Mittelfeldjuwel soll in Leipzig glänzen

Charmant, freundlich, selbstbewusst - so trat RB Leipzigs Winterneuzugang Tyler Adams in seinen ersten Tagen auf. Ein ehemaliger Bundestrainer prophezeit ihm eine große Zukunft.

Leipzig.

Ein wenig Anpassungsprobleme gab es dann doch. Nach seinen ersten Minuten auf dem Trainingsplatz von RB Leipzig musste Tyler Adams das Schuhwerk wechseln. Leichter Schneefall hatte für einen seifigen Untergrund gesorgt. Das, gestand Adams, kenne er so aus den USA nicht. "Da spielen wir zu dieser Jahreszeit ja nicht", sagte er mit einem breiten Grinsen. In der Major League Soccer (MLS), der amerikanischen Profiliga der Fußballer, zieht sich die Spielzeit nur über die Frühlings- und Sommer-monate.

Es sind diese Kleinigkeiten, die den Wechsel für den 19-Jährigen zu einer Herausforderung machen. Die größte sei die Anpassung an das Leben abseits des Platzes, gestand Adams. Erstmals ist er weit weg von seinem Zuhause, unweit der Weltmetropole New York. Deshalb ist sein Papa zur Unterstützung mit nach Sachsen gekommen.

"Hallo, ich bin Tyler, ich bin sehr glücklich, in Leipzig zu sein", waren Adams' erste Worte bei seiner Vorstellung - wohlgemerkt auf Deutsch. Als Trainer Ralf Rangnick scherzte, eine deutsche Freundin würde ihm beim Lernen der Sprache am besten weiterhelfen, antwortete der Sonnyboy vom Big Apple mit breitem Lachen: "Aber ich habe doch eine deutsche Freundin." "Ah, das ist ja perfekt", freute sich der neue Chef und Adams klärte auf: Besagte Freundin ist zwar Amerikanerin, aber mit deutschen Wurzeln. Immerhin.

Charmant, fröhlich, freundlich, selbstbewusst - so wirkte Adams in den ersten Tagen in Leipzig. Er ist neben Amadou Haidara Winterneuzugang Nummer zwei bei RB, und ein sehr spannender noch dazu. Auch andere Clubs aus der Bundesliga sowie aus der englischen Premier League sollen am Mittelfeldjuwel interessiert gewesen sein. "Sechser, Achter, Zehner, Außenverteidiger - das sind alles Positionen, die er spielen kann", nannte Rangnick die augenscheinlichsten Stärken. Adams ist vielseitig einsetzbar, gibt seinem Trainer damit viel Raum zum Taktieren und Umbauen. "Er hat ein unheimliches Gespür für die Situation, wann es darum geht, in die Balljagd zu gehen", ergänzte Rangnick. Kein Wunder, schließlich ist Adams ein Produkt der Red-Bull-Fußballwelt. Er durchlief die Academy der New York Red-Bulls, schaffte dort über die zweite Elf den Sprung zu den Profis. Nach etwas mehr als 50 Partien in zwei Spielzeiten sei er der "begehrteste Spieler der MLS" geworden, berichtete Rangnick.

Neunmal stand Adams schon für die Fußball-Nationalmannschaft der US-Boys auf dem Platz. Er ist damit auch Teil des Generationswechsels, der sich derzeit in Amerika vollzieht, nachdem die WM in Russland verpasst wurde. Zu dieser talentierten Altersgruppe gehören auch Christian Pulisic (BVB/ab Sommer Chelsea London), Weston McKennie (Schalke 04) und Josh Sargent (Werder Bremen), die in der Bundesliga bereits erste Spuren hinterlassen haben. Rangnick traut Adams eine ähnliche Entwicklung zu.

Lob kommt auch vom ehemaligen deutschen Nationaltrainer Jürgen Klinsmann, der lange Coach der Amerikaner war. "Ein Superjunge mit richtig guter Mentalität. Er wird nicht lange brauchen, um sich einzufinden", sagte er im Interview mit dem "Kicker". Ein großer Vorteil ist zudem, dass Leipzigs Co-Trainer Jesse Marsch ebenfalls aus den Staaten kommt, zuvor Chefcoach in New York und damit auch Übungsleiter von Adams war. "Jesse ist ein hochbegabter Trainer, er wird Tyler sicherlich viel helfen können", glaubt Klinsmann. "Tyler kann schnell und ausdauernd laufen. Er hat eine großartige Mentalität, ist ein guter Fußballer und Mensch, kommt aus einer wunderbaren Familie", lobte Marsch in der "Leipziger Volkszeitung". "Für einen Trainer ist er ein Traum. Sehr wissbegierig, braucht und will viel Input, viele Informationen, setzt alles schnell um."

Bleibt nur zu hoffen, dass es RB gelingt, Adams auf dem Boden zu halten, und ihm die Zeit gibt, sich zurechtzufinden und zu glänzen. Der Anspruch in Leipzig hoch, das Ziel klar formuliert: zurück in die Königsklasse.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...