Im Freistaat stehen derzeit 10.300 Kleingärten leer

Gartenfreunde kämpfen gegen Leerstand von Parzellen - In Städten ist das oft einfacher als in ländlichen Regionen

Chemnitz/Dresden. Vor allem aus Altersgründen werden im Freistaat immer mehr Kleingärten aufgegeben. "Wir haben die Entwicklung des Leerstandes innerhalb von drei Jahren dokumentiert. Bei der jüngsten Auswertung wurden rund 10.300 Gärten von insgesamt etwa 200.000 nicht mehr bewirtschaftet", sagt Peter Paschke, Präsident des Landesverbandes der Kleingärtner. Dabei beobachten die Kleingärtner große Unterschiede zwischen Städten und Ballungsgebieten auf der einen und dem ländlichen Raum auf der anderen Seite. In Städten wie Chemnitz etwa sind die Anlagen noch ziemlich gut belegt. In Döbeln dagegen stehen fast 30 Prozent der Parzellen leer. Im Kreisverband Aue/Stollberg werden 700 von 6904 Parzellen nicht bewirtschaftet.

Bisher, so Paschke, mussten noch keine Anlagen "rückgebaut" werden. Teilweise allerdings haben die Gärtner mit den Kommunen verhandelt, Land zurückzugeben. Aus einigen Parzellen seien Grünflächen geworden. Die Angst vor der generellen Umwandlung der Gärten in Bauland sei dagegen unbegründet. "98 Prozent der Anlagen sind in den Flächennutzungsplänen der Orte als Dauerkleingarten-Anlagen festgeschrieben", so der Verbandspräsident. Das schließe jedoch nicht aus, dass aufgrund anstehender Bauarbeiten, wie etwa dem Straßenbau - auch einmal Gärten weichen müssten. "Dafür gibt es dann aber eine Entschädigung", sagt Paschke.

Sachsens Gartenfreunde gehen mit zahlreichen Initiativen gegen den Leerstand vor. Sie wollen Familien mit Kindern in die Anlagen locken. Denn gegenwärtig liegt das Durchschnittsalter der Laubenpieper bei über 60 Jahren. "Am besten fruchtet der Kampf gegen den Leerstand dort, wo unsere Vereine mit Projekten arbeiten, die besonders auf die Umwelterziehung von Kindern und Jugendlichen zielen", meint Peter Paschke. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 1519 solcher und ähnlicher Projekte im Landesverband. Dabei geht es unter anderem auch um Begegnungsgärten, grüne Klassenzimmer, Kindergarten-Gärten, Seniorengärten, Anlagen für Behinderte und nicht zuletzt um die sogenannten Tafel-Gärten, in denen Obst und Gemüse für die Bedürftigen-Einrichtungen angebaut wird. 

 


Kleingärten in Deutschland

Der Verband Sachsen der Kleingärtner zählt nahezu 4000 Kleingärtnervereine mit mehr als 220.000 Mitgliedern, die in 37 regionalen Verbänden vereint sind. Es werden rund 9000 Hektar bewirtschaftet.

Am 1. April 1983 trat in den alten Bundesländern das Bundeskleingartengesetz in Kraft. Kleingärten gab es zu der Zeit schon seit 150 Jahren in ganz Deutschland. Und auch ein Kleingartenrecht gab es. Es beruhte auf früherem Reichsrecht und zahlreichen landesrechtlichen Vorschriften. Das heutige Gesetz sichert die Säulen des Kleingartenwesens wie die Pachtpreisbindung und den besonderen Kündigungsschutz.

"Gärten im Städtebau" heißt in diesem Jahr der bundesweite Wettbewerb, an dem auch der Landesverband Sachsen teilnimmt. (rf)

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6Kommentare
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    09.04.2013

    @rotblitzer: Natürlich sind Koniferen- Neupflanzungen im Kleingarten: VERBOTEN!
    Wie so vieles. Wildblumenwiesen zm Beispiel. Die wären ein großer Gewinn für Schmetterlinge und würden mir sehr gut gefallen. Ein Kleingärtner hat vor ein paar Jahren sein Recht auf einen Holunderstrauch einklagen müssen...
    Und das Theater mit dem anfallenden Baumschnitt. Trocknen und ein Kartoffelfeuer machen wäre schön, ist aber verboten. Nein, man muss das Gestrüpp kilometerweit zum Wertstoffhof schleppen. Und zwar in den vorgeschriebenen Säcken, die man auch noch bezahlen muss.
    Das Kleingartenwesen ist völlig verkrustet von Vorschriften, die den Spaß an kreativer Gartengestaltung nehmen.
    Es ist auch nicht ratsam, sich in der Mittagszeit mit Kindern im Kleingarten aufzuhalten. Da wird jegliche Lebensäußerung als skandalöse Ruhestörung gesehen.
    Die Notwendigkeit von Subotniks sehe ich ein. Aber muss das immer am Wochenende sein, da hab ich anderes vor oder will mal ausschlafen. Kann man nicht in regelmäßigen Sitzungen die Aufgaben verteilen, und ich erledige sie mal nach Feierabend in der Woche?
    Trotzdem mag ich meinen Garten - mit schönen, alten Obstbäumen, die alle Jahre reichlich tragen, lecker Gemüse und Kräutern, alles bio. Mit Platz zum Träumen und Grillen.

  • 4
    0
    08.04.2013

    Habe selbst die Erfahrung machen müssen, dass ich vom Vorstand einen Brief bekam, in dem wörtlich stand: "Die Bewirtschaftung Ihrer Parzelle entspricht nicht den Vorstellungen des Vorstandes." Habe mich anschliessend aber tierisch gefreut, dass nach ein paar Jahren unter dem Garten, wo einst grosse Obstbäume standen, welche durch den Nachpächter rigoros mit der Kettensäge entfernt wurden, sich doch plötzlich ein einige Quadratmeter grosses Loch auf tat. Ja, da hatte der Altbergbau sogar noch den von Obstbäumen befreiten Rasen mit in die Tiefe genommen. Welche Ironie des Schicksals. Ich wünsche allen zukünftigen Kleingärtnern einen ganz "GRÜNEN DAUMEN". Lasst euch von alten und verkrusteten Vorständen keine Vorschriften in Bezug der Gestaltung Eures Gartens machen. Aber macht Eines bitte nicht: pflanzt bitte KEINE KONIFEREN. Die sind Gift im Kleingarten! Die sehen zwar schön aus, aber schaden dem Garten viel mehr, als dass sie ihm nützen. An einem Apfel- oder Kirschbaum hat man bestimmt mehr Freude, als an einer langweiligen Fichte oder einem so genannten Lebensbaum. Der Gemeinschaftssinn in einer Kleingartenanlage entsteht ja nicht durch den Austausch von verschiedenen Tannenzapfen, sondern durch den Austausch von verschiedenen Obstsorten, die man selbst erzeugt hat. Traut Euch, Ihr jungen Leute! Es macht bestimmt Spass, wenn Ihr die eigenen Früchte erntet.

  • 5
    0
    08.04.2013

    Auch junge Leute sind bereit, etwas für eine Gemeinschaft zu tun.
    Aber es ist die Kombination aus EU-Vorgaben, strengen Satzungen und Freizeit-Blockwarts über 70, die den Gärtnern die Freude an der kleinen Scholle gründlich verhageln.
    Hinzu kommt, daß man im Kleingarten rund um die Uhr unter Beobachtung von allen Seiten steht. Jeder hört jedes Wort, es gibt keine Privatsphäre.
    Das liegt nicht jedem...

  • 0
    4
    ZwenAusZwota
    08.04.2013

    neee, an der Satzung liegts nicht.... Aber wer, außer Rentnern, hat schon Lust, sonntags früh um sieben zum Subottnik anzutreten?

  • 2
    0
    ankatus
    08.04.2013

    Nicht das Alter und auch nicht allein die Satzungen sind schuld, die EU Vorschriften sind es, denn die können die meisten finanziell nicht durch stehen.

  • 6
    0
    vogtvon
    08.04.2013

    Solange dies strengen Satzungen der Kleingartenvereine in Kraft sind, werden wohl auch immer weniger dazu bereit sein einen Kleingarten sich anzuschaffen



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