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Martin Dulig - SPD-Landeschef

Foto: dpa

Braucht die SPD die AfD-Wähler?

Der Vorsitzende der Dresdner SPD verfasst einen Meinungsbeitrag gegen die Bundesspitze - dabei gerät auch Landeschef Dulig ins Visier.

Von Kai Kollenberg
erschienen am 09.06.2018

Dresden. Das Bild ist schwarz-weiß gehalten. Richard Kaniewski, 32, Dresdner SPD-Chef, blickt nicht in die Kamera, sondern hat das Gesicht abgewandt. Er zupft an dem Vollbart, den er sich in den vergangenen Monaten zugelegt hat: "Es gibt keine richtige Politik in der falschen ..." prangt unter dem Foto. Am Donnerstagabend hat Kaniewski besagte Aufnahme samt einem längeren Post bei Facebook und Twitter veröffentlicht und darin seine Partei deutlich angezählt.

Kaniewski wirft der SPD vor, es mit der Solidarität nicht mehr so genau zu nehmen. Die Partei sollte sich doch für Menschen einsetzen, die nicht zu den Privilegierten gehören, schreibt er: "Aber, da wir aktuell keine konsistente Antwort haben, keine Idee, wie wir aus dem Umfragentief herauskommen, wie wir dem Joch der permanenten Großen Koalition entfliehen können, begehen wir aus Angst vor dem Tod inhaltlichen Selbstmord." Sein Primärziel sei es nicht, AfD-Wähler zurückzugewinnen: "Es ist irrig anzunehmen, dass wir mit einer konservativeren Politik jemanden davon überzeugen, uns zu wählen ..."

Kaniewski, darauf wird in der SPD verwiesen, meint mit seiner Einlassung zuvorderst die Bundesvorsitzende Andrea Nahles. Sie hatte vor wenigen Tagen versucht, die SPD in der Flüchtlingsdebatte neu zu positionieren. "Wer Schutz braucht, ist willkommen. Aber wir können nicht alle bei uns aufnehmen", sagte sie der "Passauer Neuen Presse". Dies wurde als erster Schritt auf AfD-Wähler zu gewertet. Etwas, das Kaniewski, der den eher linken Dresdner SPD-Unterbezirk repräsentiert, nicht gefallen kann.

Doch Kaniewskis Spitzen haben auch Aufreger-Potenzial für Sachsen. SPD-Landeschef Martin Dulig hat schließlich dafür geworben, mit AfD-Wählern ins Gespräch zu kommen. "Wir brauchen ihnen nicht zu sagen, dass ihre Entscheidung für die AfD falsch ist. Das führt nur zu Trotzreaktionen. Wir müssen sie vielmehr spüren lassen, dass wir die besseren Antworten haben", sagte Dulig auf dem Landesparteitag im Oktober - und erntete von den Delegierten eisiges Schweigen.

Kaniewski will Dulig mit seinen Sätzen nicht gemeint haben, versichert er. In seiner Partei und darüber hinaus ist das aber nicht allen klar. Dort wurde vielmehr festgestellt, dass auch Dulig den einen oder anderen Hinweis von Kaniewski annehmen sollte. So fest im Sattel, wie es derzeit aussieht, sitzt Sachsens SPD-Vorsitzender nämlich nicht. Unlängst wurde zum Beispiel das Gerücht gestreut, es wäre besser, wenn Dulig nicht alleiniger Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2019 würde. Die SPD hat diese Spekulationen entschlossen zerstreut. Geschadet haben sie Dulig dennoch.

 
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