Chemnitz führt nun Regie über die Landesbehörde

Standorte Dresden und Leipzig sind nur noch Außenstellen - Jeder dritte Job fällt weg

Chemnitz. Dietrich Gökelmann war seit Juni 2011 in Sachsen gut auf Achse. Gut 30.000 Kilometer hat er seit seinem Amtsantritt als Chef der Landesdirektion Chemnitz im Freistaat zurückgelegt, um mit Rathauschefs und Landräten zu sprechen und die Regionen kennenzulernen. Und er hat mehr als 1500 Mitarbeiter der drei Landesdirektionen auf die Formel "Aus drei mach eins" eingeschworen. Heute kann Gökelmann bilanzieren, dass die Fusion der Standorte "organisatorisch erfolgreich umgesetzt ist". Von nun an ist er Präsident der neuen Landesdirektion Sachsen mit Sitz in Chemnitz und Dependancen in Dresden und Leipzig. "Ab sofort gibt es keine Direktionsbezirke mehr", sagt er, "alle Briefköpfe, Stempel und der Internetauftritt sind neu."

Die Äußerlichkeiten der Umstellung können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Behörde längst nicht in ruhigem Fahrwasser manövriert. Mit dem formalen Namensakt ist nur die erste Weiche gestellt. Unter Gökelmanns Regie muss ein Drittel aller Jobs abgebaut werden. In Chemnitz sollen zudem sieben Behördenstandorte unter ein Dach ziehen. Ein Großumzug, dessen Planung im Anfangsstadium ist und über den derzeit keiner sagen kann, wann er stattfindet. Gökelmann bleibt nur der Wunsch: "So schnell wie möglich." Sicher ist, dass er den Ende 2012 auslaufenden Mietvertrag für seinen Präsidialsitz verlängern muss.

Offen ist hingegen, welche finanziellen Einsparungen Gökelmann in den nächsten Jahren im Auftrag von Sachsens Regierung - der Umbau der Landesdirektion ist Teil der Staatsmodernisierung - erzielen will oder muss. Übers Geld werde nicht geredet. Offenbar will sich auch das Innenministerium überraschen lassen. Auf Anfrage der "Freien Presse" antwortet ein Sprecher: "Eine genaue monetäre Bezifferung der Synergieeffekte ist erst im Rahmen der Umsetzung möglich."

Gökelmann spricht in dem Zusammenhang auch von nötiger Aufgabenkritik in den Abteilungen der Behörde, was bedeutet, dass alle Tätigkeiten auf ihre Effizienz und Notwendigkeit überprüft werden. Nicht mehr und nicht weniger. Über die mittelfristige Stellenplanung für die einzelnen Direktionsstandorte ist noch nichts zu erfahren, weil diese sich erst im Laufe der Entwicklung ergeben werde. Ein Mitarbeiter des Dresdner Innenressorts, der nicht genannt werden will, korrigiert dies vorsichtig: "Es gibt ganz konkrete Zahlen und Pläne, die die Mitarbeiter aber nicht aus der "Zeitung erfahren sollen." Eine interessante Personalie ist dennoch durchgesickert: Die Abteilung 2 "Inneres, Soziales, Gesundheit", die die Kommunalaufsicht als eine der Kernaufgaben der Behörde wahrnimmt, wird nach Information der "Freien Presse" nicht wie einst geplant vom Hauptsitz in Chemnitz aus geleitet, sondern von Dresden aus. Die Landesdirektion kommentiert dies zurückhaltend: Der Beamte sei mit einer Sonderaufgabe betraut, die "seine Anwesenheit gelegentlich auch in Dresden erforderlich macht." Dies sei aber keine Dauerlösung, heißt es.

Als Herausforderung für Gökelmann dürfte die gesamte Personalentwicklung gelten. Er muss zum einen Personal abbauen, zum anderen aber neue Fachleute gewinnen, denn der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter liegt derzeit bei "knapp unter 50". Wie er sein Team rechtzeitig verjüngen will, ist unklar. Für den gesamten Bereich des Innenressorts, zu dem neben der Landesdirektion etliche weitere Behörden gehörten, war "ab 2013 ein Einstellungskorridor von zehn Stellen - ohne Polizei - vorgesehen", teilt das Ministerium mit.

Markus Schlimbach, stellvertretender DGB-Landesvorsitzender in Sachsen, kritisiert die Hast der Umstrukturierung der Behörden. Die Einspareffekte seien zudem vage. "Uns fehlt eine ehrliche Kostenberechnung", so Schlimbach. Auch der Personalabbau lasse bislang kaum einen Plan erkennen. Schlimbach: "Eine parallele Strategie zur Nachwuchsgewinnung wäre nötig, nicht nur für die Landesdirektion."

 

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