Feuerbakterium im Vogtland entdeckt - Amt zieht Sperrzone

Der gefährliche Pflanzenschädling ist erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Das hat Folgen für die Bewohner in den umliegenden Orten - und zwar fünf Jahre lang.

Dresden/Pausa. Es ist bisher nur wenige Male aufgetreten in Europa und auch wenig erforscht, aber es ist gefährlich für viele Kulturpflanzen: das sogenannte Feuerbakterium. Nun ist der Schädling an einem Oleanderstrauch im vogtländischen Pausa aufgetaucht - zum ersten Mal in Deutschland. Für Menschen und Tiere sei das Bakterium mit dem wissenschaftlichen Namen Xylella fastidiosa ungefährlich, aber es könne eine große Anzahl von Pflanzenarten befallen und für schwere Schäden sorgen, teilte das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) am Mittwoch mit.

Es war ein Zufallsfund, den das Amt Ende April in einem Gartenbaubetrieb in Pausa machte. Bei der Überprüfung ging es eigentlich um Jungpflanzen, die sich die Behörde routinemäßig anschaut. Im Vorbeigehen entdeckte ein LfULG-Mitarbeiter jedoch in einem Gewächshaus jenen Oleander, der mit welken Blättern den Verdacht weckte. Laboruntersuchungen bestätigten diesen schließlich. Ein Kunde hatte die laut Amt drei- bis vierjährige Pflanze zum Überwintern in die Gärtnerei gebracht. Dass sich die Untersuchungen dann über Monate hinzogen, begründet LfULG-Referatsleiter Gunter Schmiedeknecht mit der "ausgesprochen schwierigen Nachweisbarkeit" des Bakteriums. Das Verfahren sei aufwendig und zeitintensiv - weil das Bakterium mit molekularbiologischen Methoden erst zweifelsfrei identifiziert und das Ergebnis dann mit internationalen Datenbanken abgeglichen werden müsse.

Denn die Folgen, die der Fund nach sich zieht, sind nicht ohne. In der Europäischen Union ist das Bakterium, das nicht mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden kann, als Quarantäne-Schädling gelistet. Ein EU-Papier regelt daher, was zu tun ist: Das Grundstück des Besitzers, auf dem der Oleander zuletzt stand, wird zur Befallszone erklärt. Im Umkreis von 100 Metern werden von allen gefährdeten Pflanzenarten wie Süß- und Sauerkirsche, Brombeere, Himbeere, Tomate, Ahorn, Pflaume, Rose oder Brennnessel Proben genommen und untersucht. Zudem müssen alle Oleanderpflanzen vernichtet werden.

Doch das ist noch nicht alles: Um den Bereich herum wird eine zehn Kilometer breite Pufferzone (siehe Grafik) gezogen. Sie soll verhindern, dass das Bakterium verschleppt wird. Mögliche Wirtspflanzen - mehr als 300 sind in der EU bekannt - dürfen weder von der Befalls- in die Pufferzone noch aus letzterer herausgebracht werden. Das für fünf Jahre geltende Verbot treffe Gärtnereien ebenso wie Verbraucher. "Das ist hart", sagte Schmiedeknecht. Es könnten aber Ausnahmen erteilt werden. Wie das Verbot im privaten Bereich kontrolliert werden soll, ist jedoch unklar. Offen ist auch, was es für Gärtnereien bedeutet. "Wir wissen noch nicht, welche Auswirkungen das für uns hat", hieß es im Pausaer Gartenbaubetrieb Zauge. Gärtner Bernd Großer in Schneckengrün gab sich überrascht. Er sei noch nicht informiert worden.

Wie das Bakterium nach Pausa gelangte, ist unbekannt. "Wir können uns das nicht erklären", so Schmiedeknecht. Übertragen wird es durch saugende Insekten wie Zikaden. In Italien, wo 2013 in Apulien Hunderte Olivenbäume der Krankheit zum Opfer fielen, wurde die einheimische Wiesenschaumzikade ermittelt. Mit dem Fund im Vogtland wurden bislang vier Unterarten des Schädlings nachgewiesen.

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