Die Vaterlandslose

Weshalb Kristin Rose-Möhring die deutsche Nationalhymne reformieren will

Wer kannte bisher den Namen Kristin Rose-Möhring? Niemand. Gleichstellungsbeauftragte im SPD-geführten Familienministerium ist sie seit 2001. Nun ist sie quasi über Nacht mit einem Vorschlag zur Gendergerechtigkeit bundesweit bekannt geworden.

Oh, hätte sie doch lieber geschwiegen. Laut einem Medienbericht hatte sie in einem Rundbrief an die Mitarbeiter des Ministeriums Änderungen an der deutschen Nationalhymne vorgeschlagen. So sollten die Deutschen künftig statt "Vaterland" besser "Heimatland" und statt "brüderlich mit Herz und Hand" in Zukunft "couragiert mit Herz und Hand" singen. Zur Begründung verwies die Frauenbeauftragte demnach auch auf geschlechterneutrale Umformulierungen etwa in der kanadischen oder in der österreichischen Hymne. In der Alpenrepublik kamen zu den "Söhnen" des Landes noch die Töchter hinzu.

Das Umdichten einer Hymne ist weder verboten noch falsch. Es ist nur überflüssig. Selbst die Kanzlerin meldete sich zu Wort: "Kein Bedarf!" Gerade die Deutschen hatten nach dem dunklen Kapitel des sogenannten Dritten Reiches endlich ihren Frieden mit dem mehr als 150 Jahre alten Hymnentext von Hoffmann von Fallersleben geschlossen. Seit 1952 wurde in der Bundesrepublik mit mehr oder weniger Inbrunst die 3. Strophe gesungen. Daran änderte sich auch nach der deutschen Einheit nichts.

Nun ist etwa der Begriff des "Vaterlandes" in der Hymne nicht das wirkliche Problem, das Deutschland im Jahr 2018 hat. Es gibt viele ernsthafte Themen, die die Menschen in diesem Land beschäftigen: Bildungschancen, Altersarmut, Folgen von Globalisierung und Digitalisierung und so weiter. Eine genderneutrale Nationalhymne löst kein einziges Problem der Gleichberechtigung. Symbole beseitigen keine Ungleichheit. Liebe Frau Rose-Möhring, denken Sie auch mal an unsere Nationalspieler. Die haben sich den Text beim holprigen Absingen der Hymnen mühsam draufschaffen müssen. Jetzt wieder neu lernen? Das wäre zu viel verlangt.

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9Kommentare
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  • 4
    1
    Nixnuzz
    07.03.2018

    "Gleichstellungsbeauftragte im SPD-geführten Familienministerium ist sie seit 2001. " Muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Irgendwie würde ich da ein etwas anderes Aufgabenbild erwarten. Wieviel Ungerechtigkeiten finden im täglichen Berufsleben oder im angewandten Bürokratismus statt? Was wartet auf Lösungen bei den Einzelerziehern? Kita-Öffnungszeit-Problematiken? Hat die gute Frau da mal Hand angelegt? Aktivitätsspuren hinterlassen? Oder am Kabinettstisch ausgebremst?....

  • 9
    1
    Freigeist14
    06.03.2018

    Ich würde mich gar nicht so über Frau Rose-Mohring aufregen. Eher frage ich mich,warum sie die "Muttersprache" nicht anstößig findet. Die Dame hat 2001 niemand gekannt und spätestens in einer Woche ist sie wieder vergessen.

  • 12
    1
    Deluxe
    06.03.2018

    Man könnte auch die DDR-Hymne aus der Feder Johannes R. Bechers noch nachträglich umdichten...
    Da stehen nämlich tatsächlich so grauenvoll frauenfeindliche Dinge drin wie "...daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint."
    Und auch der frauenverachtende Begriff "Vaterland" kommt darin vor. Mehrfach!

    Wenn ich solche Meldungen lese, dann verliere ich wirklich das letzte Fünkchen Optimismus hinsichtlich der Zukunft dieses Landes. Und wenn man sich vor Augen führt, was die GleichstellungsbeauftragtIN dafür pro Monat aus unseren sauer und mit richtiger Arbeit verdienten Steuergeldern bekommt, wird es nicht besser.

    Im HartzIV- und Mindestlohnland wird über die Nationalhymne diskutiert, während man die größte illegale Einwanderungswelle der Geschichte nicht in den Griff bekommt (bekommen will) und die Globalisierungsprobleme zu lösen hat. Man faßt es nicht.

  • 7
    1
    Hankman
    06.03.2018

    Herrjeh, wenn wir sonst keine Probleme haben ... Aber statt in dem historischen literarischen Text rumzupfuschen, könnte Frau Rose-Möhring einen Wettbewerb initiieren, um für die Hymne eine komplett neue Strophe dichten zu lassen. Die könnte dann komplett geschlechtsneutral und genderpolitisch korrekt sein. Und wer will, kann dann halt diese Version singen. Wir singen ja - wenn überhaupt - ohnehin nur eine Strophe des Deutschlandliedes (aus guten Gründen), also ...

  • 2
    4
    Interessierte
    06.03.2018

    Nun ist sie quasi über Nacht - bekannt geworden ...
    ( vielleicht war das von ihr so angedacht ....

    Was hat sie denn seit 2001 getan bezüglich der Gleichstellung in diesem Land ?
    http://www.dasgleichstellungswissen.de/unsere-profis/rose-m%C3%B6hring-kristin/

    Aber ich glaube , dies Hymne neu zu lernen wäre das kleinere Problem , wo doch andere Menschen das gesamte Leben und die Berufe neu lernen mußten ...

  • 10
    2
    1953866
    06.03.2018

    Vielleicht hätte sich die Dame erst einmal mit dem Liedgut der SPD befasst und das Echo abgewartet:"Couragiert [Brüder] zur Sonne, zur Freiheit".

  • 15
    0
    Steuerzahler
    06.03.2018

    Wollte diese Frau ihre Daseinsberechtigung nachweisen oder hatte sie gerade keine sinnvollen Aufgaben? Schon allein das Wort "brüderlich" ersetzen zu wollen! Wie lange wird es wohl im deutschsprachigen Raum in seiner Bedeutung genutzt, ohne dass ihm vordergründig eine geschlechterspezifische
    Bedeutung zukommt! Es ist nur noch Kopfschütteln angesagt!

  • 11
    1
    Hinterfragt
    06.03.2018

    Was zeigt dieser Vorschlag aber eigentlich:
    Die Ministerien haben eindeutig zu viele Planstellen, wenn man Zeit hat, um sich mit solchem "Mist" zu befassen.

  • 10
    1
    Hinterfragt
    06.03.2018

    Mit Verlaub, wie singt Otto doch fast immer am Schluss seiner Programme?

    "...Das sag ich laut und frag euch leise: Nun mal im Ernst, glaubt ihr das echt? Ihr habt 'ne Meise...."
    Quelle: Otto Waalkes

    Dann machen wir doch gleich bei den Volksliedern weiter:
    - Hoch auf dem gelben Wagen sitz ich bei* ****** vorn ...,
    - Auf, du junger Wander****,
    - Ein ***** steht im Walde,
    - Schlafe, mein ****, schlaf ein,

    Oder gar die großen Dichter:
    Nehmen wir z.B. den Zauber**** oder der Erl*** von Goethe.



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