Plauen: DDR-Mosaik sorgt für Wirbel

Grundschule Reusa präsentiert sich nach Sanierung nicht ganz wie neu

Plauen.

Plauen. Die Knirpse in der Grundschule Reusa flitzen einfach dran vorbei. Die Erst- bis Viertklässler lachen, sie plaudern - auf das überdimensionale Wandbild aber schauen sie in der Regel nicht.

Dabei sorgt das Mosaik im Eingangsbereich der frisch sanierten Bildungsstätte neuerdings für Naserümpfen: "Ich weiß nicht, ob es dem Erziehungsauftrag gut tut, ein solches Mosaik im Umfeld einer Schule unkommentiert zu zeigen", kritisiert Lutz Kowalzick, stellvertretender Vorsitzender der Plauener CDU-Stadtratsfraktion.

Das Bild zeigt unter anderem Jungpioniere, Hammer und Sichel, Friedenstauben, einen Kosmonauten und Arbeiter am Hochofen - ohne Erläuterung der Symbolik. Kowalzick sah sich deshalb jetzt dazu veranlasst, eine Anfrage an Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) zu richten. Darin will der CDU-Stadtrat unter anderem wissen: "Ist der OB/die Stadtverwaltung der Auffassung, dass es dem Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung hin dienlich ist, Symbole totalitärer Organisationen und Staaten unkommentiert zur Schau zu stellen?"

Ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten war das XXL-Mosaik vor wenigen Tagen bei einem Vor-Ort-Termin des Plauener Kulturausschusses, der sich über die frisch sanierte Reusaer Grundschule informieren wollte. Dabei führte Schulleiterin Brigitte Schmutzler auch an dem Wandbild vorbei. Es stammt aus dem Jahr 1965. Geschaffen haben es die renommierten Plauener Künstler Rolf Andiel und Lothar Rentsch mit Mini-Kacheln, die in Meißen gebrannt wurden.

Dass es plötzlich eine große Aufregung wegen des Bildes gibt, kann die Schulleiterin kaum verstehen: "Es ist halt aus der damaligen Zeit. Trotzdem ist es ein Kunstwerk." Lutz Kowalzick indes sieht das ganz anders. "Um einen Dialog zu konstruieren, müsste man eigentlich gegenüber des Mosaiks ein Bild mit dem Schießbefehl an der Mauer aufhängen", spitzte er am Montag zu - angemessen sei dies angesichts der sehr jungen Schüler allerdings kaum.

Bleibt also die Frage: Hätte das Bild im Zuge der Sanierung abgenommen werden sollen? Wie Sanierungs-Projektleiterin Angelika Langhof von der Gebäude- und Anlagenverwaltung am Montag erklärte, genieße das Mosaik Denkmalschutz. Dies habe das Landesamt für Denkmalpflege im Jahr 2008 in einem Schreiben bestätigt. Während der Bauarbeiten sei das Mosaik abgeklebt und später gereinigt worden - es abzunehmen, habe nicht zur Debatte gestanden. Zum Glück, findet Schulleiterin Brigitte Schmutzler. "Ich bin seit 1967 an dieser Schule. Es hat sich seitdem noch nie jemand an dem Bild gestoßen."

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1Kommentare
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    gelöschter Nutzer
    15.03.2011

    Als CDU-Mann sollte Herr Kowalzik mal schön den Ball flach halten, wenn es um "Symbole totalitärer Organisationen und Staaten" geht. Er braucht nur in Plauens Nachbarstadt Hof zu fahren, um dort eine Kaserne mit dem Namen "General Hüttner" zu finden. General Hüttner war ein strammer Nazi, Faschist und Kriegsverbrecher, der Adolf Hitler verehrte und Lobeshymnen auf ihn ausbrachte. Vielleicht müßte man daneben eine Tafel mit den Verbrechen der faschistischen Wehrmacht aufhängen, wo auch mit draufsteht, was CDU/CSU bewogen hat, viele Kasernen nach Generälen und Generalfeldmarschällen des faschistischen Hitler-Regimes zu benennen.



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