Chakuza: "Bilde dich weiter!"

Rapper Chakuza über sein neues Album "Suchen und Zerstören 3", ein kaputtes Geschäft und Ängste

Linz.

Der Rapper Chakuza entzieht sich seit Jahren bewusst allen Schubladen des Genres. Seinen Karrierestart legte er nach den ersten eigenen Gehversuchen noch aggressiv beim Label "Ersguterjunge" von Bushido hin, bevor er zu "Four Music" wechselte, der Labelheimat von Marteria und Zugezogen Maskulin. Dort weitete er seinen Blick einerseits zu experimenteller Elektronik, andererseits zu Indie-Rock-Einflüssen und veröffentlichte seine drei beeindruckendsten und persönlichsten Alben "Magnolia", "Exit" und "Noah", die jeweils in die Top 10 der deutschen Albencharts vordringen konnten. Doch nun vollführt der 1981 als Peter Pangerl im österreichischen Linz geborene Musiker eine weitere Volte: Sein aktuelles Album "Suchen und Zerstören 3" bringt den als wortkarg und zurückgezogen geltenden Künstler zurück zu seinen Battlerap-Wurzeln. Johann-Christof Laubisch hat mit Chakuza gesprochen.

Freie Presse: Als Sie 2010 Bushidos Label "Ersguterjunge" verlassen haben, begründeten Sie das unter anderem damit, dass Sie keine Lust mehr hätten, negative Energie zu verbreiten. Nun haben wir heftige Zeiten - ist es dabei geblieben?

Chakuza: Ich habe letztes Jahr mit "Blackout 2" ja schon gezeigt, dass ich gerade wieder etwas mehr auf Krawall aus bin. Menschen und Meinungen ändern sich. Wobei "Suchen und Zerstören 3" ausdrücklich ein Doppelalbum ist: Da gibt es die "Suchen"-Seite, die melancholisch und ruhig ist - und die "Zerstören"-Seite, die wesentlich härter daherkommt. Ich habe gerade Bock auf beides und will mir da keine Grenzen setzen. Und man kann es im Endeffekt eh niemandem recht machen.

Nervt Sie das Schubladen-Denken vieler Rap-Hörer?

Ja. Ich bin kein Dienstleister, sondern Musiker. Mein Anspruch ist es, sich bei jedem Album weiterzuentwickeln und etwas neues auszuprobieren. Mir geht es auf den Keks, dass alle immer rumjammern und ständig nur eine Erwartungshaltung formulieren. Mich nerven diese Kommentare von Leuten, bei denen man merkt, dass sie einfach keinen Plan von mir und meiner Musik haben. Konstruktive Kritik nehme ich jedoch gerne an.

Sie wohnen abwechselnd in Berlin und auf dem Land in Bayern. Braucht Ihre Kreativität diese widersprüchlichen Welten?

In Berlin bin ich gerade auf jeden Fall kreativer als in Bayern. Diese Stadt inspiriert mich. Auf dem Land genieße ich eher meine Ruhe und schreibe auch kaum. Für die letzten Alben "Noah" und "Exit" war es aber wichtig, auf dem Land zu sein, wobei das auch thematisch nicht die typischen Rap-Alben waren, soundtechnisch ging das ja sehr in die Indie-Rock-Pop-Richtung.

Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann aufs Land zu ziehen und dort als gelernter Koch ein eigenes Restaurant zu eröffnen?

Als Koch zu arbeiten ist ein echter Knochenjob - und dann auch noch ein eigenes Restaurant? Auf gar keinen Fall! Manchmal helfe ich einem Freund, der ein Restaurant hat, und denke mir jedes Mal: Was für ein Scheißjob. Wenn ich mit Rap aufhöre, könnte ich mir aber vorstellen, komplett aufs Land zu ziehen.

Sie hatten einst angekündigt, nach "Suchen und Zerstören 3" die Musikerkarriere an den Nagel zu hängen ...

Ich mache immer Trilogien. Die Alben "City Cobra", "Unter der Sonne" und "Monster in mir" bildeten die erste, "Magnolia", "Exit" und "Noah" die zweite. Und nun endet auch die "Suchen-und-Zerstören"-Reihe. Anschließend werde ich mit Baba Saad eine EP machen - und dann mein finales Album.

Warum?

Zur Zeit empfinde ich das Musikbusiness als anstrengend, weil dort viele falsche Leute unterwegs sind. Dennoch werde ich wie gehabt immer produzieren und vielleicht sogar ins Musik-Management gehen.

Gibt es Karriereschritte, die Sie nach 15 Jahren im Rap-Geschäft bereuen?

Ich bereue eigentlich nichts. Schade finde ich allerdings, dass die Leute das Kollaboalbum "Blackout 2" mit Bizzy Montana aus dem letzten Jahr nicht wirklich angenommen haben.

Sie haben auf Ihrer neuen Platte viele alte Weggefährten wie Baba Saad, Marc Reis und D-Bo dabei. Was war der Leitfaden für diesen Abschluss der Trilogie.

Ich wollte die Leute auf der Platte haben, die ich gern habe und die Freunde in diesem Musikgeschäft geworden sind. Bei manchen hat es leider zeitlich nicht geklappt, etwa mit Raf Camora oder Nyze. Ich wollte keine großen Star-Rapper auf dieses Album holen, sondern den Kreis eng und freundschaftlich halten.

Sie haben in Interviews immer Stellung bezogen, was die politische Situation in Ihrem Geburtsland Österreich angeht. Wie stehen Sie denn zur derzeitigen Situation dort?

Mit der jetzigen Regierungskonstellation sind die Österreicher richtig auf die Schnauze gefallen. Aber wir leben in Zeiten, in denen Populismus und der damit einhergehende Rechtsdruck immer mehr an Bedeutung gewinnen. Daher wundert mich das nicht besonders, da es in Österreich ja schon seit Jahren diese Tendenz gibt. Es bleibt halt am Ende des Tages immer Bierzeltpolitik, in der Leute propagieren, die Ausländer seien an allem Schuld und würden einem die Arbeitsplätze wegnehmen. Zu den Leuten kann ich nur sagen: Nein, du hast keine Arbeit, weil du ein faules Schwein bist. Jeder bekommt heutzutage in Ländern wie Österreich oder Deutschland Arbeit, es gibt genügend Stellen. Bilde dich weiter, sei fleißig, und sei dir für nichts zu schade! Ich habe manchmal während ich in Bayern gewohnt und an "Noah" geschrieben habe, für die Müllabfuhr gearbeitet, weil ich Bock darauf hatte. Das war mein Kindheitstraum und hat Spaß gemacht.

Haben Sie denn Zukunftspläne oder vielleicht sogar gewisse Ängste?

Klar hat man Ängste, wenn man freischaffender Musiker ist. Rechnungen müssen bezahlt werden, man hat ein Konstrukt aus Anwälten, Managern, Vertrieb um sich herum, die auch von meiner Kunst leben. Aber irgendwann sollte der Punkt kommen, wo man über diesen Ängsten stehen sollte. Was die deutsche Hip-Hop-Landschaft angeht, hoffe ich, dass sich der aktuelle Pop-Trend in einem Jahr wieder erledigt hat. Ich finde das einfach nur schlecht. Jeder macht bei diesem Trend mit, und es gibt kaum noch innovative und eigene Musik. Irgendwann werden diesen Leuten auch die Modemarken ausgehen, die sie aufzählen können.

Video zum neuen Song "Neben mir"

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