Protest gegen Überfremdung: Hunderte demonstrieren in Schneeberg (Update)

Schneeberg. In Schneeberg sind am Samstagabend laut Veranstalter rund 800 Menschen unter dem Motto "Haamitland wach auf!" auf die Straße gegangen, um - wie auf der Facebookseite der Organisatoren zu lesen war - "für den Erhalt von Heimat und Tradition" zu demonstrieren. Die Polizei geht von 600 Teilnehmern aus. Zu dem Protest aufgerufen hatte das rechtsgerichtete Bündnis Freigeist unter Federführung des NPD-Mannes Stefan Hartung.

Unter den Demonstranten befanden sich auch angereiste Teilnehmer unter anderem aus Bayern. Den Angaben zufolge verliefen die Kundgebungen an der Seminarstraße nahe dem Penny-Markt und der Protestzug durch die Schneeberger Siedlung weitgehend ruhig. Laut Polizei wurde eine Anzeige wegen des Zeigens des Hitlergrußes aufgenommen. Rund 180 Polizisten waren im Einsatz.

Den ursprünglichen Plan, den Protestzug nahe dem Markt zu starten, mussten die Organisatoren verwerfen. Bürgermeister Frieder Stimpel (CDU) hatte sich vorab dagegen ausgesprochen, weil er sich um die Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt sorgte, der am Samstagnachmittag eröffnet wurde.

Nach jüngsten verfügbaren Jahresbilanzen des Statistischen Landesamtes lag der Ausländeranteil in Sachsen 2013 bei im Schnitt 2,4 Prozent. Mit unter einem Prozent zählte der Erzgebirgskreis im Vergleich der Landkreise bisher am wenigsten ausländische Mitbürger. Trotzdem hatte Hartung bereits im Vorjahr im Zuge der Einquartierung von Asylbewerbern in die frühere Bundeswehrkaserne im Schneeberger Ortsteil Neustädtel Unwissenheit genutzt und Ängste geschürt. Als Bürgerinitiative "Schneeberg wehrt sich" veranstaltete man an die Symbolik der Nazi-Zeit erinnernde Fackelmärsche. Für die in Anlehnung ans örtliche "Lichtelfest" als "Lichtelläufe" verniedlichten Umzüge mobilisierte die Initiative bis zu 2000 Demonstranten. Neben augenscheinlich rechtsgerichteten Kameradschaften waren auch normal gekleidete Familien im Tross.

An diesem Wochenende verzichteten die Organisatoren auf Fackeln. Statt "Schneeberg wehrt sich" gab sich die Initiative jetzt den weiter gefassten Namen "Freigeist". Eine freie Rede der Teilnehmer während des Demonstrationsumzugs durch die Schneeberger Neubausiedlung suchte Hartung indes mit der Empfehlung zu unterbinden, auf keinerlei Fragen von Journalisten zu antworten. Statt dessen kam es während des Marsches zu Sprechchören mit dem Slogan "Auf die Fresse der Lügenpresse".

In ihrer Abschlusskundgebung malten Redner an einem angeblich "offenen Mikrofon" die Vision einer drohenden Islamisierung an die Wand. Im sozialen Netzwerk Facebook hatte die Initiative zuvor bereits die Stimmung für solche Bedrohungsszenarien angeheizt. Unter anderem mit einer Foto-Montage, die die örtliche St.-Wolfgangs-Kirche als Moschee mit Minarett darstellte. Nach "Freie Presse" vorliegenden Informationen gibt es bisher keine Anträge auf eine konfessionelle Umwandlung des Gotteshauses. (eu/fp)

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12Kommentare
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    0
    mattgue
    03.12.2014

    Mir kommt das so vor, das die, die die Märsche in die rechte Ecke schieben schon zur Wendezeit hinterm Ofen saßen und erst als alles vorbei war rauskamen und dann die Fahne in den Wind gehängt haben.
    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!

  • 2
    0
    mattgue
    03.12.2014

    Ich lese hier immer Nazis, also sind hier alle die da auvf die Straße gehen, vom Kleinkind bis zur Oma, Nazis?
    Wo bleibt aber euer Aufschrei wenn die wirklichen ukrainischen Nazis, die das auch zur Schau stellen, ihre eigenen Landsleute abschlachten? Das sind dann wohl die guten Nazis?

  • 6
    6
    olib
    01.12.2014

    Ja, Bundesverdienstkreuz, gegenüber dem jämmerlichen NPD-Pack und seinem Gefolge fehlt mir jegliche Toleranz. Wer dort mit auftaucht, weiß was Sache ist.

  • 4
    8
    Hübnererich
    30.11.2014

    Ich habe das komische Gefühl, dass unter den normal gekleideten Familien sich auch Bürger befinden, die normale Anschauungen und normale Ängste besitzen. Im übrigen erinnert dieser Artikel doch erstaunlich den Berichten in der FP zu den Demonstrationen im letzten Herbst der DDR.

  • 3
    1
    sportromel0815
    30.11.2014

    @ Erzgebirger: Ja, aber wo sollen die ganzen Deutschen hin, die Deinen Moralvorstellungen nicht genügen.

  • 3
    2
    Bundesverdienstkreuz
    30.11.2014

    @olib, an Ihnen ist die Themenwoche "Toleranz" aber auch spurlos vorübergegangen!

  • 13
    12
    olib
    30.11.2014

    Diese Leute sind nicht das Erzgebirge und es tut mir weh, dass sie sich mit unserer Tradition schmücken. An Weihnachten ist es hier Brauch, ein zusätzliches Gedeck für einen fremden Gast auf den Tisch zu stellen. Es gibt auch viele Erzgebirger, die in diesem Sinne handeln. Was man hier auf der Straße sieht, ist der unterste Rand der Gesellschaft. Von erzgebirgischer Tradition kein Spur. Sie haben wahrscheinlich nur Angst, dass die "Fremden" ihre Hartz-Bezüge für Alkohol und Zigaretten gefährden. "Arme" Leute, die nichts geschaffen haben, worauf sie stolz sein könnten. Deshalb können sie nur auf ihre Nation stolz sein. Die ist aber längst multikulturell...

  • 10
    12
    gelöschter Nutzer
    30.11.2014

    @saftpresse: Wie wahr. Mich erinnern die Lichtelläufe auch immer eher an die Ku Klux Klan Umzüger der 1960er Jahre in den USA als an erzgebirgische Weihnacht. und zur NPD: ganz offensichtlich versucht man hier nach den Wahlschlappen der letzten Zeit neue Wege der Einflussnahme zu finden. Und erfolgreich. Komischerweise immer mit den selben Themen. Noch nie habe ich es erlebt, dass sich eine NPD für einen Mindestlohn so engagiert hätte, oder für eine Bankenbeschränkung, oder eine gerechtere Besteuerung. Komisch, warum nur?

  • 3
    5
    PeKa
    30.11.2014

    Hier ist die Position der evangelischen Kirche
    www.kirche-fuer-demokratie.de/cms/website.php?id=/de/aktionen/pegida.htm

  • 15
    15
    gelöschter Nutzer
    30.11.2014

    Wieder ein Zug verängstigter Irrlichter. Zugführer wie immer die NPD. So wird die Hassideologie der Nazis in die Mitte der Gesellschafft tranportiert und die Demokratie schaut hilflos zu. Solange Politiker sich nicht deutlicher Positionieren und die Gefahren dieser rechtsnationalen Entwicklung aufzeigen, werden diese Parolenschreier immer mehr Zulauf erhalten. Die größere Gefahr ist nicht die "Überfremdung" sondern die Demagogisierung der Massen. Vom Lichtelauf bis zum SA Fackellauf kann der Weg ein sehr kurzer sein.

  • 11
    7
    30.11.2014

    Bitte einfach mal die Reden der Freigeister im Netz nach lesen und sich selbst ein Bild machen. Hier wollen Menschen einfach keine Zustände wie in den westl. Großstädten. Was ist daran schlecht.Schaut Euch mal am Abend die Straßen und Wege Richtung Kaserne in Schneeberg an-überall Dreck und Flaschen (mit Pfand) einfach nur noch traurig. Übrigens war die Veranstalltung nicht weitgehend friedlich, sondern sie war friedlich, da keine sogenannten Antifaschisten anwesend waren!

  • 6
    9
    Freigeist14
    29.11.2014

    Ich bin erschüttert,wie hier mit meinem Pseudonym Schindluder getrieben wird.Im Weihnachtsland mit dem Haamit-Gedöns hätte ein Josef und eine Maria(schwanger)wohl schlechte Karten.



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