Kitschfreier Bombast und entstaubter Retrometal

Die Band Ebony Wall aus Annaberg-Buchholz verblüfft auf ihrem Debütalbum mit ausgefeiltem Gothic-Metal im Stil von Nightwish.

Annaberg-Buchholz.

Das Erzgebirge gilt seit jeher als düstere Metal-Hochburg. Bands wie Eminenz oder Die Schinder konnten von dort aus deutschlandweit auf sich aufmerksam machen, und im Umfeld tummeln sich nach wie vor viele Talente in verschiedener Formation. Das jüngste Ausrufezeichen kommt nun von der Formation Ebony Wall, die mit "Time" ein Debütalbum vorlegt, das schon nicht mehr nach Debüt klingt. Die Band bietet in zehn Songs nicht nur spannenden, sondern auch eigenwillig gefärbten Gothic-Metal, der dem in den letzten Jahren etwas eingerosteten Genre durchaus einige frische Funken beifügt. Da hört man eine mehr als solide Basis - alle beteiligten Musiker haben langjährige Erfahrung aus anderen lokalen Bands wie Testimony, Fimbulthier, Eternal Sleep oder der Nightwish-Coverband Wishmaster. 2011 kamen sie allerdings in der aktuellen Besetzung zusammen, ausgelöst von Kompositionen, die Gitarrist und Mastermind Ronny Schuster im Alleingang seit Jahren gesammelt hatte: "Ich hab sehr genaue Vorstellungen, wie meine Lieblingsmusik klingen soll, also habe ich sie eben selber gemacht. Bisher hatte ich nur keine Mitstreiter", sagt er. Da in Annaberg jedoch "alle schon mal miteinander Musik gemacht haben", wie Gitarrist Yves Merten sagt, fügte der Zufall die Reste früherer, just zerbrochener Bandprojekte glücklich zusammen: "Wir alle haben jemanden gebraucht wie Ronny, der uns und die Musik zusammenführt."

Die Vorlieben des Chefs sind dabei durchaus gut herauszuhören: Klassische Metalbands wie Manowar oder Iron Maiden inspirierten die melodische Gitarrenkraft, sinfonische Gruppen wie Nightwish oder Evanescene das düstere Pathos. Zusammen führt das zu im klassischen Sinn leicht progressivem, ausgefeiltem Songmaterial, bei dem die traditionellen Einflüsse den Kitschfaktor angenehm herausdrängen, der moderne Bombast dagegen den Retrostaub vom True Metal pustet.

Bereits im ersten Jahr konnte Ebony Wall zwölf Auftritte absolvieren, danach konzentrierte man sich auf das nun vorliegende Album, dem im Annaberger Tonekeeper-Studio ein sehr amtlicher Sound verpasst wurde - da klingt nichts mehr regional!

Bei Vertrieb und Vermarktung setzt Ebony Wall auf Do it Yourself. Immerhin: Zu haben ist das Debüt in digitaler Form überall bei I-Tunes & Co, nur die körperliche CD wird über die Homepage vertrieben.

Konzerte

Ebony Wall spielt am Samstag in der Alten Brauerei Annaberg-Buchholz zur offiziellen Record-Release-Party. Am 20. Juni ist die Band beim Metalfestival in Most dabei.

www.ebonywall.de

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