ICE-Anschluss für die Region kommt in frühestens acht Jahren

Die Vorplanungen für den Ausbau der Bahnstrecke von Chemnitz nach Leipzig sind abgeschlossen. Rund 250 Millionen Euro wird das Vorhaben verschlingen.

Dresden/Chemnitz.

Für eine Anbindung von Sachsens drittgrößter Stadt an das ICE/IC-Netz der Bahn liegen nach dem Abschluss der Vorplanung nun die Fakten auf dem Tisch: Rund 250 Millionen Euro sind notwendig, um die knapp 81 Kilometer lange Strecke von Chemnitz nach Leipzig für Fernverkehrszüge tauglich zu machen. Dafür muss die Trasse elektrifiziert und ausgebaut werden. Was an welchen Stellen genau zu tun ist, wurde in den vergangenen Monaten ermittelt.

"Das Ganze hat jetzt Hand und Fuß", fasste Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) gestern gegenüber der "Freien Presse" die Ergebnisse zusammen. Für den Ausbau haben Land und Bahn die Streckenführung über Geithain und Bad Lausick ins Auge gefasst - so wie heute bereits die Regionalexpresszüge fahren. Die Alternativstrecke - sie führt über Borna - wurde laut Morlok verworfen, weil der Abschnitt zwischen Geithain und Borna nur für 120 km/h ausgebaut ist. Die angepeilte Reisezeit von 50 Minuten im Fernverkehr zwischen den zwei Großstädten sei so nicht realisierbar. Auf der Linie über Bad Lausick sind dagegen bereits heute Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h möglich. Ein anderer Grund fußt auf der Überlegung, dass IC- oder ICE-Züge künftig einmal in Leipzig geteilt werden sollen - der eine Zugteil fährt nach Dresden weiter, der andere nach Chemnitz. Auch das wäre bei der Variante Borna nicht möglich gewesen, erläuterte Morlok. Hintergrund: Die Strecke von Borna führt durch den City-Tunnel.

Um ICE- oder IC-Züge nach Chemnitz schicken zu können, müssen nicht nur auf der gesamten Strecke Strommasten gesetzt und Oberleitungen gezogen werden, es sei auch nötig, an mehreren Stellen Änderungen an den Gleisen vorzunehmen, so der Minister. Das bringe aber "richtig was". So ist vorgesehen, zwischen Leipzig-Engelsdorf und Liebertwolkwitz ein zweites Gleis zu verlegen, um Überholmöglichkeiten zu schaffen. Derzeit gibt es diese nur zwischen Geithain und Narsdorf sowie vor Chemnitz - 14,2 Kilometer Strecke sind heute zweigleisig, sieben Kilometer kämen dann noch dazu. An vier Stellen zwischen Geithain und Leipzig sollen zudem die Gleise so umgebaut werden, dass mehr Tempo drin ist. Bei Bad Lausick (Lauterbach-Steinbach) etwa ist eine Streckenverlegung geplant, womit sich die Höchstgeschwindigkeit von 90 auf 150 km/h steigern lässt. Auch müssen Bahnsteige verändert und diverse Brücken und Bahnübergänge neu gebaut werden. Morlok geht davon aus, dass sich das Projekt bestenfalls innerhalb von acht Jahren realisieren lässt.

"Das wäre das Optimum", sagte er. Ihm zufolge sind die Baukosten von 250 Millionen Euro für diesen Zeitraum errechnet. Jedes Jahr, um dass sich der Ausbau verschiebt, würde die Kosten steigen lassen. Damit der Zeitplan eingehalten wird, müsste allerdings das Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren ohne große Verzögerungen über die Bühne gehen. Zudem dürften keine Klagen und Einsprüche das Vorhaben in die Länge ziehen. Weiterer Unsicherheitsfaktor sei der Bund, der als Netzeigentümer das Projekt finanzieren muss. Die reine Bauzeit wird mit 27 Monaten angesetzt. Je zwei Jahre sollen die nächsten Planungsschritte in Anspruch nehmen.

Der Wirtschaftsminister ist überzeugt, dass der nächste Schritt schnell folgen kann. Die Entwurfsplanung - hier werden die betroffenen Flurstücke genau unter die Lupe genommen und Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgeführt - müsse die Bahn aber mitfinanzieren, da sie auch ein hohes Eigeninteresse an der Realisierung habe, so Morlok. Die Kosten für den Schritt belaufen sich auf zehn Millionen Euro. Die 2,4 Millionen Euro teuren Vorplanungen hatte der Freistaat allein finanziert. "Wir müssen jetzt zügig in Verhandlungen eintreten, dann sollte sich eine Vereinbarung innerhalb eines Vierteljahres erzielen lassen", betonte der Minister. Der Freistaat jedenfalls sei handlungsfähig. Im Haushaltsplan für 2015/16 seien Gelder dafür vorgesehen.

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1Kommentare
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    0
    Suedbahnhof
    19.08.2014

    Erstaunlich, was ploetzlich wie selbstverstaendlich funktioniert. Unter Milbradt/Biedenkopf/Schommer undenkbar.



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