"Er war immer für alle da"

Klaus Hirsch ist tot. Der Maler und Grafiker aus Lugau starb bei einem Unfall. Künstlerfreunde trauern um einen selbstlos-hilfsbereiten Kollegen.

Lugau.

"Einen besseren Kollegen findest du nicht." Die Bestürzung ist Siegfried Otto-Hüttengrund noch immer anzumerken. Wie am Mittwoch bekannt wurde, starb der Maler und Grafiker Klaus Hirsch am Sonntagmorgen bei einem Autounfall.

"Ich kann nur sagen, was jeder sagen würde, der ihn gekannt hat", so Otto-Hüttengrund, "er hat sich für alle eingesetzt, er war ein selbstloser Mensch, war immer für alle da." Seine Wertschätzung und Anteilnahme für Kolleginnen und Kollegen äußerte sich auch darin, dass er an Geburtstagen oft einer der Ersten war, der anrief und gratulierte, erinnert sich Jörg Seifert, Chef des Kunstkellers in Annaberg-Buchholz, der einige Jahre lang mit Klaus Hirsch im Vorstand der Neuen Chemnitzer Kunsthütte zusammenarbeitete. "Das waren herzliche Begegnungen."

Klaus Hirsch, geboren am 19. Januar 1941 in Stollberg, gehörte zu der Generation von Künstlern, die als Autodidakten und über die angewandte zur freien Kunst kamen. Nach dem Schulabschluss lernte er zunächst Maler, arbeitete auch einige Jahre in diesem Beruf, bevor er von 1960 bis 1963 an der Fachschule für Angewandte Kunst in Magdeburg studierte. Später arbeitete er in Magdeburg und in Plauen in einem Planungsbüro, wo er unter anderem Bleiverglasungen entwarf. Daneben malte er Figürliches und Landschaften. 1992 zog er zurück in seine Heimatstadt Lugau, wo er sich auch für den Denkmalschutz engagierte. Auf Anregung seines langjährigen Freundes Heinz Tetzner (1920-2007) wandte sich Klaus Hirsch später vor allem der Druckgrafik zu und wurde ein Meister der Lithografie. Seine Blätter, die in der Tradition von Käthe Kollwitz und Ernst Barlach den Menschen als oft verfolgtes, unterdrücktes, aber auch um Solidarität und Anteilnahme besorgtes Wesen zeigen, befinden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen. Vom Kupferstichkabinett in Dresden über die Privatsammlungen von Christa und Gerhard Wolf, Reiner und Elisabeth Kunze, bis zur Sammlung Buchheim in Feldafing werden seine Arbeiten geschätzt. Seine berührenden, oft von Klaus Göbel gedruckten Blätter, sind wie Gebete für Kinder, Frauen, Familien, die um ihren Platz im Leben, um ihr Glück kämpfen, vor Krieg und Armut fliehen müssen. Nie verlor Klaus Hirsch den Kontakt zu den "einfachen Menschen". Er verstand ihre Sorgen und Nöte und begegnete ihnen immer mit Verständnis, Mitgefühl und Hilfe, wenn er helfen konnte. Eine Auswahl aktueller und früher Arbeiten ist noch bis zum 8. April in der Kleinen Galerie in Hohenstein-Ernstthal zu sehen, die auf nun besonders erschütternde Weise deutlich macht, dass Klaus Hirsch nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine menschliche Instanz in seiner Heimat und darüber hinaus war.

Was der Kunstwissenschaftler Alexander Stoll über Klaus Hirschs Werk geschrieben hatte, gilt auch für das Leben des Künstlers: "In jedem Blatt von Klaus Hirsch liegt ein Stück Leben, dessen Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit er uns mit seiner Kunst auf unverwechselbare Weise nahebringt. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch."

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