AfD - Alternatives Sammelsurium

Sachsens AfD geht mit Landeschefin Frauke Petry als Spitzenkandidatin in die Landtagswahl - und hofft auf Historisches.

Weinböhla.

Erst vor einem Jahr hat sich die Alternative für Deutschland (AfD) gegründet, doch wenn alles nach Plan läuft, sitzt sie schon bald in einem Landtag. In vier Monaten steht die Wahl in Sachsen an, und zumindest diejenigen der knapp 200 Mitglieder, die auf dem Parteitag am Samstag ans Mikrofon traten, strotzten vor Optimismus, dass der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde und damit der Eintrag in die Geschichtsbücher gelingen wird.

Zuletzt lagen die Umfragen konstant zwischen sechs und sieben Prozent, schon bei der Bundestagswahl im September 2013 war die AfD in Sachsen auf 6,8 Prozent gekommen. Dass es damals mit den bundesweit 4,7 Prozent knapp nicht gereicht hatte, hält Sachsens AfD-Chefin Frauke Petry "bei aller Enttäuschung" inzwischen für gar nicht mal so schlecht. "Wer weiß, wofür es gut war", sagte sie in Weinböhla und sprach davon, dass es mehr "Zeit zur Konsolidierung" gegeben habe.

Mehr Zeit als die Konkurrenz hat sich die AfD nun auch bei der Nominierung ihrer Bewerberliste für das Dresdner Parlament gelassen. Nicht noch einmal sollte auf dem Wahlzettel ein Name wie der des Chemnitzers Peter von Wolffersdorff stehen, zu dem das Vertrauen der Parteispitze noch vor der Wahl schnell schwand und der seinem Rauswurf später nur durch Austritt zuvorkam.

Um die Personalauswahl dieses Mal in geordnetere Bahnen zu lenken, hatten sich etwa 30 potenzielle Kandidaten im April vorab zweimal getroffen und dem Landesvorstand vorgestellt. Der sprach danach seine Empfehlung für insgesamt elf Kandidaten aus - darunter gleich sechs Vorstandsmitglieder. Nur Arzt Hubertus von Below zeigte kein Interesse und auch der umstrittene Islamwissenschaftler Hans-Thomas Tillschneider trat nicht an - beide verzichteten aus beruflichen Gründen, wie es hieß. Zur Spitzenkandidatin wurde Frauke Petry mit 89,1 Prozent gewählt.

Die AfD verlangte von allen Kandidaten eine Erklärung über eine etwaige frühere Tätigkeit für die DDR-Staatssicherheit, ebenso über frühere Parteimitgliedschaften. Der auf Listenplatz 2 (84,6 Prozent) gewählte Parteivize Thomas Hartung gab an, dass er bis 1990 in der DDR-Blockpartei LDPD und 2009 in Gabriele Paulis Freier Union war. Der auf Platz 3 (86,8 Prozent) gelandete AfD-Generalsekretär Uwe Wurlitzer aus Leipzig begründete seinen Austritt aus der CDU im April 2009 mit fehlender innerparteilicher Demokratie. Rechtsanwalt André Barth aus Dippoldiswalde (Platz 5) gab derweil preis, dass er bis 2010 für 14 Jahre der SPD angehörte. Vogtland-Chef Gunter Wild (Platz 7) war dafür früher bei der DSU.

Die Basis in Weinböhla fragte die Kandidaten ansonsten noch eher nach dem Zeitpunkt ihres AfD-Eintritts und ob sie schon mal Plakate geklebt hätten, statt nach vertieften politischen Vorstellungen. So kam auch der anhaltende Vorwurf mangelnder Abgrenzung nach rechts außen nur am Rande des Parteitags zur Sprache. Zuletzt war der Dresdner Sören Oltersdorf als AfD-Kreisvorstand zurückgetreten, nachdem Bilder den 23-Jährigen bei mehreren Anlässen zusammen mit Neonazis gezeigt hatten. In Weinböhla sah man ihn auch beim netten Plausch mit Leuten aus der Parteispitze.

Frauke Petry mag nichts von einem Rechtsdrall wissen. Dieser Vorwurf sei unbegründet. Der "sogenannte Populismus" bedeute doch nichts anderes, als dass die etablierten Parteien dem Volk nicht mehr zugehört und eine Lücke gelassen hätten - in die nun eben die AfD gestoßen sei. In Petrys Wahrnehmung hat die "neue Bewegung" schon jetzt einiges erreicht - nicht nur, dass die SPD auf ihren Wahlplakaten angeblich erst jetzt auch die Farbe Blau verwende, sondern auch, dass nun selbst die CDU kleinere Klassen und mehr Lehrer fordere.

Als "Gipfel der Fälschungskultur" bezeichnete Petry aber die CSU-Forderung, die deutsche Sprache mehr in Öffentlichkeit und Rundfunk zu bringen. So ähnlich steht es bekanntlich schon im Anfang März in Zwickau beschlossenen AfD-Wahlprogramm, das Petry "sehr ausgewogen" nennt. Tatsächlich finden sich da Forderungen nach einem Familienwahlrecht - Eltern dürfen die Stimme für ihre Kinder abgeben - oder nach Sanktionsmöglichkeiten für den Landesrechnungshof wie auch nach "Wiedereinführung des Poliklinik-Modells".

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