Afrikanische Schweinepest: Sachsens Bauern schlagen Alarm

Weil durch die Ausbreitung nach Deutschland Milliardenschäden drohen, fordert der Landesbauernverband den Abschuss von Wildschweinen. Doch für die Jäger könnte dies ein größeres Problem werden.

Chemnitz.

Angesichts neuer Fälle in Tschechien und Polen wächst die Gefahr, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland eingeschleppt wird. Bundesweit schlagen Bauern Alarm. Sie befürchten volkswirtschaftlich einen Milliardenschaden, sollte das Virus den Weg ins Land finden. Allein für Sachsen rechnet der Sächsische Landesbauernverband (SLB) mit Kosten von über 100Millionen Euro.

"Wir betrachten das Thema mit größter Sorge", sagte Landesbauern-Präsident Wolfgang Vogel und forderte wirksame Präventionsmaßnahmen im Freistaat. Vor allem müsse der Wildschweinbestand radikal reduziert werden. Denn je weniger Tiere auf einer Fläche leben, umso geringer wäre im Ernstfall die Ausbreitungsgefahr. Auch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hatte in einer Bewertung eine Reduzierung empfohlen. Vogel sprach sich für den Abschuss von 80 Prozent des Bestandes aus. Laut SLB wären das gut 85.000 Tiere. Im letzten Jagdjahr hatten Sachsens Jäger rund 33.000 Stück geschossen. Vogel räumte jedoch ein, dass dies "ein schier unlösbares Problem" für die Jäger sei, die ja zumeist nur in der Freizeit auf die Pirsch gehen. Sie müssten daher vom Staat dafür bezahlt werden. Eine "Aufwandsentschädigung" fordert auch der Landesjagdverband. Er hält eine Prämie von 25 Euro je Frischling und Bache für notwendig.

Die Afrikanische Schweinepest befällt ausschließlich Wild- und Hausschweine und führt fast immer zum Tod. Für Menschen ist sie ungefährlich. Die Viruserkrankung wurde 2007 wohl über Speiseabfälle von Schiffen nach Georgien eingeschleppt. Von dort aus verbreitete sie sich in Osteuropa. 2014 wurden erstmals in Polen infizierte Tiere gefunden, 2017 im Osten Tschechiens. Als wahrscheinliche Ursache für die Verbreitung gilt die unsachgemäße Entsorgung von Speiseresten, etwa an Fernstraßen und Rastplätzen. Dort könnten die Reste von Wildschweinen aufgenommen werden.

Für die Landwirtschaft ist die Afrikanische Schweinepest so bedrohlich, weil bereits das Auftreten in einem Wildbestand bedeuten würde, dass kein Fleisch von Schweinen mehr in Länder außerhalb der EU exportiert werden kann. Das würde hierzulande zu einem Preisverfall führen. Deutschlandweit werden 27,5 Millionen Schweine gehalten, in Sachsen sind es gut 650.000 in 170Betrieben.

Damit die Jägerschaft mehr Wild zur Strecke bringen kann, will die sächsische CDU/SPD-Koalition das Landesjagdgesetz ändern. So soll künftig der Einsatz von Schalldämpfern auf Waffen erlaubt sein. Zudem sollen Fangfallen gestattet werden, mit denen ganze Rotten gefangen werden - eine umstrittene Methode, weil die Tiere in Panik geraten, sobald das erste erschossen wird. In einer Anhörung im Landtag hatten jedoch Experten die Wirksamkeit der Maßnahmen in Zweifel gezogen. Nun soll das Gesetz mit einem Entschließungsantrag um weitere Maßnahmen ergänzt werden. Wie die Zwickauer CDU-Abgeordnete Ines Springer sagte, soll es darin etwa um das Einzäunen von Rastplätzen gehen. Auch eine Abschussprämie ist in der Diskussion. Ein weiterer Punkt ist der bislang verbotene Einsatz von Nachtsichtzielgeräten. Hier wolle man sich an die bayerische Lösung anlehnen. In Bayern können die Behörden Sondergenehmigungen erteilen.

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