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Seit Jahren ein Ärgernis: der fehlende Fahrdraht auf der Strecke Chemnitz-Leipzig.

Foto: Jan Woitas/dpa

Mehr als jede zweite Bahnstrecke in Sachsen ist ohne Stromleitung

Der Freistaat kommt in einer Analyse des Vereins Allianz pro Schiene zum Stand der Elektrifizierung nicht gut weg - wie andere Bundesländer auch. Das Verkehrsministerium sieht aber nur Handlungsbedarf auf drei Strecken.

Von Jan-Dirk Franke
erschienen am 12.11.2017

Dresden/Berlin. Nicht überall steht das Schienennetz in Deutschland unter Spannung, im Gegenteil. Eine Auswertung amtlicher Daten durch das Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene zum Elektrifizierungsgrad zeigt, dass die Bundesrepublik im europäischen Vergleich und auf Bundesländerebene vielmehr "großen Nachholbedarf" hat.

Deutschland liegt demnach mit 60 Prozent elektrifizierter Strecken in Europa nur an neunter Stelle. An der Spitze steht die Schweiz, die ihr Schienennetz vollständig unter Strom gebracht hat, gefolgt von Belgien (86 Prozent) und den Niederlanden (76). Große Unterschiede gibt es innerhalb der Bundesrepublik. Während in Stadtstaaten wie Bremen (96), Hamburg (90) und Berlin (84) die meisten Strecken unter Strom stehen, sieht es in den großen Flächenländern wesentlich schlechter aus. Hessen kommt immerhin noch auf 67 Prozent, Bayern nur noch auf 49 Prozent. Sachsen rangiert mit einem 41-Prozent-Anteil elektrifizierter Gleise an drittletzter Stelle - vor Thüringen und Schleswig Holstein. Von 2538 Kilometern Strecke sind im Freistaat nur 1052 mit Fahrdraht ausgestattet.

Deutlich wurden diese Lücken im bundesdeutschen Bahnnetz, als nach einem Tunneleinbruch bei Bauarbeiten die sogenannte Rheintalstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden sieben Wochen lang gesperrt werden musste. Fehlende Ausweichmöglichkeiten führten zu massiven Störungen im Personen- und vor allem im internationalen Güterverkehr. "Ausweichstrecken konnten nur mit Mühe identifiziert werden, da große Abschnitte nicht elektrifiziert sind oder nur ein Gleis zur Verfügung steht", heißt es in einem Beschluss, in dem Verkehrsminister der Länder bereits im Oktober Konsequenzen aus dem Vorfall fordern. Aus Sicht der Länder muss der Bund ein zusätzliches Infrastrukturprogramm auflegen. Sie fordern ein fünf Milliarden Euro schweres Förderprogramm für die Elektrifizierung mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Jährlich solle der Bund also 500 Millionen Euro investieren.

Ein Beschluss, den Allianz-pro-Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege nur unterstreichen kann: Die Länder hätten die Elektrifizierungslücken im Bundesschienennetz identifiziert und spätestens seit Rastatt sei der Bund in der Bringschuld, so Flege. "Mit diesem Sondertopf lässt sich die Elektrifizierung des Schienennetzes bis 2025 um zehn Prozentpunkte von jetzt 60 auf 70 Prozent erhöhen." Sieben von dem Verkehrsbündnis befragte Länderressortchefs äußerten sich ähnlich.

Bernd Buchholz (FDP), Verkehrsminister in Schleswig-Holstein, verweist etwa auf die immer noch mit Dieselloks befahrene Strecke von Itzehoe nach Westerland. Das Land hatte die Linie für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Doch die "standardisierten Berechnungen" des Bundes zum Kosten-Nutzen-Verhältnis hätten dazu geführt, dass das Projekt nicht in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wurde. Qualitative Argumente hätten keine Rolle gespielt. "Hinzu kommt, dass ausgerechnet in Schleswig-Holstein Diesel verbrannt wird und nebenan die Windmühlen heruntergeregelt werden, weil der Strom in den Netzen nicht gebraucht wird", moniert Buchholz.

Auch für Thüringens Ressortchefin Birgit Keller (Linke) ist der "Nachholbedarf für unser Land" unstrittig. "Wir brauchen eine bundesweite Pro-Schiene-Initiative. Bei einem Sonderprogramm Elektrifizierung wäre Thüringen mit wichtigen Strecken dabei", sagt sie und nennt als Beispiel unter anderem die Strecke Leipzig-Hof über Gera.

Und Sachsen? Man unterstütze das Anliegen der Verkehrsministerministerkonferenz, Engpässe und Lücken im Netz zu beseitigen, teilt das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) auf Anfrage mit. Auf dessen Liste stehen die drei bekannten Strecken, die bereits für den Bundesverkehrswegeplan stehen, bislang aber vom Bund noch nicht bestätigt wurden: Chemnitz-Leipzig, Dresden-Görlitz und Görlitz-Cottbus. Bis Jahresende sollen hier die Ergebnisse vorliegen.

Werden die drei Bahnlinien unter Strom gesetzt, würde der Elektrifizierungsgrad in Sachsen auf rund 52 Prozent steigen. Die 70-Prozent-Marke würde damit freilich immer noch verfehlt. Doch im SMWA sieht man keine Notwendigkeit für weitere Elektrifizierungen. Das liege auch daran, dass die Hauptachsen Dresden-Berlin, Dresden-Leipzig sowie Dresden-Hof in den letzten Jahren "konsequent ausgebaut werden konnten", teilte das Ministerium mit. Damit seien ausreichend Ausweichstrecken vorhanden. Zudem gebe es eine Vielzahl von Stichstrecken wie etwa im Erzgebirge, die sich aber aus Kostengründen nur schwer unter Strom bringen ließen.

 
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Kommentare
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  • 14.11.2017
    18:31 Uhr

    Zeitungss: @Freigeist 14: Ich würde sagen, ich habe Ihre Meiung in meinem Beitrag einigermaßen zum Ausdruck gebracht. Ich habe diese Sendung recht aufmerksam verfolgt und kann Ihren Beitrag nur unterstützen. Lobbyisten regieren Deuschland, auch wenn man es nicht warhaben will was dabei herauskommt, kann man sehen oder auch nicht. Wenn es ums Auto geht , ist der Michel unberechrnbar, was die Einspieler zu Thema SUV hinreichend bewiesen haben. Ich komme noch einmal auf die gestrige Besetzung, bis auf einen Kabarettisten war es Autolobby und die Frau Staatsrekretärin wird für ihre Meinung fürstlich alimentiert.
    Ich denke, wir haben uns in diesem Punkt verstanden.

    0 1
     
  • 14.11.2017
    16:31 Uhr

    Freigeist14: Zeitungss@,ich habe ausgeschalten. Was eine Großstädterin,die sich über SUV´s definiert in der Sendung sollte wird wohl das Geheimnis der "Hart aber fair"-Redaktion bleiben.
    Der Skandal ist ja ,das die Bahn zu 100% dem Staat gehört und es hingenommen wird,wie dieses einst stolze Unternehmen seiner Pflicht der Grundversorgung nicht nachkommen will und leiber im Ausland als Global Player mitspielen will.
    Hat Merkel schon mal ein Wort über die (wichtige) Bahn und auch ihre Verantwortung über die Beschäftigten verloren ?
    Da hat tatsächlich kein Lobbyist eine Rede vorbereitet.

    0 2
     
  • 14.11.2017
    12:28 Uhr

    Zeitungss: @Freigeist14: Was nicht auszuhalten ist, kann man abschalten, Punkt eins. 2. Es war im Autoland nicht wirklich anders zu erwarten. Wissmann mit seinem Gelaber hat mich zumindest nicht enttäuscht. Er spricht vermutlich schon seine Frau mit Auto an, denn als Cheflobbyist bringt er 150% Einsatz. Wirklich Brauchbares war allerdings Fehlanzeige, was die Zukunft und auch die Entschädigung der Geprellten in D. betrifft und es war auch nicht zu erwarten. Umsatz mit veralteter Technik (Neues wurde verschlafen) ist der wichtigste Punkt, begründet mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen. Bis auf W. Schneyder waren eigentlich NUR Lobbyisten am Tisch, was bei der Auswahl schon bemerkenswert war und man es durchaus als armselig bezeichnen kann.
    Die Bahn hat keine Lobbyisten und der dafür vorgesehene Pofalla, nun ja, lassen wir das. Die Bahn in ihrem bisherigen Handeln ist ein Paradebeispiel dafür, wie man eine komplette Sparte mit Hilfe der Politik voll gegen die Wand fahren kann und was noch schlimmer ist, 80 Mio Eigentümer schauen tatenlos zu und jammern, wenn die Autobahn verstopft ist. Zusammenhänge "möchte" natürlich niemand erkennen.
    Die Deutsche Reichsbahn hat einmal die Reparationsleistungen nach dem 1. Weltkieg erwirtschaftet, heute als Dutsche Bahn ist sie ein schwerkranker Versorgungsfall und Versuchsanstalt für Wirtschaftsstrategen der Neuzeit. Wer hier wirklich noch etwas erwartet, nun ja, ........ .

    0 1
     
  • 13.11.2017
    21:19 Uhr

    Freigeist14: Zeitungss@, die Sendung ist jetzt schon kaum auszuhalten. Der Plasberg ist sich nicht zu schade,die nachweisbaren Fakten von der Lobbyarbeit gegen die Bahn als Verschwörungstheorie abzuqualifizieren. Armselig.

    3 1
     
  • 13.11.2017
    18:40 Uhr

    Zeitungss: Unter den jetzigen Bedigungen wird eher die Autobahn elektrifizeiert, Siemens arbeitet am Projekt. Um die bisher mit Fahrdraht schon ausgerüsteten Strecken nicht ganz verpuffen zu lassen, könnten sie Radwege werden und die vorhandene Anlage wenigstens zur Befestigung von grünen Wimpeln dienen, schon wegen der besserern Orientierung.
    Wissmannn CDU (VDI) wird heute 21.00 Uhr ARD in Hart aber fair die Richtung vorgeben. Wetten dass????

    0 8
     
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