Jahrzehnte der Straße

Schauspieler Johann-Christof Laubisch vom Mittelsächsischen Theater ist auch als Rapper aktiv: Sein neues Album unter dem Künstlernamen "Le First" folgt den Spuren beider Leidenschaften.

Freiberg/Berlin.

Zwei Jahre nach dem Album "Foreigners" blickt Le First mit "Dekaden" auf nicht weniger als seine bisherige Hip-Hop-Karriere zurück - und erstmals versucht er sich als einer der bekanntesten Französisch-Rapper des Landes auch auf Deutsch: Johann-Christof Laubisch, der sich hinter dem Pseudonym verbirgt, wurde 1986 als Sohn einer deutschen Mutter und eines französischen Vaters in Berlin geboren und in der dortigen Graffiti- Szene kulturell sozialisiert. In beiden Sprachen zuhause, nutzte er als Rapper den seidigen Charme des Französischen für seine rohen Straßentexte, bevor er zum Schauspiel fand: Selbst wer die Sprache des Nachbarlandes nicht versteht, fühlt die Energie in seinen Worten. Kommerziell ist das natürlich keine gute Idee - künstlerisch dagegen auf jeden Fall.

Mit "Dekaden" lässt Le First sein bisheriges Leben Revue passieren: Entsprechend hart sind die Texte im ersten "Jugend"-Teil, der von illegalen Spray-Aktionen und Gang-Leben in Berliner Problemvierteln berichtet. Doch wie Laubisch sich entwickelt hat, entwickelt sich auch das Album, wird immer melodischer, reflektierter und persönlicher. Selbstzweifel, eine geplatzte Verlobung, die Beziehung zum Bruder, alles wird thematisiert. Die Beats feiern glorreiche alten Zeiten des Rap, und im Gegensatz zu den älteren Veröffentlichungen versteht man die Texte - erstmals tritt das Grobe, Schmutzige hervor, drastisch und deutlich, was bei Le First oft hinterm Wohlklang des Französischen verborgen lag - einer Sprache, deren Klang sich so hervorragend für Rap-Flows eignet, weil die Stimme damit ein um so feineres Instrument wird. Etliches dieses Könnens nimmt Le First ins Deutsche mit: Die Betonung ist ähnlich markant wie auf seinen französischen Tracks - somit dürften ihn auch die alten Fans sofort wieder erkennen. Laubisch erzählt von Erlebnissen, Momenten, Lehren - und bedankt sich auf diesem Weg bei vielen Weggefährten. Man merkt ihm die Liebe zur ursprünglichen Hip-Hop-Kultur abseits der Hitparaden immer noch an.

"Dekaden" ist daher ein weites Feld für Entdeckungen, facettenreich wie die Szene, in die Laubisch eintauchte, seit er 13-jährig erstmals in Berlin einen Rapworkshop besuchte, der von der "Kaosloge" geführt wurde. Begeistert von der Ausstrahlung der Akteure, fing er noch am selben Abend an, erste eigene Zeilen zu schreiben. Und entsprechend hochkarätige Gäste gibt es auf dem Album: Sein langjähriger Freund und Mentor Liquit Walker ist nach langer Funkstille auf "Brudermorgana" vertreten, ebenso Rapper Mest im Refrain von "Vielleicht". Und da ist noch Mach One, ein Berliner Szene-Urgestein und Rap-Held aus Laubischs Jugend sowie sein Idol Chakuza.

Im Konzert

Le First spielt am 7. April in der U-Bar in Freiberg, Meißner Gasse 20.

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