Froscht und Krötel

Im Greizer Sommerpalais sind derzeit amphibische Cartoons des Zeichners Rainer Bach zu sehen, die es nach Strich und Farbe in sich haben.

Greiz.

Einmal mehr steht der Besucher des Greizer Sommerpalais' vor einem Rätsel. Ist die neue Ausstellung im Gartensaal ein Fest der Fantasie, oder hat man es eher mit einer Schreckensvision zu tun? Geht es um überschießenden Humor, um knallige Satire oder um ein durchaus ernstes Anliegen? Oder ist vielleicht von allem etwas im Spiel? In jedem Fall hält die Schau, was der Titel "Heiter bis froschtig" verspricht: Auf keinem der rund 140 Cartoons fehlt Freund Frosch.

Der Lurch hat sich im Kopf des Künstlers eingenistet oder tritt als munterer Gesprächspartner in Erscheinung, fragt etwa "Ist das Leben noch frösch?". Worauf der Mann, gebannt auf ein Gläschen Klaren starrend, antwortet "Na klar". Ferner werden Frösche gezeigt, die sich ganz so aufführen wie Menschen. Sie "versumpfen", bis sie alles doppelt sehen, bewähren sich als Bürokraten, sprich "Froguristen", gebärden sich liebestoll, schmeicheln, schleimen, hängen sich auf. Mal fungieren die kleinen Grünen als lebende Ohrringe oder drängeln sich in Märchen, in denen sie - siehe "Hänsel & Krötel" - eigentlich nichts zu suchen haben. Selbst die griechische Sagenwelt und die hehre Kunstgeschichte sind vor ihnen nicht sicher. Ikarus und Sisyphos nehmen Froschgestalt an, Leonardo da Vincis Mona Lisa und die Engel in Raffaels Sixtinischer Madonna desgleichen. Auf Ehre und Gewissen sei versichert: Damit ist nur ein Bruchteil des Frosch-Kosmos von Rainer Bach skizziert.

Warnung vor "Verfroschung"

Der 1946 in Freital geborene Künstler, der in Dresden studierte, in Chemnitz zu Hause ist und seit 1980 freischaffend arbeitet, hat kürzlich alle Cartoons, die das Satiricum zeigt, dem Sommerpalais geschenkt. 2006 bereits übereignete Bach der deutschlandweit anerkannten Sammelstelle für komische Zeichenkunst 1200 Blätter, was auf seine enge Verbindung mit der Park- und Schlossstadt, auf seine regelmäßigen Teilnahmen an den dortigen Biennalen und Triennalen hinweist. Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Der Autor, der für die "Freie Presse" die Serie "Onkel Max" illustriert, behauptet von sich, Frösche nicht zu mögen. Mit seinen der Tierart gewidmeten Kreationen wolle er vielmehr dringlich vor einer zunehmenden "Verfroschung der Zivilisation" warnen. Damit dürften nicht alle Zweifel aus der Welt geräumt sein. Zum einen weiß man nicht, ob eingefleischte Satiriker so ohne weiteres beim Wort zu nehmen sind. Zum anderen ist das Froschreich des Sachsen mit so viel Einsatz, Kunst und Liebe in Szene gesetzt, dass einem des Öfteren bei allem Lachen und Schmunzeln regelrecht warm ums Herz wird.

"Heiter bis froschtig" lässt Bach in der Tat schnell als einen Meister seines Fachs erkennen - vor allem als jemand, der nicht auf eine Technik oder ein Gestaltungsmuster festgelegt ist, die immer wieder zur Anwendung kommen. Der Wahl-Chemnitzer beherrscht schwungvolles Aquarellieren, bei dem viel freie Fläche bleibt - ebenso wie den kalkulierten Umgang mit Farbe, bei dem die Bilder randvoll werden. Manchmal, etwa bei den reichlich vorhandenen Trunkenheits-Motiven, wird alles Nötige auch mit verblüffend wenigen Strichen gesagt.

Handschrift der Kollegen

Andernorts - so in den Abstechern in die Märchenwelt - entpuppt sich der Künstler als geduldiger, jedes Hälmchen zu würdigen wissender grafischer Feingeist. Dass Bach die künstlerische Handschrift manches berühmten Kollegen beherrscht, versteht sich. Selbst dieser oder jener Ausflug in die abstrakte Kunst fehlt nicht. So kommen im "Abendlied der Fische" gekonnt Segment- und Strichstrukturen zur Anwendung, die mit jenen verblüffend einfachen, aber viel sagenden "Brücken" verwandt zu sein scheinen, auf die ein Paul Klee bei seinen malerischen Exkursen in die Musik kam.

Die Ausstellung "Heiter bis Froschtig" ist noch bis 31. Mai jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr (ab April bis 17 Uhr) im Satiricum Greiz zu sehen. www.sommerpalais-greiz.de

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