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Das "Gleichgewichtsmoment" von Erich Buchholz aus dem Jahr 1971 ist Teil der Schau.

Foto: Matthias Zwarg

Künstler die vor NS fliehen mussten: Heimkehr in ein fremdes Land

Eine ungewöhnliche Ausstellung in Berlin erinnert an die schwierige Rückkehr von Künstlern, die vor den Nazis aus Deutschland fliehen mussten: Ihre Heimat empfing die Emigranten nicht immer mit offenen Armen.

Von Matthias Zwarg
erschienen am 10.08.2017

Berlin. Es ist eine schlichte hölzerne Figur. Ein etwas abgehärmter Mann, der Kopf rasiert, Jacke und Hose umhüllen faltig den schmalen Körper. Der Blick ernst, die Hände hilflos zur Faust geballt. Die 1911 in Dresden geborene Margarethe Klopfleisch hat den "Häftling eines Konzentrationslagers" Anfang der 1940er-Jahre im englischen Exil aus dem Holz gehauen. Zu sehen ist die Skulptur jetzt in der Ausstellung "Neue/Alte Heimat: Remigration von Künstlerinnen und Künstlern nach 1945" im Kunsthaus Dahlem.

In dem Atelierhaus, das Hitler einst für seinen Lieblingsbildhauer Arnold Breker bauen ließ, der es aber dann kaum nutzte, zieht nach dem Ungeist, der es entstehen ließ, wieder der Geist derer ein, die die Nazis aus Deutschland vertrieben. Kuratorin Dorothea Schöne hat vor allem plastische Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern versammelt, die während der Naziherrschaft aus Deutschland emigrierten und nach 1945 - mehr oder weniger willkommen - zurückkehrten.

Viele von ihnen, etwa der Bauhaus-Schüler Theo Balden, Eugen Hoffmann, der Otto Dix porträtiert hatte (eine Leihgabe übrigens der Kunstsammlungen Zwickau), Will Lammert oder Margarethe Klopfleisch, waren Kommunisten. Andere wie Richard Engelmann, der mit Henry van de Velde zusammengearbeitet hatte, ode Paul Hamann, waren Juden. Die Arbeiten von Emy Roeder, die später unter anderem Karl Schmidt-Rottluff porträtierte, und Erich Buchholz waren als "entartet" diffamiert worden.

Die Ausstellung gelingt es, mit exemplarischen Beispielen an die sehr verschiedenen Schicksale von Emigranten und Remigranten zu erinnern - und auch an Künstler, die nicht mehr emigrieren konnten oder sich in der inneren Emigration versteckten. Wie Moissey Kogan zum Beispiel. Er pflegte Kontakt zu Henry van de Velde und sogar zu Arnold Breker, schuf zahlreiche weibliche Akte in Kleinplastiken und ornamentale Wandreliefs. Nach 1933 wird er mit einem Ausstellungsverbot belegt, verliert Sammler und Galeristen. Er flieht in die Niederlande, dann nach Frankreich, wo er aber während der deutschen Besetzung des Landes verhaftet wird. Noch im selben Jahr wird er im KZ Auschwitz ermordet. Christian Theunert lebte aus Furcht vor Verhaftung im inneren Exil am Rande von Berlin.

Viele der emigrierten Künstlerinnen und Künstler erhofften sich eine neue Heimat eher in der sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR. Dort hatte der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands schon im November 1945 Künstler zur Rückkehr aufgerufen: "Ihr solltet wissen, dass Euch die Heimat nicht vergessen hat und dass wir auf Euch warten, indem wir durch Schaffung eines freiheitlichen Deutschlands den Tag Eurer Heimkehr vorbereiten... Lasst Euch sagen, dass Deutschland Eurer bedarf."

Dies und die Überzeugung, dass im Osten Deutschlands Antifaschisten und Kommunisten eher willkommen waren, als im Westen, bewog unter anderem Margarethe Klopfleisch, Theo Balden, Eugen Hoffmann, Max Lingner und Will Lammert in die Sowjetische Besatzungszone bzw. die DDR zurückzukehren. Anfangs durchaus willkommen, haben sie jedoch alle Anfang der 1950er-Jahre unter der sogenannten Formalismus-Kampagne zu leiden, die einen "sozialistischen Realismus" und ein "optimistisches" Weltbild forderte und selbst die Darstellung von Schmerz und Leid kritisierte. Ganz zu schweigen von der abstrakten Kunst eines Erich Buchholz, der deshalb 1951 erneut floh, diesmal aus der DDR in die Bundesrepublik. Doch auch dort waren die Remigranten keineswegs herzlich willkommen. Der Bildhauer Rudolf Belling etwa reist zwar nach dem Krieg mehrfach nach (West-) Deutschland, erhält sogar das Bundesverdienstkreuz, die erhoffte Einladung zur Remigration bleibt jedoch aus. Erst 1966 zieht er nach Bayern. Für Paul Hamann bedeutet das Exil in Großbritannien das Ende einer hoffnungsvollen Karriere als Plastiker. In Deutschland wird er bald vergessen, obwohl er nach dem Krieg mehrfach in seine Heimatstadt Hamburg reist. Erst nach Jahren in ärmlichen Verhältnissen erhält er eine kleine Wiedergutmachungsrente von der Bundesrepublik. So macht die Ausstellung auch die Defizite beider deutscher Staaten, nicht nur im Umgang mit ihren Künstlern, anschaulich. Die mangelnde Freiheit und Toleranz im Osten, die Unlust, an Nationalsozialismus und dessen Verbrechen, die sich auch in den figürlichen Arbeiten der Künstler widerspiegelten, erinnert zu werden im Westen. Allenfalls die Heimkehr in ein fremdes Land war den emigrierten Künstlern vergönnt - es ist gut, dass jetzt an sie erinnert wird.

Die Ausstellung "Neue / Alte Heimat: "R / emigration von Künstlerinnen und Künstlern nach 1945" ist bis 18. Juni 2018 im Kunsthaus Dahlem in Berlin zu sehen. Geöffnet ist mittwochs bis montags 11 bis 17 Uhr.

www.kunsthaus-dahlem.de

 
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