Eseleien im Geheimen

Die Mini-Reihe "Ariol" gehört zu den besten europäischen Kindercomics und ist in ihrer französischen Heimat ein Hit. Warum nur hat sie es in Deutschland so schwer?

Berlin.

Als Elternteil hat man es schwer, die richtigen Kinderbücher zu finden: Von der einen Seite fordert der Bildungsanspruch sein Recht, den man natürlich will, der unfrohen Moralinsäure wegen aber auch doch nicht. Und von der anderen hämmern die disneyglitzernden und Laserschwert-schwingenden Hyperkulte der Popkultur unter laut wimmerndem Nachwuchsgeschrei ("BitteDadbitteDadbitteDadbitteDad!!!) an die Kinderzimmertür.

Da geht schnell unter, was entweder nicht schrillschräg genug (Minions!) ist oder zu wenig wertvoll. Der kleine Esel Ariol zum Beispiel, der mit seinen kichernden Grundschulbuben-Geschichten so zentriert aus dem Familienalltag entspringt, dass man beim Comiclesen meint: "Genau, das kenne ich doch!" Und zwar aus Kinder- wie Erwachsenensicht. Die Geschichten von Zeichner Marc Boutavant und Autor Emmanuel Guibert in einer für Erstleser perfekt packenden Länge angelegt, sind nur wenig überzeichnet und arbeiten vor allem mit Familienalltags-Komik zwischen ungeliebtem Essen, Smartphone-Spielen, Hausaufgabengemogel, Jungenstreichen und verknallten Mädchen. Nur das Ende jeder Geschichte wartet stets mit einem witzigen, oft leicht skurrilen Twist auf. Der herzige Ariol-Humor lebt von den vermenschlichten Tierfiguren und ihrem coolen Zeichenstrich: Einfach und bunt, aber nicht designermäßig artifiziell, sondern kindperfekt. Schwächen von Erwachsenen wie Kindern werden so ausgesprochen hübsch karikiert, ohne ins Absurde anderer Comics verbogen zu werden. Das verleiht Ariol einen Charme wie den Peanuts oder dem kleinen Nick - nur dass der Esel mit der großen Brille inhaltlich direkt auf Grundschulkinder zielt. Erwachsene können mitschmunzeln, finden aber keine Philosophie, keinen doppelten Boden.

Die Serie, die sich in Frankreich seit dem Jahr 2000 zu einem Familien-Renner gemausert hat und dort auch Vorlage für Fernseh-Trickfilme ist, wird in Deutschland bei Reprodukt verlegt, der fünfte Band ist eben erschienen. Bemerkenswert ist die tolle Übersetzung, die viel Originalwitz mitnimmt - und in ein wundervolles Handlettering fließt. Sicher: Blättert man das Buch nur fix im Laden durch, wirkt es nicht spektakulär: Ein Handicap bei der Vermarktung. In der Hand von lesewütigen Grundschülern zündet die ulkige Reihe aber derb: Hier geht was!

Das Buch Emmanuel Guibert und Marc Boutavant: "Ariol 5 - Mach die Fliege, Surrsula" (aus dem Französischen von Annette von der Weppen); Reprodukt-Verlag; 128 Seiten kosten 14 Euro.

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