kein gebrauchsfähiges Flüssigkeitsvorkommen." Auch hier ist klar, da ist jemand auf der Suche nach einem Getränk. Dass mit einem "Hopfenpfropfen" eine Dose Bier gemeint ist, kann man sich zusammenreimen. Und wenn "die Sonne den öden Kiefernwald photoshopt" ist alles gesagt.

Der Erzähler des Romans ist Petteri, der hin und wieder Schwierigkeiten hat, sich zu orientieren, doch wie er in seinem Kopf seine Umgebung wahrnimmt, liest sich sehr amüsant und gibt dem Leser einen völlig neuen Blick auf die Welt. Da verwandeln sich "Und-und-und-Tage" reibungslos zu "Also-äh-Tagen" oder vielleicht auch "Soso-Tagen". Letztlich nur eine Frage der Einteilung. In diesem Roman ist alles möglich, nur eines findet man sicher nicht: eine einzige langweilige Formulierung.

Allerdings ist es empfehlenswert, das Buch in einem Zug durchzulesen, denn mit der Zeit wird der Stil anstrengend und aus dem anfänglichen Amüsement schält sich eine Bemühtheit heraus, die dann eher störend wahrgenommen wird. Wer für ein paar Lesestunden eine ungewöhnliche, sehr schräge Sicht auf die Welt einnehmen möchte, der wird mit diesem Roman bestens bedient.

Mikko Rimminen: "Als ich aufwachte, war so sehr Montag, dass es wehtat"
Übersetzt von Stefan Moster
Dtv premium
256 Seiten
15,90 Euro
ISBN 978-3-423-26128-9

Dieser Beitrag erschien in der Wochenendbeilage der "Freien Presse".

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