Imam im «Moschee-Bomber»-Prozess: Kinder hatten Todesangst

Sprengstoffanschläge auf eine Moschee und das Kongresszentrum in Dresden sorgen kurz vor der zentralen Feier zur Deutschen Einheit 2016 für Aufregung. Seit Januar seht der mutmaßliche Bombenleger vor Gericht. Nun haben die Opfer das Wort.

Dresden (dpa/sn) - Eineinhalb Monate nach Beginn des Prozesses gegen den sogenannten Moschee-Bomber von Dresden haben am Dienstag erstmals die Opfer ausgesagt. Der 47-jährige Imam schilderte vor dem Dresdner Landgericht, dass er im September 2016 gerade im Büro seiner Moschee in Dresden-Cotta saß, als es einen «Riesenknall» gegeben habe. «Mir wurde schlecht und schwarz vor Augen.» Seine beiden damals sechs und zehn Jahre alten Söhne hätten Todesangst gehabt und geschrien: «Die wollen uns alle ermorden!» Die Haustür seiner Wohnung, die sich ebenfalls in der Moschee befindet, sei nach innen aus den Angeln gerissen worden und es habe gebrannt.

Der Prozess läuft seit Ende Januar vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft geht von fremdenfeindlichen Motiven aus und wirft dem angeklagten 31 Jahre alten Lüftungsmonteur unter anderem versuchten Mord und das Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen vor. Kurz nach dem Anschlag auf die Moschee zündete er einen weiteren selbstgebastelten Brand-Sprengsatz auf der Dachterrasse des Kongresszentrums.

Er sei zunächst verzweifelt gewesen und habe nicht gewusst, was er tun solle, sagte der türkische Geistliche. Die Flammen seien so hoch wie die Gebäude gewesen. Nachbarn seien zur Hilfe geeilt, um sie zu löschen. Noch immer könne er die Tat nicht verstehen. «Wir haben den Menschen doch nichts getan.» Seit dem Anschlag seien er, seine Frau und die Söhne in psychologischer Behandlung - «jede Woche».

Auch seine Frau berichtete, wie sehr erschrocken sie gewesen sei. «Das kann ich nie in meinem Leben vergessen», sagte die 38-Jährige. Wie lange die psychologische Behandlung der Familie andauert, könne sie nicht sagen. Auch ein stationärer Aufenthalt sei im Gespräch. Die Familie hatte Dresden nach dem Anschlag verlassen und lebt an einem unbekannten Ort.

Der Angeklagte, der zuvor als Redner bei dem islam- und fremdenfeindlichen Pegida aufgetreten war, hat die Taten eingeräumt, bestreitet jedoch eine Tötungsabsicht. Die Anschläge hatten seinerzeit, kurz vor der zentralen Feier zur Deutschen Einheit in Dresden, bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Zunächst nur bis Anfang April terminiert, wird der Prozess nun wohl länger dauern. Die Verteidigung beantragte die Hinzuziehung eines Sprengsachverständigen. Sie hat Zweifel an der Herkunft eines Bombensplitters.

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