SEK-Logo wirft viele Fragen auf

Ein Zeichen mit angeblicher Nazi-Anmutung bringt dem Freistaat Sachsen Kritik im Netz ein. Das Innenministerium greift zu Notlügen.

Dresden/Düsseldorf.

Der 17-Tonnen-Koloss auf vier Rädern soll seine Insassen vor panzerbrechender Munition schützen und vor Explosionen. Deswegen heißt das Gefährt, von dem der Freistaat in der Vorwoche das erste zweier Exemplare in Dienst stellte, "Survivor", zu deutsch "Überlebender". Die erste, zunächst unbemerkte "Bombe", so scheint es, tickte indes im Inneren des Fahrzeugs - auf den Lehnen der Sitze. "Spezialeinsatzkommando Sachsen" steht dort. Zwischen den in gebrochener, altdeutscher Schrift gestalteten Wörtern ein Logo: das Sachsenwappen, gerahmt von Leipziger Löwen im Lorbeerkranz. Links und rechts ragen zwei Schwingen heraus, horizontal wie die eines Adlers im Flug.

An den alten Lettern nahmen in sozialen Netzwerken viele Anstoß, als ein Nutzer ein Bild getwittert und kommentiert hatte: "Hübsches Logo! Fast wie früher ... fehlen nur Adler und Kreuz. Frage mich, wer sich so was ausdenkt heutzutage im Freistaat Sachsen? Und wer hat entschieden, dass so ein Logo da reinkommt?" Es hagelte jede Menge Witze und Häme, TV-Moderator Jan Böhmermann stichelte mit. Prompt ließ Sachsens Innenministerium die nächste Bombe platzen - mit einem eigenen Tweet. "Das Fahrzeug wurde mit dieser Bestickung der Sitze vom Hersteller so ausgeliefert", betonte man. Die "vom Hersteller gewählte Schriftart" sei aber keineswegs ein "Indiz für rechte Attitüde".

Die Sprengkraft dieses Tweets lag darin, dass er sich, wohl um den "Schwarzen Peter" weiterzuschieben, einer Notlüge bediente. Der Hersteller des Fahrzeugs ist der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall. Dessen Sprecher Oliver Hoffmann betonte im Gespräch mit der "Freien Presse" zwar, "offiziell kein Statement zu Kundenwünschen" abgeben zu können. Angesichts einer Vielzahl an Presseanfragen war er aber erkennbar froh, auf eine zwischenzeitlich ergangene Äußerung des Landeskriminalamtes Sachsen hinweisen zu können.

LKA-Sprecher Tom Bernhardt hatte einem Radiosender gegenüber kurz zuvor eine Aussage getroffen, die der Version des Innenministeriums diametral widersprach: Das gestickte SEK-Logo gebe es "intern" seit 1991. Es sei nicht für externe Präsentation bestimmt. Man habe sich damals am Logo des SEK Baden-Württemberg orientiert. Nach der oft von Neonazis genutzten gebrochenen Schriftart gefragt, konterte er. Zur Nazi-Zeit sei Frakturschrift vielmehr sogar als zu jüdisch verboten worden. Das stimmt bedingt: Im Januar 1941 wurden auf Hitlers Order die sogenannten "Schwabacher Judenlettern" als amtliche Schrift abgelöst, die diesen ähnlichen gotischen Lettern gleich mit.

Beim Logo des Sachsen-SEK handelt es sich um eine Mischform aus gotischen Textura-Großbuchstaben und kleinen Buchstaben in Frakturschrift. Um Schwabacher Lettern, wenngleich diese sehr ähnlich sind, handelt es sich nicht.

Kaum erörtert blieb in der Diskussion am Montag indes die Frage nach den horizontal ausgebreiteten Adlerschwingen, die schließlich weder mit denen des Bundesadlers noch des Reichsadlers zur Kaiserzeit deckungsgleich sind. Gerade ausgebreitete Schwingen kennt die Heraldik aus dem Römischen Reich und aus dem Nationalsozialismus. Sowohl der Parteiadler der Nazis als auch der diesem angeglichene Reichsadler verfügten über horizontal ausgebreitete Schwingen.

Während eine Sprecherin des sächsischen Innenministeriums sich am Montag außerstande sah, das Zustandekommen vorangegangener Falschinfomationen zu erklären, teilte die Behörde später per Verlautbarung mit: "Der Sitzhersteller hat dem Landeskriminalamt angeboten, die Sitze mit einem Logo kostenneutral zu besticken. Diesem Vorschlag wurde durch die Behörde zugestimmt und eine Vorlage geliefert." Die aktuelle Diskussion nehme man zum Anlass, die Verwendung des Logos "kritisch zu prüfen".

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1Kommentare
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  • 7
    0
    Hinterfragt
    19.12.2017

    "SEK-Logo wirft viele Fragen auf"

    Nö!
    Was solls, man will nur einfach wieder im Netz gegen Sachsen wettern!

    Hätte sich die "Geier des Journalismus" einfach nur mal der Websuche bedient, hätte man herausgefunden, dass diese Machart des SEK-Wappens KEIN Alleinstellungsmerkmal des Sächsischen SEK ist!!!

    http://www.sondereinheiten.de/einheiten/sek/bildergalerie/



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