Bischof will im Streit um schwulen Diakon helfen

Carsten Rentzing regt Treffen an und übt Kritik an öffentlicher Erörterung

Dresden/Aue.

Im Fall des evangelischen Jugendwarts Jens Ullrich, der wegen Bekenntnisses zu seiner Homosexualität und einer festen Partnerschaft zu einem Mann von einigen Gemeinden im Kirchenbezirk Aue mit Predigtverbot belegt wurde, hat sich Bischof Carsten Rentzing zu Wort gemeldet. "Im Sinne der Einheit des Kirchenbezirks Aue will ich mich einbringen und helfen, den geschwisterlichen Umgang wieder herzustellen", sagte Rentzing im Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (EPD). Der Streitfall beschäftige die Kirchenleitung derzeit regelmäßig. Er ärgere sich darüber, dass das Thema öffentlich diskutiert werde, während der Diskurs auf persönlicher Ebene geführt werden müsse. "Wir wollen den Fall nicht verschweigen, aber er muss auf der richtigen Ebene diskutiert werden", sagte Rentzing. Eine solche kircheninterne Ebene soll eine Zusammenkunft der Kirchenvorsteher betroffener Gemeinden mit dem schwulen Diakon Ende November bieten. Dazu hat der Bischof seine Teilnahme in Aussicht gestellt, wenngleich nicht bedingungslos zugesagt. Einen Termin gebe es noch nicht, teilte die Kanzlei des Bischofs der "Freien Presse" gestern mit.

Dass sich zwischenzeitlich auch Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) in den Fall habe einschalten wollen, sehe er als "politische Instrumentalisierung des Themas", kritisierte der Bischof. Die öffentliche Debatte gefährde den Gesprächsprozess. Die Medien verhärteten die Fronten nur weiter. Die Beteiligten vor Ort fühlten sich ebenso verletzt wie Jens Ullrich, betonte der Bischof im EPD-Interview. Es gehe nun um die Frage: "Wie räumen wir das aus der Welt, dass wir uns wieder in die Augen schauen können?" Die theologischen Unterschiede werde man beim Termin nicht ausräumen. Auch werde es nicht um Homosexualität gehen, sondern um den Umgang miteinander, so der Bischof. Wichtig sei der Respekt füreinander und die Würde des Anderen zu achten. Im Gespräch mit der "Freien Presse" hatte Ullrich vormals befürchtet, die avisierten Gespräche mit betroffenen Gemeindevorständen drohten, wie eine Art Tribunal abzulaufen.

Vor zwei Jahren hatte Ullrich seine Heirat mit einem Mann gegenüber Freunden und Mitarbeitern kundgetan. Daraufhin erteilten ihm mehrere Gemeinden Predigtverbot. Die Auer Gemeinde St. Nicolai ließ das Verbot im Gottesdienst verkünden, noch bevor Ullrich per Brief darüber informiert worden war.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...