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Albert Sixtus - "Nun beginnt die erste Stunde. Häschen haben Pflanzenkunde. Eh' sie eine Antwort geben, müssen sie die Pfötchen heben. Und der Lehrer fragt geschwind, welche Kräuter eßbar sind. Hasenhans, der weiß das wohl: ,Am allerbesten schmeckt der Kohl!'": Albert Sixtus' Verse und die Illustrationen von Fritz Koch-Gotha (1877-1956) ergänzten sich in Perfektion.

Foto: Getty Images Bild 1 / 2

Zeitgeschichte aus dem Tierreich

Albert Sixtus, der Mann, der die Verse zum Allzeit-Kinderbuchklassiker "Die Häschenschule" schrieb, ist in der Region geboren und hat lange Zeit hier gewirkt. Seinem jetzt verstrichenen 125. Geburtstag merkt man das kaum an.

Von Torsten Kohlschein
erschienen am 02.06.2017

Hainichen. Eigentlich gäbe dieser Mann Stoff für einen Film: Der junge, engagierte Lehrer und liebevolle Vater, dessen kleiner Sohn nicht müde wird, Geschichten zu hören. Hasen sind seine Lieblingstiere. Also denkt sich der in Hainichen 1892 geborene 30-jährige Albert Sixtus, zu dieser Zeit Lehrer im sächsischen Kirchberg, immer neue Hasengeschichten aus. Die fasst er eines Nachts 1922 in sauber gezimmerte Verse und schickt sie einem Leipziger Verlag. Der will mehr davon. Zeichner Fritz Koch-Gotha illustriert sie kongenial. Ein Klassiker ist geboren: "Die Häschenschule".

Zeilen wie "In der nächsten Stunde dann kommt die Tiergeschichte dran. Von dem alten Fuchs, dem bösen, wird erzählt und vorgelesen, wie er leise, husch, husch, husch, schleicht durch Wiese, Feld und Busch. Und die kleine Gretel denkt: ,Wenn er mich nur nicht mal fängt!'" prägen sich seither zahllosen kindlichen Gehirnen ein. Großgewordene rufen sie oft noch mühelos ab. Menschenwelt im Tierreich, versetzt freilich mit Rollenbildern des frühen 20. Jahrhunderts. Aber damit heute zugleich ein anschaulich-kindgerechtes Stück Zeitgeschichte.

Mit dem Wunsch des eigenen Kindes nach neuen Geschichten beginnt auch die Erfolgsstory von Astrid Lindgren. Aber welch ein Unterschied: Sixtus, dem seine Geburtsstadt im Gellertmuseum bis 21. September eine überschaubare Sonderausstellung widmet, bleibt ein stiller Star, obwohl er dem Erfolg viele weitere Kinderbücher folgen lässt und sich auch als Romancier versucht.

Und er ist einer, der zu Zeiten, als die Nazis alles mit ihrer braunen Soße überziehen, standhaft bleibt: 1936 wird er Herausgeber des Jahrbuchs "Auerbachs Deutscher Kinderkalender". Da hat die traditionsreiche Publikation gerade eine Zäsur vollzogen: 1935 ist sie statt in gewohntem Rot erstmals in braunem Einband mit Hitlerjugend-Motiv erschienen. Das löst in der Leserschaft Protest aus. Er setzt sich dafür ein, dass es bei dem einen Mal bleibt, den 1936er Kalender wieder die alte Farbe und ein Kindermotiv zieren. Fortan steht Sixtus, inzwischen nach Glauchau umgezogen, unter Beobachtung, bleibt aber bis 1943 der "Kalenderonkel". Zu dessen Aufgaben zählt neben Schreiben eigener Beiträge für das Jahrbuch die Korrespondenz mit Kindern aus aller Welt. Den Schuldienst hat er 1937 quittiert, ist mit 45 Jahren Frührentner, offiziell wegen seiner kriegsbedingt angeschlagenen Gesundheit, eigentlich aber wegen politischer Drangsalierung durch seinen Glauchauer Rektor. In den 40er Jahren publiziert Sixtus kaum mehr, wagt 1947 noch einen Versuch und bietet seinem Leipziger Verlag mit "Das zerstörte Zwergenstädtchen" einen Gegenwartsstoff für Kinder an. Der Verlag winkt ab: zu politisch, zu tendenziös, zu wenig positiv. 1960 stirbt Sixtus in Jena, wo er seit 1938 lebte.

Von der Hainichener Ausstellung abgesehen bleibt es zu Sixtus' am 12.Mai verstrichenen 125. Geburtstag an seinen Lebensstationen still um den Jubilar. Nur in Kirchberg wird Erstklässlern der Grundschule, an der Sixtus als Lehrer wirkte, zum Ersten Schultag aus den Händen von Bürgermeisterin Dorothee Obst je ein Exemplar der "Häschenschule" mit persönlicher Widmung überreicht. Wie jedes Jahr.

 
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Onkel-Max-Frage
Warum hält ein Ei dem Druck der Handinnenflächen stand?
Onkel Max
Tomicek

Warum lässt sich ein Hühnerei, das man an beiden runden Spitzen zwischen den Handinnenflächen hält, auch bei großem Kraftaufwand nicht zerdrücken? (Diese Frage hat Wolfgang Weigel aus Lauter-Bernsbach gestellt.)

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