Her mit den Tempos!

"Der Club der roten Bänder" ist nicht nur eine sehr gelungene Fernseh-Überraschung, sondern in gewisser Hinsicht auch eine Provokation.

Chemnitz.

Im Kindesalter ist Krebs selten, er macht nur ein Prozent aller Erkrankungen in dieser Altersgruppe aus. Doch das ist Statistik, denn hinter dem "nur" verbirgt sich die Zahl von 1800 Kindern, die in Deutschland jährlich bis zu ihrem 15. Lebensjahr an Krebs erkranken.

Auch Leo und Jonas in der Vox-Serie "Der Club der roten Bänder" haben diese Krankheit, beide mussten deshalb bereits Amputationen über sich ergehen lassen. Alex leidet an einem schweren Herzfehler, Emma hungert sich fast zu Tode, Toni hat sich beide Beine gebrochen. Der jüngste im geheimen Club, zu dem sich die Patienten einer Kinder- und Jugendstation eines fiktiven Stadtkrankenhauses irgendwo in Deutschland zusammengeschlossen haben, ist Hugo, der nach einem Badeunfall im Koma liegt. Und ausgerechnet aus dessen Sicht werden die Erlebnisse der Clique erzählt.

Die erste Drama-Serie, die der RTL-Schwestersender in seinem Auftrag produzieren lassen hat, gehört zu den angekündigten Versuchen, auch hierzulande eine neue Serien-Kultur zu etablieren und das Feld nicht länger fast gänzlich den Amerikanern zu überlassen.

Das Ergebnis auf Vox überrascht. Denn die deutschen Macher der Adaption einer spanischen Serie gehen ungewohnte Wege. Es wird auf Kitsch und übermäßige Emotionalisierung verzichtet, es fehlen die ganz großen Spannungsbögen. Der realitätsnahe Alltag in einer Klinik wird nur marginal gestreift, auch spektakuläre Fallmedizin kommt nicht vor und selbst Ärzte spielen hier nur eine Nebenrolle. Und dennoch gehört dieser Club seit Langem zum besten, was in Deutschland in Sachen Drama-Serie produziert wurde - weil sie mit leichter Hand inszeniert ist, sich ganz auf die kleinen und großen Nöte ihrer 12- bis 17-jährigen Protagonisten konzentriert und das warmherzige, geradezu liebevolle Miteinander der charakterlich sehr verschieden angelegten Akteure in den Mittelpunkt stellt. Hinzu kommt ein überzeugend agierendes und damit authentisch wirkendes Darstellerensemble. Und so hat der geneigte Zuschauer nach jeder Folge einen gehörigen Klos im Hals und greift unwillkürlich nach dem Papiertaschentuch.

Die Serie "Der Club der roten Bänder" erzielt für Vox-Verhältnisse gute Einschaltquoten - auch das ist eine Überraschung, weil sie in einem geradezu provozierenden Maß die Empathiefähigkeit ihrer Zuschauer testet - erneut am kommenden Montag um 20.15 Uhr bei Vox.

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