Chemnitzer Hardcore-Thrash-Band: Der Sog hinter der Grenze aller Schmerzen

Hardcore-Thrash-Band Method Of Proof bringt ihr einziges Album heraus

Chemnitz.

Dem Dunkel, das in jedem Menschen lauert, aber nur bei manchen auch autoaggressiv übergriffig wird, als Drohung einer Übermacht, lässt sich auf zwei Arten begegnen: Entweder, man versucht es zu ergründen, zu umarmen, als Teil des Selbst anzunehmen und ihm melancholische Süße als Gewinn abzutrotzen. Oder aber, man schreit dagegen an, kämpft, klammert sich an die helle, positive Seite und versucht, den Sog der Leere in blanke Energie zu verwandeln. Musik ist für beide Wege ein Katalysator.

Die Chemnitzer Hardcore-Band Method Of Proof hat sich zeitlebens für letzteren Weg entschieden. Gestartet vor vielen Jahren in der unübersichtlichen Menge rumpeliger Hinterhof-Proberaum-Truppen mit Hang zum herzhaft freudvollen Lärm, streckte in ihr aber immer eine stärkere Triebfeder als in Kumpelansammlungen, die nur "einfach so aus Spaß" ihre Instrumente malträtierten: Einige Mitglieder der Band kämpften heftiger mit dem inneren Dunkel, das den meisten Menschen nur gelegentlich miese Laune verabreicht: Sie lernten schmerzlich den finsteren Abgrund kennen, der grundlos und unergründlich in sein Nichts zieht. Ein böserr Mix aus Thrash Metal und Hardcore war ihr Gegengift - ein Anschreien gegen diese innerliche, gegen sich gerichtete, stille Gewalt, die mit "Depression" doch nur lapidar umschrieben ist, weil sich das immer so anhört, als würde die gute Tasse Tee aus der Fernsehwerbung dagegen Wunder wirken.

Method Of Proof einwickelte über die Jahre einen brachialen Musikmix, der die Band auf Tourneen durch kleine Szeneklubs in ganz Deutschland, manchmal sogar ins Ausland führte. Der Gitarrenwand-Sound entfaltete einen eigenen Stil, der im aktuell boomenden Metalcore-Sektor durchaus auffällt: Weniger stylisch, weniger hibbelig als andere mischen die Chemnitzer 80er-Jahre-Thrashmetal mit dem walzenartig groovenden Beton-Hardcore der frühen 90er und erinnern dabei im besten Sinn an die erste Crossover-Welle - man spürt vor allem den Geist der legendären Stormtroopers of Death (S.O.D.).

Doch da ist immer, inmitten des Riff-Infernos, ein bitterer Ernst. Nun hat die Band ihr erstes Album "Endure the Pain" veröffentlicht - "Ertrage den Schmerz" bedeutet das, und es ist keine Floskel. Method Of Proof will dem Dunkel an die Gurgel, will ihm das verdammte Leben abtrotzen. Vor allem der Stimme von Leadsänger Toni hört man an, dass das, gegen das er da anbrüllt, echt ist. Eine seltene Stimme, brutal und heißer, mit der Wut der Verzweiflung. Die LP hätte gute Chancen, in der großen Hartklangszene Gehör zu finden - zumal das Vinyl in toller Sammler-Aufmachung erscheint. Wer sich musikalisch irgendwo zwischen Maroon, Slayer oder D.R.I. zu Hause fühlt, dürfte vom Geboller begeistert sein.

Nur im Konzert wird man die Band so nie mehr erleben: Sänger Toni konnte kurz vor der Veröffentlichung des Albums dem Michael-X-Moment nicht mehr ausweichen - diesem Punkt, an dem er von Willen und Mut verlassen wurde und den niemand je wird begreifen können: Er hat seinen Kampf gegen die Depression verloren.

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