Alternative Wahlkampfhilfe

Knapp vier Wochen vor der Wahl verspürt die AfD plötzlich Auftrieb. Die Hoffnung auf den Einzug in den Bundestag überdeckt auch heftige Personalquerelen an der Basis.

Berlin/Dresden.

Es gab Meinungsumfragen, da wurde die Alternative für Deutschland (AfD) gar nicht mehr extra ausgewiesen. Unter dem Label "Sonstiges" schien die neue Partei den Demoskopen bei der Präsentation der neuesten Zustimmungswerte recht gut aufgehoben zu sein. Doch nun schöpft die euro-kritische Partei neue Hoffnung, und das gleich aus mehreren Gründen.

So hat Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor wenigen Tagen die Möglichkeit weiterer Griechenland-Hilfen in den Wahlkampf getragen - und damit zurück in das Bewusstsein der Wähler. Meinungsforscher glauben, dass eine neue Euro-Debatte vor der Bundestagswahl weder Regierung noch Opposition zugute käme - wohl aber der AfD Auftrieb geben könne.

"Spannendster Wahlkampf"

In den meisten Umfragen hat es die Partei zuletzt immerhin schon wieder auf drei Prozent geschafft. Sachsens Parteichefin und Spitzenkandidatin Frauke Petry spricht auf Wahlkampfveranstaltungen vom "spannendsten Wahlkampf seit langem". Der Dresdner Politologe Werner Patzelt nennt die AfD "die einzige Partei, welche die Risiken der sogenannten Euro-Rettungspolitik klar benennt". Sie spreche "echte Probleme" an, je mehr das sichtbar werde, "umso mehr steigt ihre - freilich insgesamt geringe - Popularität". Hinzu kommt aus Sicht von Patzelt noch ein anderer Aspekt: "Nach Anschlägen auf ihren Wahlkampf wird sich mancher fragen, ob die AfD nicht aus Fairnessgründen Unterstützung verdient."

Linke-Politikerin Kerstin Köditz spricht hingegen von "maßlos übertriebenen" und "angeblichen" Bedrohungen und Übergriffen auf die AfD. Tatsächlich klagt die Partei schon seit Wochen über massive Behinderungen im Wahlkampf und Übergriffe auf Helfer. Zuletzt wurde über eine Attacke in Bremen auf Parteichef Bernd Lucke berichtet. Ob sie wirklich von acht bis 15 linken Aktivisten geführt wurde, scheint nach Ansicht eines im Internet kursierenden Videos eher zweifelhaft. Dennoch nahm Lucke den Bremer Vorfall gestern zum Anlass, eine bessere Ausrüstung der Polizei zu fordern.

Und Sachsens Landesverband stellt Lucke morgen einen Personenschützer zur Seite, der es "mit Klitschko aufnehmen könnte", wie ein Parteisprecher sagt. Lucke will in Leipzig vor Juristen einen Vortrag zu "Euro und Europa" halten und in Plauen und Dresden mit Bürgern ins Gespräch kommen.

Störfeuer in eigenen Reihen

Auch in Sachsen hat die Partei von Behinderungen berichtet, etwa durch vor dem Eilenburger Rathaus aufkreuzende NPD-Anhänger. Tatsächlich kommt das größte Störfeuer für die AfD im Freistaat eher aus den eigenen Reihen. In Gesprächen, Mails und Blogs überziehen sich vermeintliche Parteifreunde mit heftigen Vorwürfen. Kritiker halten der Parteispitze zudem vor, zu zögerlich mit der Personalie Peter von Wolffersdorff umgegangen zu sein.

Der gelernte Bankkaufmann steht nun für die AfD Sachsen bei der Bundestagswahl hinter Petry und Georg Metz, dem Sohn von Sachsens Ex-Finanzminister Horst Metz (CDU), auf Listenplatz 3. Weil er bei der Nominierung Ende April nicht nur frühere Parteimitgliedschaften etwa bei Piraten und Statt-Partei, sondern auch eine Vorstrafe wegen Betrugs verschwiegen haben soll, wurde inzwischen ein Parteiausschluss beantragt. Den Namen von Wolffersdorff hat sich der inzwischen 50-Jährige im Alter von 33 Jahren zugelegt, indem er sich von einer inzwischen verstorbenen Angehörigen dieser Familie adoptieren ließ. Ein Erfolg der AfD könnte auch dem gebürtigen Karlsruher ein Mandat bescheren -zum Unwillen der Basis.

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