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Foto: Marijan Murat/dpa

CDU will Sachsens Oberschulen mit einer Reform aufwerten

Bildungspolitiker der Fraktion erarbeiten ein Konzept zur Zukunft der Schulform. Es sieht auch Veränderungen in den Lehrplänen vor.

Von Kai Kollenberg
erschienen am 09.04.2018

Dresden. Als Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Ende Januar seine Regierungserklärung hielt, da kam er auch auf die Oberschulen zu sprechen. In wenigen Sätzen formulierte er eine Art Plädoyer für diese Schulform: Die Oberschulen hätten "eine besondere Bedeutung", seien "Talentschmieden", sagte Kretschmer. Er sprach von ihnen gar als "eigentlichem Fachkräftepool für die Wirtschaft". Das klang für viele CDU-Abgeordnete gut - doch dabei wollen sie es nicht bewenden lassen. Die Unionsfraktion erarbeitet aktuell ein Konzept, um die Oberschulen attraktiver zu machen.

Noch gibt es nichts Schriftliches. Doch die "AG Oberschule", zu der die Landtagsabgeordneten Thomas Colditz, Lothar Bienst, Holger Gasse, Steve Ittershagen und Patrick Schreiber gehören, hat sich mittlerweile auf Grundzüge verständigt: Die Oberschulen sollen demnach gezielter mit der Wirtschaft verzahnt werden. Eine stärkere Differenzierung innerhalb der Schülerschaft wird es nach den Plänen ebenso geben. "Die Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren darüber geklagt, dass die Oberschüler nicht mehr den Anforderungen entsprechen", sagt Thomas Colditz. "Darum müssen wir reagieren, wenn die Oberschule nicht ihren Ruf verlieren soll."

Die Gymnasien ziehen immer mehr Schüler an. Spätestens seit 2017, seitdem die Bildungsempfehlung der Lehrer nicht mehr bindend ist, wurde der Effekt noch größer. Zum Schuljahr 2017/18 wurden 841 Schüler an sächsischen Gymnasien angemeldet, die eigentlich eine Empfehlung für die Oberschule hatten. In Sachsen fürchten manche Bildungspolitiker, dass die Oberschule langfristig unbedeutend werden könnte. Der Ausdruck "Ramsch-Schule" macht die Runde.

Die fraktionsinterne Arbeitsgemeinschaft will deswegen die Oberschule als Alternative zum Gymnasium erhalten: Die CDU-Pläne sehen vor, dass die Oberschüler, die eine Ausbildung machen möchten, mehrere Praktika bis zum Schulabschluss in der neunten oder zehnten Klasse einstreuen. Auf diese Weise sollen die Schüler ein Gefühl dafür entwickeln, welcher Beruf ihnen liegt. Auch Praxisberater, die schon jetzt an einigen Oberschulen eingesetzt werden, um Schüler ab der siebten Klasse aufs Berufsleben vorzubereiten, sollen kurzfristig an allen Oberschulen arbeiten. "Für die sächsischen Oberschulen muss auch weiterhin gelten, dass sie die Praxis-Eliten ausbilden, die sich vor den Abiturienten nicht verstecken müssen", sagt der Abgeordnete Steve Ittershagen.

Parallel dazu liebäugeln die Bildungspolitiker damit, die Oberschüler zwischen zwei Schullaufbahnen wählen zu lassen. Sie werden entweder auf eine Ausbildung oder auf den Gang zum Beruflichen Gymnasium vorbereitet. Die "AG Oberschule" hat sich allerdings noch nicht darauf verständigt, ob diese Entscheidung in der siebten oder achten Klasse fällt.

Die Änderungen an der Oberschule werden dem Konzept nach die Lehrpläne miteinbeziehen. Die Differenzierung, die die CDU im Sinn hat, macht dies notwendig. "Beim Oberschüler, der eine Ausbildung anstrebt, sind andere Dinge wichtig, als bei einem Oberschüler, der das Abitur machen möchte. Das werden wir berücksichtigen müssen", sagt CDU-Bildungsexperte Patrick Schreiber.

Ministerpräsident Kretschmer beobachtet die Arbeit der CDU-Fraktion mit Wohlwollen. Er soll die Arbeitsgruppe dem Vernehmen nach bei der jüngsten Fraktionssitzung zur Eile aufgefordert haben. Und Kultusminister Christian Piwarz (CDU) kennt das Projekt noch aus seiner Zeit als Parlamentarischer Geschäftsführer.

Bis zur Sommerpause wird das ausformulierte Konzept vorliegen. Dann wird die Abstimmung mit dem Koalitionspartner gesucht. Fraglich ist, wie positiv die SPD den Änderungen gegenübersteht: Die Sozialdemokraten sind Verfechter eines längeren gemeinsamen Lernens. Und genau dagegen spricht sich die CDU-Fraktion mit ihren Plänen de facto aus.

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 10.04.2018
    20:30 Uhr

    tbaukhage: Vorausschauenderweise hatten wir vor fünf Jahren, als die Mittelschule in Oberschule umbenannt wurde, unser altes Schulschild vom Boden geholt, wieder neben der Eingangstüre angebracht und das >Polytechnische< überklebt. Brauchen wir demnächst also nur den Aufkleber wegzumachen!

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  • 10.04.2018
    17:12 Uhr

    vomdorf: Gab?s alles schon mal, nannte sich Polytechnische Oberschule, und musste mit aller Macht kaputtgemacht werden.

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