Manfred Blechschmidt gestorben - Ein Autor, der für das Erzgebirge lebte

Mit 92 Jahren starb der Heimatschriftsteller Manfred Blechschmidt

Schwarzenberg.

Rund 50 Bücher hat Manfred Blechschmidt veröffentlicht, dazu gut 1000 Beiträge für die Reihe "Bei uns zu Hause", die über Jahre hinweg in der Wochenendbeilage der "Freien Presse" erschienen sind. Und "Bei uns zu Hause" - das war für ihn die Welt des Erzgebirges, seine Landschaft, seine Kultur, seine Heimat. Wie am Dienstag bekannt wurde, ist Blechschmidt im Alter von 92 Jahren gestorben.

Geboren am 17. September 1923 in Bermsgrün, das heute zur Stadt Schwarzenberg gehört, hat er sich in 90 Jahren deutscher Geschichte bewegt und bewegen müssen: Er war Soldat im Dritten Reich und Heimkehrer ins Erzgebirge. Aus dem Forstgehilfen wurde ein Förster - und aus diesem Metier heraus schrieb er auch seine ersten Bücher. Lange Jahre war er auch Direktor einer Volkshochschule. Er hatte Hoffnungen in der DDR auf eine andere Zeit und gerechtere Gesellschaft, die er mit aufbauen wollte. Und immer wieder sorgte er für Entdeckungen aus der Region, in der er lebte, die er liebte. Das Erzgebirgsensemble Aue verdankt ihm seine Entstehung, zudem viele Lieder und Geschichten. Von 1963 bis 1989 hat Manfred Blechschmidt das Ensemble geleitet, das sich der Pflege von fortschrittlichen Traditionen des erzgebirgischen Brauchtums verschrieben hatte.

Nun, in seinem letzten Lebensjahr, lebte er in einem Heim in Schwarzenberg - mit der Erinnerung an das Haus in Erla, wo er seine Bücher bewahrte, wo er mit dem Blick auf die Berge und Wälder geschrieben hatte. Manfred Blechschmidt war, auch daran sei erinnert, ein Autor, der seine Landschaftsbücher, seine volkskundlichen Arbeiten in Hochdeutsch schrieb - aber es war dennoch die heimische Mundart, das Erzgebirgische, dem er von Kindheit an verbunden war und das er in etlichen Büchern, in Erzählungen und Anekdoten kultivierte.

Dieses sprachliche "Bei uns zu Hause" - es ist das Bleibende, das an ihn und seine Autorenschaft erinnern wird. Als Erzähler war er ebenso ein Humorist, der die manchmal etwas simplen "Schorken" der Mundart ins Humoristische hob. Daraus leben seine Bücher vom "Filbis-Dav", die zudem so etwas wie eine versteckte Autobiografie sind, auch die schönen Stücke aus dem "Polezeier Bummerma", einer Sammlung von Erzählungen in erzgebirgischer Mundart. 25 Jahre lang war er Mitherausgeber des "Heimat- und Hauskalenders für das Erzgebirge und Vogtland". Auch das war ein Teil seines Lebens, ein Lebenswerk.

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1Kommentare
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    Schneekurt
    01.12.2015

    Das Erzgebirge hat mit dem Tod Manfred Blechschmidts einen unwiederbringlichen Verlust erlitten. Meine Familie konnte sich glücklich schätzen, zu den Freunden der Familie Blechschmidt zu gehören. Wenigstens einmal im Jahr machten meine Frau und ich einen Besuch bei Blechschmidts, als sie noch in Aue wohnten und danach auch in Erla, Am Rothenberg 10, dem urigen Erzgebirgshäuschen. Oft saßen wir in seinem Schriftstellerarbeitszimmer zusammen und philosophierten über den Fortbestand der erzgebirgischen Mundart und seines Erzgebirgsensembles. Von ihm habe ich seine Schreibart der Mundart übernommen und verfasse meine Gedichte und Geschichten in ähnlichem Stile. Er hat mich stets darin bestärkt, die bergmännische Mettenschicht in der Art, wie sie der letzte Bergverwalter des Schwarzenberger Reviers, Ernst Julius Fröbe lebte, fortzuführen und weiter zu entwickeln. Das habe ich mehr als zwanzig Jahre recht erfolgreich tun können.
    Manfred Blechschmidt lernte ich 1977 persönlich kennen, als ich mich an ihn wenden musste, um an die beliebten Veranstaltungskarten zur Erzgebirgsweihnacht mit dem EE Aue heranzukommen. Von 1977 bis 1992 hatten wir stets die Außenplätze rechts in der Reihe 5 des Kulturhauses. Das hatte den Vorteil, dass man beim Austragen des "Aaräppelkuchns" stets mit bedacht wurde. Nach 1992 war ich durch zahlreiche Verpflichtungen im Landesverband der Bergmanns- Hütten- und Knappenvereine, im eigenen Bergmannsverein und als Mundartsprecher bei den Mettenschichten verhindert, weiter die Veranstaltungen zu besuchen. Sie aber gaben mir die Grundlage, unsere heutigen Traditionsveranstaltungen in seinem Sinne weiter zu entwickeln und erfolgreich fortzuführen.
    Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten.
    Ihm ein letztes erzgebirgisches Glück auf seiner langen Reise in die Ewigkeit.



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